# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 15 Fünf Thesen über das theologische Axiom: Theologia est habitus intellectus θεοςδοτος practicus per verbum a Spiritu Sancto collatus. Die Theologie ist eine gottgegebene durch das Wort vom Heiligen Geiste mitgetheilte practische Fertigkeit des Verstandes. *) Vorbemerkung. — Da der vorliegende Satz nicht als Theorem, sondern als Axiom aufgestellt ist, so haben die Thesen nicht den Beweis der Richtigkeit, sondern eine klare und deutliche Darlegung des Inhalts zum Zweck. — Das Axiom ist für unsere Zeit besonders wichtig, schon darum, weil unsere sogenannten wissenschaftlichen Theologen den Namen der Theologie und die daran haftende Würde denen zu rauben versuchen, welchen beide eigentlich zukommen. Aber wie der kein Arzt ist, welcher nur die allgemeine Physiologie, Pathologie und Therapie nach einem bestimmten System sich angeeignet hat oder ein neues System ausbildet, so ist der kein Theologe, welcher nur gelernt hat, Gewebe speculativer Theologie, seien sie denen der Spinne, oder auch denen des Seidenwurmes ähnlich, auszuspinnen. I. Das Wort Theologie ist hier in seiner eigentlichen Bedeutung genommen, nämlich als besondere Beschaffenheit einer sich mit Gott und göttlichen Dingen beschäftigenden Person. Davon zu unterscheiden ist: 1) eine engere Bedeutung des Wortes. So sind diejenigen, welche in besonderer Weise fähig waren, die Menschen von der Natur des göttlichen Wesens, oder von der Gottheit der Person Jesu zu überzeugen, Theologen genannt worden. 2) die von der Person auf die Sache übertragene Bedeutung. Nach dieser wird das System der Religionslehre oder deren mündliche oder schriftliche Darstellung in wissenschaftlicher oder populärer Form Theologie genannt. II. Das Wesen der Theologie oder derjenigen Eigenschaft, welche eine Person zum Theologen macht, wird von dem Axiom nicht, wie sie an und für sich ist, beschrieben. Die Beschreibung gilt nur der besonderen Form derselben, welche dem Zustande des jetzigen irdischen Lebens der Menschen angehört. Also ist von ihr zu unterscheiden: 1) die Theologie Gottes. Sie ist nicht blos eine dem Wesen Gottes anhaftende Beschaffenheit, sondern das göttliche Wesen selbst. Sie ist zugleich das Urbild der Theologie intelligenter Creaturen und von ihr hat diese ihre hohe Würde. 2) die Theologie der menschlichen Natur Christi. Sie ist vor der Theologie aller anderen Creaturen ausgezeichnet durch die Wirkungen der persönlichen Vereinigung mit der göttlichen Natur und der Salbung mit dem heiligen Geiste in vollstem Maße. *) Auf Wunsch der Fort Wayner Prediger-Conferenz hier mitgetheilt. Ein Freund schlägt als Uebersetzung von habitus intellectus practicus vor: „auf die Praxis zielende Bildung des Geistes.“