# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S381 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 381 bote aus dem Unterrichte zu entfernen. Es ist bis zur nackten Verhöhnung der heil. Schrift gekommen, in welcher sich besonders eine hildesheim'sche Gemeinde Holle hervorgethan hat, die schon 1848 und nachher im Gustav-Adolfs-Verein besonders eifrig gewesen ist. Dieselbe sagt in ihrer viel empfohlenen und versandten Bittschrift: „Der Katechismus lehrt Himmel und Hölle. Wir wollten das gern (?) glauben, aber wir können doch nicht. Als die Bibel geschrieben wurde, war man einfältig genug, die Erde für eine runde Scheibe zu halten. Da dachte man denn darüber den Himmelssaal, wo die Engel spielten, und Gott auf einem Stuhle saß, und darunter die Hölle. Nun aber hat die Astronomie längst gezeigt, daß es nicht so ist. Der Katechismus lehrt, daß wegen des Sündenfalls Adams Gottes Zorn die Welt getroffen. Wir können auch das nicht glauben, mit dem besten Willen nicht. Unmöglich hat Gott darum, daß Adam einmal in einen Apfel biß, so zornig werden können.“ Die zehn Gebote sind vielfach ein Gegenstand der Anfeindung gewesen, man begreift nicht warum, und lernt es auch aus den Petitionen nicht. Es wird aber klar, wenn man einen gelehrten Doctor der Philosophie auf einer Hildesheimer Versammlung die Worte: „Ich bin der Herr Dein Gott“ erläutern hört: „Das erinnere an ein Dienstbotenverhältniß, sagt er, und so dürfe sich das Kind sein Verhältniß zum höchsten Wesen nicht vorstellen.“ Freie protestantische Männer sind sich selbst ein Gesetz, und die Sittengebote gelten nicht kraft göttlicher Autorität, sondern weil und insofern das souveräne Volk sie anerkannt und zum Gesetze erhoben hat. Man würde daher sehr irren, wenn man glauben wollte, daß die Bewegung aus dem Bereiche der lutherischen Kirche hervorgegangen sei. Die in den Versammlungen das Wort führten und die Bittschriften abfaßten, waren nicht blos Lutheraner, es waren auch Juden, Katholiken und Deutsch-Katholiken. Alle kirchenfeindlichen Kräfte des Unglaubens und alle politischen Wühler hatte man hervorgezogen, um die Kirche aus dem Felde zu schlagen und die Macht der Obrigkeit zu brechen. Alles das hat seine ausdrucksvolle Melodie in den klirrenden Fensterscheiben und dem pöbelhaften Straßenlärm erhalten, so daß nicht der geringste Zweifel über die eigentliche Natur des Kampfes bestehen kann. Einer solchen Bewegung hat die Regierung ohne ernste Gegenwehr in geschwindester Frist einen Katechismus zum Opfer gebracht, der, wie wenige, das lutherische Bekenntniß treu und rein enthält. Es wird nicht Ein mißbilligendes Wort über das revolutionäre Treiben, oder über den krassen Unglauben und die Irrthümer der Bittschriften gesagt. Die Sache erscheint nach der Verordnung so, als wenn nur die Gewissensnoth die Bewegung hervorgerufen habe, oder mit der „Ztg. f. Nordd.“ zu reden, als wenn sie zwar bedauerlich, doch sehr verzeihlich und beachtenswerth sei. Wenigstens werden sie die Katechismusstürmer so verstehen und der Meinung sein, daß sie gerecht gesprochen sind und mit allem Unfug recht gethan haben, wenn auch die Regierung weder diese Ansicht theilt, noch sie in die Verordnung hat hineinlegen wollen. Thatsache ist also, man darf die heil. Schrift und den lutherischen Katechismus mit Füßen tractieren und kann doch ein einflußreiches Glied der lutherischen Landeskirche sein. Die Landeskirche aber ist in einer ihrer wichtigsten und heiligsten Angelegenheiten der Willkür des abgefallenen Haufens übergeben. Das ist der Anfang der Religionsfreiheit, nicht blos im Staate, sondern in der Landeskirche selbst; und nachdem die Autorität des Kirchenregimentes eine Niederlage erlitten hat, wird man den Sieg verfolgen bis zur Zertrümmerung der Landeskirche. Aber ganz so schlimm ist unsere Lage nicht, als sie manchen erscheint, die plötzlich aus den Träumen eingebildeter Hoffnungen geweckt sind. Es ist zu fürchten, daß die politische Lage viel härter davon betroffen wird als die kirchliche. Besinnen wir uns, was wir denn verloren haben. Zuvörderst ist die oberbischöfliche Autorität gebrochen. Das ist ein Schaden für die Kirche als Landeskirche, der, besonders bei den jetzigen Zeitläuften, schwer wieder gut zu machen sein wird. Wo der Autorität der Scepter entfällt, da greift ihn der große Haufen oder die Majorität wieder auf. Die Majorität in den Landeskirchen ist aber so gut als die Autorität der Kirchenfeindschaft. Die Verwirrung ist also mit der Verordnung vom 19. August nicht beendigt, sondern sie geht erst an. Dennoch wird es heißen: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen. Vielleicht bereitet sich nun eine Wendung vor, welche der Kirche nur zu klarem Bewußtsein