# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S380 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 380 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Hauptstadt die Parole aus, die gleichmäßig durchs ganze Land ging und ein gemeinsames Handeln an den verschiedensten Punkten des Königreiches zur Folge hatte. Verstärkungen konnte sie mit leichter Mühe aus allen Kreisen an sich ziehen. Alles unklare, rationalistische und halbrationalistische fiel ihr zu, die Freimaurer liehen ihr ihren Beistand, und aus den Reihen der sogenannten Conservativen, welche die Kirche nur zur Conservirung ihrer selbst benutzen möchten, gaben ihr nicht wenige Beifall. In den südlichen Landestheilen wurde auch ein Bruchtheil des Landvolkes mit hineingezogen. Indessen hielt Se. Majestät der König seinen Umzug in den nördlichen Theilen des Landes, im Herzogthum Bremen. Er wurde überall mit großem Jubel empfangen. Mehrfach kam es dabei zu Danksagungsdeputationen für das Geschenk des neuen Katechismus, und fast regelmäßig ergriff der König die Gelegenheit, sich über den Katechismus auszusprechen. Als der Generalsup. Saxer in seiner würdigen und warmen Weise den König begrüßte und unter anderm sagte: „Es sei uns gestattet, Ew. Majestät unsern Dank darzubringen für die Huld, womit Allerhöchst Sie jede redliche Arbeit für das Kommen der Reiches Gottes geschützt und gefördert haben;“ da antwortete der König, indem er den Ruhm von sich wies und Gott die Ehre gab: „Es sei ihm eine innige Freude gewesen, am Geburtstage Ihrer Majestät der Königin die Verordnung über die Einführung des neuen oder richtiger alten Katechismus unterzeichnen zu können; er hoffe, daß ihm der Gedanke daran noch einmal eine Erquickung in seiner letzten Stunde sein werde; er sei ein armer Sünder, und es gebe doch nur einen Weg zur Seligkeit, der Glauben an Christi Blut, und dieser Weg werde in dem Katechismus lauter und rein gelehrt.“ Bei diesem hier kurz wiedergegebenen Bekenntnisse traten doch auch solchen die Thränen in die Augen, die einen andern Weg als der König gingen. Aehnlich waren seine Bekenntnisse an andern Orten, und den Lehrer Rickmeyer, der eigens abgesandt war, für den Katechismus zu danken, entließ der König mit den Worten: „Sie haben mir heute eine Freude gemacht, die ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen werde.“ Die nun folgenden Vorgänge, die entstandenen Unruhen und die infolge derselben geschehene Zurücknahme der Verordnung, daß der neue Katechismus allgemein eingeführt werden solle, sind bereits mitgetheilt worden. Unter der Ueberschrift „die Katechismusniederlage“ schreibt Dr. Münkel in seinem Blatt vom 5. Sept. u. A. noch Folgendes: Will die Kirche jetzt noch auf eine freiwillige Annahme des Katechismus hinwirken, so befindet sie sich in einer schwierigen Lage. Sie hat die Erfahrungen hinter sich, mit welchen „gesetzmäßigen und moralischen“ Mitteln die Sturmpartei kämpft. Sie wird sich fragen müssen, was für Aussichten sie vor sich hat. Schon werden Ueberwachungs-Ausschüsse bestellt, bei den Jakobinern hießen sie „Wohlfahrts-Ausschüsse.“ Dieselben sollen eine Spionage und geheime Polizei einrichten, um diejenigen Pastoren, Lehrer und Gemeinden zur Anzeige zu bringen, welche dem neuen Katechismus eine Freistätte gewähren. Man wird allen Pastoren und Lehrern auf die Finger passen, ob sie auch den neuen Katechismus nicht einschmuggeln, und im Betretungsfalle wird man sie auch fühlbar auf die Finger klopfen. Man hatte über Gewissensdruck geschrieen und Gewissensfreiheit gefordert. Man wird jetzt Gewissensdruck üben, denn diese Partei hat von der Freiheit keine andere Begriffe, als daß dieselbe nur für sie da ist, um andere knechten zu können. Wo man mit Lügen und Verdächtigungen nicht durchkommt, wird man zu Chikanen und Pflastersteinen die Zuflucht nehmen. Man wird versuchen, jede öffentliche Stimme für den Katechismus zu ersticken und die öffentlichen Blätter unter Aufsicht eines Schreckensregimentes zu stellen, wie man es in Stade schon mit dem Sonntagsblatte versucht hat. Unsere Lage hat sich also sehr wesentlich verändert. Das ist eine Niederlage der Autorität des Regimentes, die noch empfindlicher wird durch die begleitenden Umstände. Man hat in einer Flut von Petitionen gegen den neuen Katechismus protestirt, weil er die Gewissen beschwere und das Recht der freien Ueberzeugung verletze. Worin diese freie Ueberzeugung bestehe, das hat man meist mit großer Offenheit ausgesprochen. Denn die Petitionen verrathen verhüllter oder deutlicher ihren Abfall sowohl von der heil. Schrift als von der Kirche und bitten geradezu nicht nur den neuen Katechismus, sondern auch den kleinen Katechismus Luthers, ja selbst die zehn Ge⸗