# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Correspondenz aus Böhmen. schen Sprache und Nationalität das böhmische Volk mit dem Katholicismus auszusöhnen sich aus allen Kräften bemüht. Die lutherisch⸗böhmischen Gemeinden nehmen an dieser Agitation gar keinen Antheil und verhalten sich ganz passiv. — An der sächsischen Grenze haben sich die zerstreut wohnenden deutschen Lutheraner in jüngster Zeit zu Gemeinden vereinigt, so in Romburg, Rosendorf und Reichenberg; hiezu kommt noch die in letzter Zeit entstandene böhmische Filiale Spalow, deren Bewohner vom Papstthum abgefallen sind und eine lutherische Filialgemeinde gebildet haben. In diesen dreien Filialen werden nun Kirchlein gebaut. Es ist allerdings wahrzunehmen, daß die evangelische Lehre immer mehr an Ausdehnung in Böhmen gewinnt, nur wäre zu wünschen, wenn auch ein wahrhaft evangelisches Leben und ein rechter evangelischer Glaube in den Gemeinden rechte Wurzeln fassen würde. Allein wir dürfen es uns nicht verhehlen, daß auch bei uns in Böhmen viel Fäulniß in der Kirche anzutreffen ist. Der moderne Rationalismus, diese Ausgeburt der Neuzeit, hat den positiven Boden auch unserer Kirche aufgelockert. Daß diesem Uebelstande die neue Kirchenverfassung nicht abhelfen wird, liegt auf der Hand. Im Gegentheil brachte dieselbe in unsere Gemeinden ein demokratisches Wesen, welches schon hie und da zu wuchern beginnt, und die bei der Verderbtheit der menschlichen Natur der Kirche nicht nur nicht frommen, sondern zu ihrem Nachtheil gereichen kann. Unten liegt die ganze Gewalt in den Händen des Presbyteriums und oben in den Händen des Wiener Oberkirchenrathes. In der Mitte zwischen diesen beiden heterogenen Elementen stehen die Prediger und Schullehrer da. Die Kirchenverfassung stellt den Prediger den übrigen Mitgliedern des Presbyteriums gleich; ja in Oppositionsfällen werden dieselben über den Pfarrer gestellt. Der Oberkirchenrath — der sich jetzt schon von den Presbyterien der reformirten Gemeinde so manches gefallen lassen muß — und der eigentlich zu dieser Kirchenverfassung gerathen, wird früher oder später Ach und Wehe schreien über das in der Kirche eingerissene Unwesen, und die Regierung wird sich endlich bemüßigt sehen einzuschreiten. Man vergaß, daß das ewige Wort Gottes die beste Kirchenverfassung ist. Aber das Wort Gottes will nun nicht mehr genügen; es paßt nicht — wie man sagt — für die gegenwärtigen Verhältnisse, wo die Aufklärung mit Riesenschritten vorwärts schreitet; man verläßt den HErrn, die lebendige Quelle, und macht sich hie und da ausgehauene Brunnen, die doch löchericht sind und kein Wasser geben. Die oberste Kirchenbehörde in Oesterreich ist der k. k. evangelische Oberkirchenrath in Wien (er besteht aus denselben Männern des ehemaligen k. k. Consistoriums) für beide Confessionen. An der Spitze dieses Oberkirchenraths stehen zwei politische Beamten, Hofrath Zimmermann (lutherisch) und Samuel Bell (reformirt). Diese beiden Herren repräsentiren den ganzen Oberkirchenrath. Es sind wohl noch die zwei Wiener Prediger Gunesch (lutherisch) und Franz (reformirt) dem Oberkirchenrath zugewiesen; allein von ihrer Thätigkeit ist rein nichts wahrzunehmen. Alle Erlasse sind von