# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S128 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſind gar ſeltſam, die ſich der rechten Mittelſtraße halten. Ja, es wird auch wohl den frommen Chriſten ſchwer. — Luther in ſeiner Predigt über 1 Joh. 4, 16—21. Von der Liebe. Sündlichkeit des Zweifels an Gottes Gnade. Gott verſpricht dir, wenn du die Welt verläſ⸗ ſeſt, ein ewiges Leben, und du zweifelſt und ſchwankeſt? Das heißt, von Gott gar nichts wiſſen; das heißt, Chriſtum, den Herrn und Meiſter der Gläubigen, durch die Sünde des Unglaubens beleidigen; das heißt, in der Kirche als in der Wohnung des Glaubens den Glau— ben verleugnen. Cyprian. serm. 4 de mortal. Voltaire's Hoffnung im Tode. Als der Arzt des Herzogs von Orleans, Namens Tronchin, zu dem alten Religions⸗ ſpötter Voltaire geſchickt wurde, um ihn in ſeiner Krankheit zu behandeln, ſagte Voltaire zu ihm: „Mein Herr, ich wünſche, daß Sie mir das Leben retten: ich gebe Ihnen die Hälfte mei⸗ nes Vermögens, wenn Sie meinen Tagen noch ſechs Monate zuſetzen. Wo nicht, ſo fahre ich zum Teufel, und nehme Sie mit mir.“ Methodismus. Herr Köneke macht im Apologeten verſchiedene Angriffe auf mich. Ich hatte gegen ſeine unge⸗ rechten Beſchuldigungen meinen Freund Francke vertheidigt, der mit mir kürzlich aus Deutſchland gekommen war, um hier der evang.⸗lutheriſchen Kirche zu dienen, und ihm dabei die Wahrheit klar und ſcharf geſagt. Das erbittert ihn. Er antwortet mir mit Spott und Hohn und beweiſ't damit ſein böſes Gewiſſen und ſeine ſchlechte Sache. Spott und Hohn widerlege ich nicht, ich ertrage ſie freudig um JEſu willen, weil Hr. Köneke daran lügt. Ich verzeihe ihm, was er gegen mich geläſtert; was er gegen Andere ge— läſtert, welche beſſer ſind, als er, das verzeihe ihm Gott, wenn er aufrichtig Buße thut, was ich ihm von Herzen wünſche. Die Eigenthümer jener Kirche, in welche ſich die Methodiſten ſchlichen, ſind der Mehrzahl nach Glieder meiner Gemeinde. Darum hatten ſie ein Recht, den Methodiſten den Eingang zu verweigern. Darum war es gottlos, daß die Me⸗ thodiſten dennoch hineinbrachen. Wie ich höre, wurde das Schloß nach zwei Tagen in zerbroche⸗ nem Zuſtande von einem Methodiſten wieder zurückgebracht. Die Prediger der evang.-lutheriſchen Kirche vergeben den Menſchen die Sünden nicht aus eigener Vollmacht, wie Herr Köneke läſtert, ſon- dern aus Befehl des HErrn IEſu Chriſti, wel— cher der Kirche und durch dieſe dem heiligen Pre— digtamte die Himmelsſchlüſſel, oder die Gewalt! zu löſen und zu binden gegeben hat, da er ſpricht Joh. 20, 23.: Welchen ihr die Sünden erlaſſet, denen ſind ſie erlaſſen; und welchen ihr ſie be— haltet, denen ſind ſie behalten. Ich habe geſagt, daß die Methodiſten die Taufe und das Abendmahl als bloße Ceremonieen ſchändlich verachten. Herr Köneke nennt dies Verleumdung. Damit legt ſein böſes Gewiſſen wider Willen Zeugniß gegen ihn ſelber ab. Er möchte es gerne leugnen, weil er ſein Unrecht fühlt; aber er kann es nicht, denn es reden gegen ihn die offenbarſten Zeugniſſe. — Ceremonieen ſind äußere Sitten, Geberden und Zeichen, wel⸗ chen eine geiſtige Bedeutung beigelegt wird. So das Niederknieen. Dadurch werden keine himm⸗ liſchen Güter mitgetheilt, es drückt aber auf paſ— ſende Weiſe die Ehrfurcht gegen Gott aus. Die heiligen Sacramente ſind aber keine