# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S127 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) (tail end of the previous page's sentence) ...ſeine höchſte Gottesweisheit verbirgt. fragt man noch jetzt. Könnte man nun auch nicht genügend darauf antworten, ſo würde das nichts über den wahren Sinn der Einſetzungs⸗ worte entſcheiden, denn ob wir auch nicht wiſſen, warum Gott etwas thut, ſo müſſen wir dennoch alles, was er thut, gut heißen und in Demuth verehren, denn Er iſt der HErr, der unter dem, was der Vernunft Thorheit zu ſein dünkt, ſeine Es läßt ſich jedoch deutlich nachweiſen, daß der Glaube an die Gegenwart des Leibes und Blutes Chriſti unter den geſegneten Elementen nicht eine nutzloſe Sache, ſondern reich an dem ſüßeſten Troſte ſei. Sehr lieblich redet hiervon der alte Martin Chemnitz, Mitverfaſſer der Concordienformel. Er ſchreibt davon unter Anderem alſo: „Erſtlich, muß unſer Glaube Chriſtum den Gottmenſchen in der Natur ergreifen, vermöge welcher er uns nahe, uns verwandt und unſer Bruder iſt, denn das Leben, welches der Gottheit eigen iſt, wohnt und iſt gleichſam wie ein Schatz niedergelegt in ſeinem angenommenen Fleiſche. Weil wir daher, gedrückt von der Laſt der Sün⸗ den, nicht zu Chriſto, wie er in Herrlichkeit herrſcht, dringen können, ſo kommt er zu uns, um uns nach der Natur zu ergreifen, nach welcher er unſer Bruder iſt, und weil unſere Gebrechlichkeit den Glanz ſeiner Majeſtät in dieſem Leben nicht ertragen kann, ſo iſt er unter dem Brode und Weine gegenwärtig und theilt uns ſeinen Leib und ſein Blut mit. Zweitens, durch die Sünde waren wir ſo von dem Leben der Gottheit entfremdet, ſo daß unſere Gebrechlichkeit nicht ertragen konnte, daß die Gottheit unmittelbar mit ihr handle, daher hat Chriſtus nicht nur unſere Natur angenommen, ſondern uns auch dieſelbe wieder hergeſtellt, indem er uns im heiligen Abendmahle ſeinen Leib und ſein Blut darreicht, daß er uns vermittelſt ſeiner angenommenen und uns mitgetheilten Menſchheit zur Gemeinſchaft und Verbindung mit der Gott⸗ heit erhebe. Drittens, unſere Natur war im Anfange nach Gottes Ebenbild geſchaffen und daher mit allen himmliſchen und göttlichen Gaben geſchmückt, welche Güter in Adam, als dem Haupte unſeres Geſchlechts, niedergelegt waren, aber durch den Fall ſind nicht nur jene Güter verloren, ſondern unſere Natur durch die Sünde verderbt und durch den Tod zerſtört worden. Daher hat der Sohn Gottes unſere Natur, doch ohne Sünde, an ſich genommen, in derſelben die Sünde verdammt, den Tod zerſtört und dieſelbe mit Leben erfüllt. Und ſo hat er die menſchliche Natur zuerſt in ſeiner Perſon geheiligt; damit wir aber vergewiſſert würden, daß dieſes auch unſere elende Natur in uns betreffe und uns wahrhaftig mitgetheilt werde, ſo reicht uns Chriſtus im heiligen Abend⸗ mahle wieder eben die Natur, welche er von uns angenommen und zuerſt an ſich ſelbſt wieder her⸗ geſtellt hat. Viertens, die Lehre des Evangeliums verkün⸗ digt im Allgemeinen, daß durch die Dahingabe des Leibes und durch die Vergießung des Blutes Chriſti der Zorn des Vaters verſöhnt und eine 127 ewige Erlöſung erworben ſei; aber ängſtliche und furchtſame Gemüther werden durch den Anblick ihrer Sünden, ihrer Unwürdigkeit und Schwach⸗ heit und durch mancherlei Anfechtungen erſchreckt und beſtürzt gemacht, daß ſie zu zweifeln anfan⸗ gen, ob ſie die Verheißungen des Evangeliums ſich inſonderheit zueignen dürfen; Chriſtus theilt ihnen daher im heiligen Abendmahle eben den Leib mit, welchen er für uns in den Tod dahin gab, und eben das Blut, welches für uns vergoſ⸗ ſen worden iſt, und durch dieſes gewiſſe und feſte Unterpfand beſtätigt er die Schenkung und Zu-⸗ eignung der Verheißung des Evangeliums. Fünftens, die menſchliche Natur Chriſti befin⸗ det ſich nach Ablegung der Schwachheiten in der Herrlichkeit des Vaters, unſere Natur aber, ob⸗ gleich wir nach der Verheißung die Hoffnung der Verherrlichung haben, iſt noch vom Staube be⸗ fleckt, von Mühſeligkeiten niedergedrückt und allen Pfeilen des Satans, der Welt und des Fleiſches ausgeſetzt; damit daher unſer Glaube nicht ge⸗ ſtört werde, ſo