# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S4 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 4 Vorwort. Was das Erste betrifft, so schreibt Luther in seiner „Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauerschaft in Schwaben“ vom Jahre 1525: „Erstlich mögen wir niemand auf Erden danken solches Unraths und Aufruhrs, denn euch Fürsten und Herren, sonderlich euch blinden Bischöfen, tollen Pfaffen und Mönchen, die ihr, noch heutiges Tages verstockt, nicht aufhöret zu toben und wüthen wider das heilige Evangelium, ob ihr gleich wisset, daß es recht ist, und auch nicht widerlegen könnet; dazu im weltlichen Regiment nicht mehr thut, denn daß ihr schindet und schaßt, euren Pracht und Hochmuth zu führen, bis der arme gemeine Mann nicht kann, noch länger mag ertragen . . Das sollt ihr wissen, lieben Herrn, Gott schafft's also, daß man nicht kann, noch will, noch solle eure Wütherei die Länge dulden. Ihr müsset anders werden und Gottes Wort weichen. Thut ihr's nicht durch freundliche, willige Weise, so müsset ihr's thun durch gewaltige und verderbliche Unweise. Thun's die Bauern nicht, so müssen's andere thun. Und ob ihr sie alle schlügt, so sind sie noch ungeschlagen, Gott wird andere erwecken. Denn Er will euch schlagen und wird euch schlagen. Es sind nicht Bauern, liebe Herrn, die sich wider euch setzen: Gott ist's selber, der setzt sich wider euch, heimzusuchen eure Wütherei.“ Nachdem aber Luther in dieser und ähnlicher Weise den Herrn das Wort Gottes gepredigt hat, wendet er sich hierauf auch an die Unterthanen, die Bauern, straft ihren Aufruhr und sagt u. A. über ihre Artikel, namentlich über den angeführten dritten: „Es soll kein Leibeigener sein, weil uns Christus hat alle befreit! Was ist das? Das heißt christliche Freiheit ganz fleischlich machen. Hat nicht Abraham und andere Patriarchen und Propheten auch Leibeigne gehabt? Leset St. Paulum, was er von den Knechten, welche zu der Zeit alle leibeigen waren, lehret. Drum ist dieser Artikel stracks wider das Evangelium und räuberisch, damit ein jeglicher seinen Leib, so eigen worden ist, seinem Herrn nimmt. Denn ein Leibeigener kann wohl Christ sein und christliche Freiheit haben, gleichwie ein Gefangener oder Kranker ein Christ ist, und doch nicht frei ist. Es will dieser Artikel alle Menschen gleich machen und aus dem geistlichen Reich Christi ein weltlich äußerlich Reich machen; welches unmöglich ist. Denn weltlich Reich kann nicht stehen, wo nicht Ungleichheit ist in Personen, daß etliche frei sein, etliche gefangen, etliche Herren, etliche Unterthanen ꝛc. Wie St. Paulus sagt, Gal. 3, 28., daß in Christo Herr und Knecht ein Ding sei.“ (A. a. O. XVI. 60. 61. 85. 86.) Hierin waren denn auch Luther's Mitarbeiter durchaus mit ihm einig. Melanchthon schreibt u. A. in seiner „Schrift wider die Artikel der Bauerschaft“: „Es ist auch ein Frevel und Gewalt, daß sie nicht wollen leibeigen sein. Daß sie aber Schrift anziehen, Christus habe uns frei gemacht, das ist geredt von geistlicher Freiheit: daß wir gewiß sind, daß durch Ihn unsere Sünde ohne unsere Genugthuung weggenommen ist und daß wir