# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S384 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 384 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. solle. Nachdem er über Italien verhandelt hatte, kam America an die Reihe. Im Berichte über die betreffenden Verhandlungen, der sich in der Allg. Kz. vom 17. Sept. findet, heißt es: Ein ganz ähnliches Gebiet berührte der zweite zur Verhandlung kommende Antrag, der der Langenberger Gesellschaft zur Unterstützung der protestantischen Deutschen in Nordamerika für eine organischere Verbindung des Gustav-Adolf-Vereins mit den dortigen deutschen Gemeinden. Der Referent Dr. Schweder aus Berlin legte als Schluß seiner uns leider fast ganz unverständlich gebliebenen Rede drei Thesen vor: 1) der Gustav-Adolf-Verein erkennt das berechtigte Verlangen der Deutschen in Nordamerika nach einem geordneten Kirchenwesen an; 2) er hält es für seine Pflicht, mit aller Liebe und Hülfe den Glaubensgenossen zur Erbauung von Kirchen ꝛc. förderlich zu sein; aber 3) er kann als solcher auf Grund seiner Statuten nur insofern Hülfe leisten, als jene Glaubensgenossen in Amerika in der Diaspora und unter dem Drucke anderer Glaubensgenossen sind. Reiseprediger Meyering aus Langenberg wünscht durch die Aufnahme der deutschen Tochterkirche in der amerikanischen Diaspora ein neues Reis in den Baum zu pflanzen. Das neunzehnte Jahrhundert sei das der Ausbreitung der Reformationskirchen. Reiseprediger im Dienste deutscher Synoden bedürfe man. So viele Candidaten säßen daheim, sie sollten hinüber kommen, da sei Schule der Praxis. — Ebert aus Kassel fühlt die Noth der geistlichen Hülfe in Amerika. Allein muß man nicht fürchten, zu hören, wenn man von dort her immer Briefe bekommt, die vom Wohlleben dort schwärmen, „dahin soll ich Geld schicken?“ Die Sprache des Herzens entscheidet nicht. Der Verein ist an seine Statuten gebunden. Es wäre zwar eine schöne Zukunft in der Vereinigung mit den evangelischen Glaubensgenossen in Amerika. Aber es gibt drüben genug Gemeinden, die längst zu uns hätten treten können, an Aufforderungen hat's nicht gefehlt. Nicht Reiseprediger brauchen sie, sondern Kirchen, und dazu haben sie Mittel. Wir können nur denen helfen, die im Vaterlande keine ausreichenden Mittel haben. Dagegen bittet Redner für die Deutschen in Chili. Namentlich viele seiner Landsleute sind dort, Kurhessen, viele, die lieber daheim geblieben wären. In San Jago, Valparaiso sind die Anfänge eines Kirchenwesens gemacht, dorthin seien Unterstützungen zu geben. — Dr. Großmann schlägt das Amendement vor: „der Gustav-Adolf-Verein erkennt die Bestrebungen unserer amerikanischen Glaubensgenossen an, aber in Betracht, daß er noch in Europa sehr viele unerfüllte Aufgaben hat und noch nicht genau über alle einzelnen Bedürfnisse unterrichtet ist, beschließt er, vor der Hand noch nicht auf jenes Gebiet einzugehen.“ Prälat Dr. Zimmermann unterstützt den Vorredner und wünscht keinen für alle Zeit bindenden Beschluß, vielmehr das Einholen näherer Nachrichten. Bei der Abstimmung wird Großmann's Antrag abgeworfen, der Schweder's mit großer Majorität angenommen. Hannover. Unter dem 28. Sept. schreibt daher ein christlicher Bruder u. A. Folgendes: „Unser Katechismusstreit darf allerdings ein Kampf um das Kleinod der reinen Lehre, soweit dieselbe hier zu Lande noch gewahrt ist, genannt werden. Es ist ein Märtyrerthum in gewissem Grade, ein wahres Brennen der gläubigen Seelen, wahrnehmen zu müssen, wie die Welt, ohne im Geringsten auf ein Recht an die Kirche verzichten zu wollen, jedes Zeugniß der Wahrheit auf die pöbelhafteste Weise beseitigt und wie ihr Uebermuth und Trotz nur Oel empfängt, wo man meint, sie müßte einsehen, überwunden zu sein und ihr Feuer verlöschen lassen. Traurig ist auch die häufig zu Tage kommende Nachgiebigkeit und Schwäche derer, welche Wächter heißen, der göttlichen Sauhirten zu geschweigen, die ins Fäustchen lachen. Der so sehr geliebte und wohlmeinende Superintendent Hildebrand in Göttingen erklärte z. B., nachdem er vorher den neuen Katechismus vertheidigt hatte, seiner halsstarrigen Gemeinde, wie ungern er's auch thue, so wolle er doch um des lieben Friedens willen und weil sein erstes Gebot sei: Fürchtet Gott, ehret den König, von der durch letzteren wieder aufgehobenen Einführung des lieben Buches abstehen. Man hat aber gar keine Praxis in dem Wort: Mein Reich ist nicht von dieser Welt und mengt stets Bürgerliches und Himmlisches in einander. Doch gibt es einzelne treue Männer, die trotz allem Wüthen feststehen. Ein junger Prediger hat erklärt, lieber sterben als von Luthers kleinem Katechismus lassen zu wollen. Ein Sup. Karsten hat seinem Magistrat sehr entschieden geantwortet und offen gesagt, wenn auch das Consistorium wiche, so sei es mit der luth. Kirche hier aus. (Nun das ist ja auch sehr gemischt.) Solchen muthet das gemeine Volk zu, ihr Amt niederzulegen. Der herrschende Geist drängt also unsern Luther ganz offen aus der luth. Kirche hinaus. Es kann unmöglich so bestehen. — Die Union fährt nun wieder mit vollen Segeln. Schenkel schürt die Feindschaft gegen das Lutherthum weidlich in seiner neuen Schrift: Die kirchliche Frage und ihre protest. Lösung. Elberf. 62. Er ist ein würdiger Prophet dieses Geschlechts, die wilde Flamme der von der Lüge genährten Begeisterung, die wie eine Feuersbrunst der Hölle das Volk ergriffen hat, woran Gott so viel umsonst gethan hat!