# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S3 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort. 3 dieses Lebens ihm abnehmen und darum die Menschen abolitionistisch und communistisch frei und gleich haben wollte in Recht, Besitz und Genuß und der daher Vorzüge in diesen Dingen für zu bestrafende Verbrechen ansah. Mochten die beiden ersten ihren Humanismus auf Lehren und Verheißungen der christlichen Offenbarung, die letzteren auf ein pantheistisches System gründen: der Geist, der alle trieb, war einer und derselbe. Die Bauern sagen z. B. in ihren „zwölf Artikeln“: „Zum dritten ist bisher der Brauch gewesen, daß man uns für eigene Leute gehalten habe, welches zu erbarmen ist; angesehen, daß uns Christus alle mit seinem kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich sowohl als den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindt sich's mit der Schrift, daß wir frei sein und wollen sein. Zum vierten ist bisher im Brauch gewest, daß kein armer Mann Gewalt gehabt hat, das Wildpret, Gevögel oder Fisch im fließenden Wasser zu fahen, welches uns ganz unziemlich und unbrüderlich dünket, sondern eigennützig und dem Worte Gottes nicht gemäß . . Als Gott der HErr den Menschen erschuf, hat er ihm Gewalt gegeben über alle Thiere, über den Vogel in der Luft und. über den Fisch im Wasser, 1 Mos. 1, 28. 30.. Gott der HErr hat das Vieh frei dem Menschen geschaffen.“ (Luther's Werke von Walch. XVI, 26. 27.) Die Summa dessen, was die Artikel wollten, sprach Münzer mit den Worten aus: „Omnia simul communia d. h. alle Dinge sollen gemein sein und sollen jedem nach Nothdurft ausgetheilt werden nach Gelegenheit.“ Daß bei dieser neuen „Ordnung“ der Dinge auch nicht mehr von Fürsten und Herren die Rede sein könnte, verstand sich von selbst. „Man lehrte,“ berichtet Ranke, „weil Alle Eines Vaters Kinder und Alle gleich mit dem Blut Christi erlöst seien, müsse es auch fortan keine Ungleichheit geben, weder des Reichthums noch des Standes. Münzer predigte überall von der Befreiung Israels und der Aufrichtung eines himmlischen Reiches auf Erden.“*) Wie stellte sich nun hiergegen damals die Kirche? — Sie verkannte ja freilich nicht, daß übermachter Mißbrauch der bevorzugten Stände das schmählich unterdrückte unwissende Volk zur Verzweiflung getrieben und in seinen Wahn gestürzt habe; sie erklärte vielmehr den Ausbruch des Bauernaufruhrs für ein wohlverdientes göttliches Strafgericht und ermahnte zu Abthuung der Unterdrückung der Armen und der Tyrannei gegen die Untergebenen und zu Besserung der in himmelschreiendes Verderben gerathenen bürgerlichen und gesellschaftlichen Zustände. Aber weit entfernt, daß sich die Kirche dabei dazu sollte haben verleiten lassen, den Unterschied selbst zwischen Herr und Knecht, Fürst und Unterthan, Reich und Arm u. s. w. als mit dem Evangelio unverträglich darzustellen, so wurde der Kirche der genommene Anlauf zum Umsturz dieser Verhältnisse vielmehr eine Veranlassung, mit lauter Stimme dagegen als eine Verkehrung und Verleugnung des Evangeliums Christi und seines Reiches zu zeugen. *) Vergl. Ranke's deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. 3. Ausg. II, S. 144—183.