bloßen Cere⸗ monieen, denn durch dieſelben werden uns unter 128⁸ ſichtbaren Zeichen himmliſche Güter mitgetheilt, durch die heilige Taufe der Heilige Geiſt, durch das heilige Abendmahl der wahre Leib und das wahre Blut des HErrn. Die Methodiſten aber leugnen die himmliſchen Güter und laſſen bloß die ſichlbaren Zeichen ſtehen, welchen ſie nur eine geiſtige Bedeutung beilegen. Sie machen alſo aus den heiligen Sacramenten bloße äußere Cere⸗ monieen, das iſt aber Gottes heilige Stiftungen mit freveler Willkühr verändern, mithin ſie ſchänd—⸗ lich verachten. Es iſt ein heiliger, unverbrüchlicher Grundſatz der rechtgläubigen Kirche, daß Niemand ein kirch⸗ liches Amt übernehmen darf, er ſei denn ordentlich berufen. Denn die heilige Schrift ſagt Ebr. 5, 4.: Niemand nimmt ihm ſelbſt die Ehre, ſondern der auch berufen ſei von Gott, gleichwie der Aaron. Nun wiſſen wir aber aus Ap. Geſch. 6. 7. und 8., daß Stephanus und Philippus auch das Wort Gottes verkündigt haben. Daraus folgt unwider⸗ ſprechlich, daß ihnen von der apoſtoliſchen Ge— meinde bei ihrer Berufung außer der Almoſen⸗ pflege auch das Predigtamt befohlen war. Alſo hatte die apoſtoliſche Gemeinde die köſtliche Frei⸗ heit, die Diener der Kirche im weiteſten Sinne ſelbſt zu wählen und zu berufen. Gaben nun die Apoſtel der Gemeinde in einem Falle das Recht, dieſe Freiheit auszuüben, ſo werden ſie es derſelben bei der Conſequenz ihres Handelns auch in andern Fällen nicht verweigert haben. Und hatte die apoſtoliſche Gemeinde das Recht, Kirchendiener zu berufen, welche zunächſt für ihre leiblichen Be— dürfniſſe zu ſorgen hatten, wie viel mehr, wo es die ausſchließliche Sorge für die Seelen galt? Das-— ſelbe beweiſen viele andere Stellen der heiligen Schrift und die ganze apoſtoliſche Praxis. Nur Herr Köneke iſt fähig, dieſes zu leugnen. Der methodiſtiſche Reiſeplan wird von Herrn Köneke natürlich gelobt, weil dadurch das Schleicherhandwerk in eine Art von Syſtem gebracht wird. Er iſt aber von der rechtgläubigen Kirche beſtändig verworfen. Herr Köneke läſtert die evangeliſch-lutheriſche Kirche, daß ihre Prediger um des Gewinnſtes willen andere Gemeinden ſuchen, welche mehr einbringen; ſich dabei ver⸗ drängten, u. ſ. w. Es iſt gottlos, die Sünden einzelner heuchleriſcher Namen-Lutheraner der ganzen evangeliſch-lutheriſchen Kirche zur Laſt zu legen, zumal dieſe ſolches ſchändliche Verfahren bis hieher ſtets auf das Entſchiedenſte ver— dammet hat. Ich habe meinen Gegner kurz abgewieſen; die Leerheit ſeiner Ausflüchte iſt zu offenbar, um viele Worte darüber zu verlieren. Gott ändre ſeinen Sinn; möge er aufhören, die Seelen zu ver— führen. Ich rathe ihm freundlich, die evangeliſch— lutheriſche Kirche in Frieden zu laſſen. Will er aber guten Rath nicht annehmen, ſo ſoll ihm ge— dient werden, wie er es verdient. Hermann Fick. Kirchliche Nachrichten. Am 12. März dieſes Jahres, am Sonntage Invocavit, erhielt Herr Candidat Franz Ju— lius Biltz auf ſein bei der ev.-luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St. eingereichtes Ge— ſuch durch die HH. PP. Löber und Gruber aus Perry County, Mo., inmitten der deutſchen ev.