# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. 11 für ihn sorgen; und auch jetzt würde er auf seine Frage: „Hast du auch je Mangel gehabt?“ antworten müssen: „Nein, HErr! nie keinen.“ Nach derselben Liebe wird er dann auch willig sein, diese und jene mit der Kirche oder Schule näher oder ferner im Zusammenhang stehende äußere Dienstleistung zu übernehmen, wenn sie dermalen füglich nicht anders beschickt werden könnte. Er wird nicht in dem hoffärtigen Wahn und Dünkel, daß dies seiner Ehre und Würde Eintrag thue, solchen Dienst der Liebe ablehnen, sondern des HErrn Christi eingedenk sein, der seinen Jüngern die Füße wusch. Auf der andern Seite ist es freilich eben so sehr der Liebe gemäß, daß der mitberufende Pastor Sorge trage, sein Volk auch in diesem Stücke nach Gottes Wort zu belehren, und wider den Kleinglauben und Geiz anzukämpfen, daß der ausgesetzte Lohn nicht zu sehr hinter dem Vermögen und dem dermaligen christlichen Erkenntnißstande der Gemeinde zurückbleibe. Wenn nun auf diese und ähnliche Weise der Schullehrer sich der Gemeinde in der dienenden Liebe erzeigt und zugleich, wie oben dargethan, seines eigentlichen Berufes wartet, so ist kein Zweifel daran, daß ihm Beides ungesucht, die Liebe, Achtung und Dankbarkeit der Gemeinde immer mehr zuwenden, und diese auch seine äußere Lage demgemäß verbessern wird. Wollte er aber — uneingedenk seines hohen und herrlichen Christenberufs, in der Liebe zu wandeln, die nicht das Ihre sucht und allerlei verträgt und duldet, und ihre Lindigkeit allerlei Leuten kund werden läßt, — wollte er statt dessen auf kleinliche und peinliche Weise eine Art rechtlichen Standpunkt gegen die Gemeine geltend machen, und vor ihr auf disputirende Weise Lohn und Arbeit gegen einander abwägen und auf Erhöhung des ersteren dringen, so würde ihm dies vielleicht gelingen; aber gewiß ist es, daß er dadurch um so tiefer in der Achtung und dem Vertrauen, das die Gemeinde billig zu ihm haben sollte, sinken, und für einen Lohndiener und Miethling gehalten werden würde. Und also hätte er sicherlich mehr verloren als gewonnen. Zum fünften ist es der dienenden Liebe gemäß, daß der Schullehrer vorsichtiglich wandelt gegen mancherlei Gemeindeglieder; denn zum Ersten giebt es solche, die als Heuchler und als heimlich epikurische oder pharisäische Feinde des strafenden Wortes Gottes auch dem Verkündiger desselben feind sind, und solchen Haß gelegentlich kund geben. Zum andern fehlt es nicht an solchen, die in pietistischer Verschrobenheit an der evangelischen Predigtweise, Seelsorge und Gemeindeleitung des Pastors allerlei zu mäkeln und zu kritteln haben, und per steam je eher je lieber lauter solche formgerechte, fertige Heilige um sich sähen, wie sie selber sind. Zum dritten sind auch solche vorhanden, die zwar eine gute formelle, christliche Erkenntniß und kirchliche Erfahrung nebst einer fertigen Zunge haben, beides zu äußern in und außer den Gemeindeversammlungen, denen aber Demuth und Einfalt des Herzens so ziemlich abgeht; denn nicht undeutlich lassen sie hin und her Manches durchblicken, das wie Hochmuth und Herrschsucht aussieht, indem sie in praktischen Dingen alles nach ihrem Sinn wollen gehandelt haben,