# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S5 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort. 5 kühnlich uns zu Gott Gutes dürfen versehen, bitten und hoffen, und daß Christus der heiligen Geist den Seinen gibt, dadurch sie dem Teufel Widerstand thun, daß der Teufel sie nicht in Sünde werfen mag, wie die Gottlosen, deren Herzen er in seiner Gewalt hat, treibt sie zu Mord, Ehebruch, Gotteslästerung ꝛc. Darum stehet christliche Freiheit im Herzen, läßt sich nicht mit fleischlichen Augen sehen. Aeußerlich trägt ein Christ geduldiglich und fröhlich alle weltliche und bürgerliche Ordnung und braucht deren als Speise und Kleider; er kann leibeigen und unterthan sein, er kann sich sächsischer Rechte oder römischer Rechte in Brauch und Theilung der Güter halten. Solch Ding irret aber alles den Glauben nicht, ja, das Evangelium fordert, daß man solche weltliche Ordnungen um Friedens willen halte. Paulus zun Ephesern am 6, v. 5. 6. 7. ꝛc.: „„Ihr Leibeigenen seid euern leiblichen Herrn gehorsam mit Furcht und Zittern mit willigen Herzen als Christo, nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als Diener Christi, und thut solchen Willen Gottes von Herzen freundlich““ ꝛc. Und zun Colossern 3, 22.: „„Ihr Leibeigene seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren ꝛc. Wer unrecht thut, wird empfahen, was er unrecht gethan hat.““ Also ist Joseph selbst ein Leibeigener in Egypten lange Zeit gewesen, und andere Heiligen viel. Darum hat das Zumuthen der Bauern keinen Schein, ja, es wäre vonnöthen, daß ein solch wild ungezogen Volk, als Deutsche sind, noch weniger Freiheit hätte, denn es hat.“ (A. a. O. S. 48. 49.) So schreibt ein Melanchthon, der durch die Humaniora so fein Gebildete, der Humanist im guten Sinne des Wortes, der aber auch zugleich ein, Gottes Wort sich unterwerfender demüthiger Christ und ein den Gegensatz der Scheinweisheit der blinden Welt, die nichts als Fleisch ist, tief durchschauender Theolog war. Dieser Kampf der Kirche war denn auch nicht vergeblich. Das furchtbare Feuer, welches das ganze Gebäude der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung Deutschlands zu verzehren und nichts als Greuel der Verwüstung zurückzulassen drohte, erlosch nach kurzer Frist für einen längeren Zeitraum fast gänzlich. Doch der Humanismus, der von Gott und Menschen unabhängig sein will, der den Menschen auf Glück im Jenseits als auf etwas Ungewisses verzichten und dasselbe aus sich selbst schöpfen lehrt und eine endlich gewiß erfolgende Umschaffung der Erde in den Himmel durch gleiches Glück Aller verheißt, er ist der Chiliasmus der groben Welt, er ist ihre Religion, die daher, wo das Christenthum fällt, immer und immet wieder mit Gewalt auftaucht. Als daher zu Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts der Deismus in England sein Haupt erhob, hierauf nach Frankreich übersiedelte und von dort und hier auch nach Deutschland exportirt wurde, da entstanden bald zahllose Herolde des Humanismus. Als Chorag derselben steht vor allen Rousseau da. Er war es, der zuerst wieder den Humanitäts·Gedanken, daß der Mensch von Natur rein und gut sei, und