⸗ luth. Gemeinde am Apple Creek, Cape Girardeau County, Mo., die ihn zu ihrem Seelſorger ordent⸗ lich berufen hatte, die kirchliche Ordination. Der liebe junge Amtsbruder hatte von Jugend an bis zu ſeinem Eintritt in das heilige Amt ſeine Aus— bildung dazu in dem philologiſch-theologiſchen Seminar zu Altenburg in Perry County, Mo., erhalten. Möge unſer lieber HErr IEſus Chri— ſtus, das unſichtbare Oberhaupt Seiner Kirche, dieſen Seinen Knecht, den Er in Seinen Wein⸗ berg berufen, wie mit Seinen Gaben, ſo mit viel Segen ſchmücken, zu Seines heiligen Na⸗ mens Ehre und vieler durch Ihn erkauften Seelen Rettung. Amen. Aus einem Schreiben des Herrn Paſtor A.]“ Hoyer erfahren wir, daß ſich am 27. Februar d. J. in Harford County, Md., an einem von Baltimore ohngefähr 24 Meilen entfernten Orte eine kleine lutheriſche Gemeinde gebildet und ſich hierbei auf ſämmtliche öffentliche Bekenntniſſe un⸗ ſerer heiligen Kirche gegründet hat. Der Ge⸗ meinde ſteht der genannte Herr Paſtor Hoyer vor.! Derſelbe, vom Conſiſtorium zu Hannover examinirt und ordinirt, kam im vorigen Jahre nach Amerika, um hier unſerer Kirche zu dienen, unter⸗ ſtützte ſeit September v. J. Herrn Paſtor Wyne⸗ ken in Baltimore in ſeinem arbeitsvollen Amte und arbeitet gegenwärtig an vier Hauptplätzen in verſchiedenen Gegenden Marylands. Möge das Wort des HErrn: „Ihr ſeid das Salz der Erde“, an unſerem eifrigen lieben Amtsbruder auf das Herrlichſte ſich bethätigen. „Vor allen Dingen ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöſchen könnet alle feurige Pfeile des Böſewichts.“ (Epheſ. 6, 16.) Der ſelige Johann Brenz, der berühmte Würtembergiſche lutheriſche Theolog, erzählt in der Vorrede zu dem 5. Theile ſeiner Werke eine merkwürdige Geſchichte von einem ſeiner Tauf⸗ pathen, einem geweſenen frommen Burgemeiſter in Schwäbiſch⸗Halle, woraus man ſehen kann, wie der Teufel die Seelen anzugreifen pflege, aber auch, wie er überwunden werde. Jener Burge⸗ meiſter lag nemlich hart krank darnieder, und ſiehe! eines Tages kommt ein Mann, in Geſtalt eines Schreibers, in ſeine Stube, Papier, Tinte und Feder in ſeiner Hand tragend, ſetzt ſich an einen Tiſch und ſpricht zu dem Kranken: „Chri— ſtoph, erzähle nach einander deine Sünden, die du je begangen. Denn ich bin von Gott geſandt, daß ich dieſelben verzeichnen und vor Gottes Rich- terſtuhl bringen ſoll.“ Der Kranke merkte gar bald, daß er es mit dem Teufel zu thun habe; er richtete ſich daher im Bette auf, und ſprach: „Ja, jedoch muß man vor allem oben drüber einen Ti⸗ tel ſetzen. Schreibe alſo: „„Des Weibes Saame wird der hölliſchen Schlange den Kopf zertreten.““ Unter dieſen Titel— ſchreibe jetzt alle Sünden meines ganzen Lebens, die ich dir in die Feder diktiren will.“ Als der Teufel in Menſchengeſtalt dies hörte, verſchwand er auf der Stelle. Brenz ſetzt richtig hinzu: „Dieſe Geſchichte habe ich mitheilen wollen, zu zeigen, wie nothwendig es ſei, daß wir immer mit dem Schwerdt des Heiligen Geiſtes umgürtet und gerüſtet ſein, um alle feurige Pfeile des Böſe— wichts auslöſchen zu können.“ Erhalten 52.00 zur Synodal⸗Miſſions⸗Caſſe von der Gemeindt Altenburg. 82.00 zur Indianer-Miſſion von Herrn P. Kranz in Mercer Co., Pa. Bezahlt. Den 3. Jahrg. Hr. Nicol. Frahs. Den 4. Jahrg. Die HH. Nicol. Frahs, Heinrich Heve⸗ kette, Mich. Helferich, Mart. Kolbenſtädter, P. Kranz, P. Schladermundt, Jakob und Chr. Wingert. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. Lorenz Frahs. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.