# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1863_S1 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang IX. Januar 1863. No. 1. Vorwort. Daß der Humanismus nicht nur in einem großen Theil des gegenwärtigen Geschlechts das Christenthum gänzlich verdrängt, sondern auch die gegenwärtige sogenannte christliche Theologie selbst bis in ihr innerstes Herz hinein angesteckt, vergiftet und zersetzt hat, ist eine unleugbare Thatsache. Wir verstehen hier unter Humanismus den Glauben an ein Menschheitsideal, den Glauben, daß die Menschheit den Keim einer Entwicklung zu Vollkommenheit und allgemeinem Glück schon, oder besser, allein in dieser Welt in sich trage und daß daher zu Erreichung jenes Ideals nichts mehr nöthig sei, als jedem Menschen den größtmöglichsten Raum zu freier ungehinderter Entwicklung zu verschaffen, ja, daß Freiheit und Gleichheit, gleiche Rechte, gleicher Besitz, gleicher Genuß, nicht nur das zu erstrebende, sondern auch das gewisse, sichere Ziel der Menschheit sei, nach dessen Erreichung Noth und Elend von der Erde endlich verschwunden sein, das Glück seinen Wohnsitz darauf aufgeschlagen haben, der Himmel auf Erden sein werde. Dieser Humanismus ist seinem Wesen nach so alt, als die gefallene Welt. So bald der Mensch von Gott abgefallen war, fühlte er die bittere Frucht seiner Sünde, den Fluch, damit Gott um seinetwillen die Erde verflucht hatte. Er fühlte sich bei allem, das ihm noch geblieben war, unbefriedigt, unglücklich, elend. Anstatt aber in seiner Sünde die Ursache seines Elendes und in der Rückkehr zu Gott seine Hülfe zu suchen, sah er die Folgen selbst für die Ursache und, was diese Welt ihm bieten konnte, für das an, was ihn allein glücklich machen könne. Daher ist denn aber auch der Gegensatz der Kirche gegen diesen Humanismus der ungläubigen Welt gleichfalls eben so alt, als die Kirche selbst. Während schon in der ersten Welt das ungläubige Cainische Geschlecht in der Ausbeutung der Erdenschätze sein Heil suchte (Gen. 4, 16—22.), suchte die gläubige, wenn auch bald immer mehr zusammenschmelzende, sethitische Kirche, auf Glück in den Dingen dieser Welt verzichtend, in der Predigt vom Namen des HErrn, nehmlich in der Verheißung dessen, der der Schlange und allem Uebel den Kopf zertreten werde, in der Verheißung einer zukünftigen Erlösung von Sünde, Tod und Hölle und in der darauf sich gründenden Hoffnung eines jenseitigen ewigen Lebens ihr Glück und ihre Seligkeit. (Gen. 4, 25. 26.) In dem nach der Sündfluth lebenden Geschlechte finden wir