# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Luther als Prediger. 19 dem seligen Leben der ewigen Genießung Gottes zu führen, sie darin zu erhalten und zu stärken. Unter Anrufung des heiligen Geistes, mit unermüdlichem Eifer, mit Innigkeit und Scharfsinn forscht er in der Schrift, die himmlische Lehre in ihren vielfachen Beziehungen, ihrem reichen Inhalt, ihrem tiefen Sinn, in ihrer göttlichen Reinheit scharf gesondert von falscher Auffassung, Auslegung und Anwendung, wodurch Vernunft und Menschensatzung den klaren Sinn des göttlichen Wortes zu verdecken pflegen, immer besser zu erkennen, eignet er sich die Schätze der Erkenntniß und Erfahrung in Lehre und Leben, die in den Bekenntnissen der Kirche, den Schriften ihrer Lehrer und Zungen niedergelegt sind, an, lernt an diesen Vorbildern die rechte Weise das göttliche Wort zu behandeln und anzuwenden und sucht dies Alles als ein wohlgeordnetes Wissen in sich festzuhalten um zur Erreichung seines erhabenen Zieles fähig und jederzeit bereit zu sein, in den Seelen der Menschen die Bollwerke des Teufels zu zerstören, den Glauben aufzurichten, nicht menschlichen Wahn, sondern göttliche Wahrheit, nicht schädliches Gift, sondern die ungefälschte heilbringende Arznei ihnen rechtzeitig darreichen zu können, sie mit der festesten Zuversicht, dem gewissesten Troste, der brünstigsten Liebe, der freudigsten Geduld, der seligsten Hoffnung, dem tiefsten Abscheu vor jeglicher Sünde zu erfüllen. So ausgerüstet lehrt, straft, ermahnt, tröstet er unablässig, unerschrocken, in brünstiger Liebe, mit Weisheit, Geschick, in der Kraft Gottes, sich selbst selig machend und die ihn hören. Luther als Prediger von Prof. Dr. Hengstenberg. Unter der Ueberschrift „Luther als Prediger“ findet sich in der Ev. Kirchenzeitung vom 11. October und den folgenden Nummern ein Aufsatz, welcher es erstlich auf's neue documentirt, daß Hengstenberg trotz seines Verweilens in einer Landeskirche mit unirtem Regiment doch eine bessere Einsicht in das, was eigentlich Lutherisch ist, als, wir wollen nicht sagen, die hiesigen s. g. Lutheraner*), sondern als viele jetzige Lutheraner überhaupt hat; jener Aufsatz enthält aber auch so viel Lehrreiches und Beherzigenswerthes, daß wir es uns nicht versagen können, das Wichtigste daraus den Lesern unserer theologischen Zeitschrift mitzutheilen. Es heißt darin u. A. also: *) Wenn vor kurzem Hr. Dr. Seyffarth den Artikel Hengstenberg's über Sclaverei, den wir mittheilten, im „Luth. Herold“ zu widerlegen gesucht hat, so thut uns das nur um des ersteren willen leid, indem er damit, abgesehen von seinen „historischen Irrthümern,“ nur seine völlige Incompetenz auf dogmatischem Gebiete und seine völlige Unfähigkeit an den Tag gegeben hat, den tiefen Zusammenhang einzusehen, in welchem die von Hengstenberg ausgesprochene Lehre von der Leibeigenschaft mit der Gesammtlehre der Schrift und unserer Kirche überhaupt stehe. Wenn aber auch Herr Ludwig, vertrauend auf einen Professor der egyptischen Alterthümer, in der Nummer vom 15. December den Hrn. Prof. Dr. Hengstenberg schulmeistern will, da fällt uns allerdings das alte Ciceronianische (sit venia verbo) Sus docet Minervam ein.