reicht uns Chriſtus ſeinen Leib und ſein Blut, um uns durch dieſes Unterpfand gewiß zu machen, daß wir einſt ſeinem verklärten Leibe ähnlich werden ſollen. Sechstens, das neue Teſtament iſt der Gna⸗ denbund in Vergebung der Sünden; dieſer Bund iſt vor Gott durch die Vergießung des Blutes Chriſti geheiligt und beſtätigt worden; damit wir nun gewiß ſein können, daß wir in dieſem Bunde immer bleiben ſollen, daher theilt er uns eben das Blut, durch deſſen Vergießung derſelbe beſtätigt worden iſt, in dem heiligen Abendmahle mit. Siebentens, das heilige Abendmahl iſt zum Ge⸗ dächtniß der Wohlthaten Chriſti und zur Stärkung des Glaubens eingeſetzt. Weil aber der wahre Glaube von Chriſto feſter ergriffen wird (Phil. 3, 12.), daher will er durch Ergreifung ſeines lebendigmachenden Fleiſches ſein wahres Gedächt⸗ niß in uns erwecken, erhalten und befeſtigen. Achtens, Chriſtus verbindet ſich im heiligen Abendmahle mit uns durch die Natur, nach wel⸗ cher er unſer Haupt iſt, nemlich durch ſeinen Leib und ſein Blut auf das genaueſte, daher wirkt er eben durch die angenommene und uns verwandte Natur mächtig und thätig in den Gläubigen, daß auch wir, weil das Haupt ſelbſt in uns iſt, gegen⸗ ſeitig einer des anderen Glieder ſeien. (Scrip- tum de coena.) Jaczo, der Wendenfürſt. Im Jahre 1142 verſtarb zu Brandenburg der letzte wendiſche Beherrſcher dieſes Landes, Namens Pribislav, der das Chriſtenthum angenommen und in der Taufe den Namen Heinrich erhalten hatte. Markgraf Albrecht der Bär ſetzte ſich ſo⸗ gleich in Beſitz des Landes und der Stadt. Aber Jaczo von Köpenick, ein ſlaviſcher Fürſt aus polniſchem Stamme, konnte es nicht ruhig mit anſehen, daß das Land ſeiner Vorfahren dem Fremden zur Beute, und die Religion ſeiner Vä⸗ ter ausgerottet werden ſollte. So brach er mit einer zahlreichen Schaar Wenden gegen Bran⸗ denburg auf, das damals nur aus demjenigen Theile beſtand, auf welchem jetzt der Dom liegt. Auf der Havel wurde tapfer gekämpft; denn die Wenden, verſtärkt durch ſehr viele der Ihrigen aus der Umgegend, hatten die Burg in Kähnen an⸗ gegriffen und ſich derſelben bemeiſtert. Aber Albrecht der Bär, unterſtützt von dem Biſchof von Brandenburg, Herzog Heinrich dem Löwen und vielen andern, mit denen er ſich gegen dieſen Einfall der Böhmen verbunden hatte, eilte herbei, zog mit einem großen Heere vor Brandenburg, beſtürmte das Schloß und nahm es mit Hülfe von vielen Fahrzeugen ein, womit auf der Havel gekämpft wurde. Jaczo von Köpenick floh von Brandenburg auf die nördliche Seite der Havel mit ſeinem Heere vor den verfolgenden Chriſten in der Richtung nach Spandau zu. Auf den Feldern zwiſchen Groß⸗Glienicke und Spandau wurde er eingeholt. Es kam zur Schlacht. Die Wenden hielten nicht lange Stand. Sie zerſtreu⸗ ten ſich gänzlich und Jaczo ſah keinen Ausweg mehr, ſich zu retten. Er flüchtete öſtlich gegen die Havel, die hier eine bedeutende Breite hat. Der Feind verfolgte ihn. So erreichte er das Havel⸗ ufer. Vor ihm lag die blaue Waſſerfläche aus⸗ gebreitet und ihre Wogen ſtiegen ruhig auf und ab. Von jenſeits her ſtreckte ſich eine Landzunge quer in den Fluß und verengte denſelben. Herr, rief ein Wende, der ihm gefolgt war, ſchwimmt nicht über den Fluß, er iſt ſehr tief! Spielend brachen ſich die Wellen an den Füßen ſeines Roſ⸗ ſes, als lockten ſie, die kühne Fahrt zu wagen. Erbarmungsloſes Element! rief der Wendenfürſt. Meine Götter haben mich verlaſſen; ſo ſchütze mich denn Du, o Gott der Chriſten, und wenn ich mich über die Fluth rette, gelobe ich Dir, mich taufen zu laſſen! — „Ergreift den Heidenfürſten!“ rief es hinter ihm, und jählings ſtürzte er ſich mit ſeinem Roſſe, ſchwer gewaffnet, in die Fluth, die hoch über ihm zuſammen ſchlug. Erſt nach einer Weile enthob ihn das arbeitende Pferd, entfernt vom Ufer der feuchten Tiefe. Bewundernd den kühnen Entſchluß, ſtand der Feind, und wagte nicht zu folgen, ja nicht einmal einen Bolzen nachzuſen⸗ den. Matter wurden die Anſtrengungen des treuen Roſſes, es ſchnaufte und keuchte ängſtlich nach Luft. Halt aus, mein treues Roß, halt aus, rief er, du trägſt deinen Herrn aus den Händen der erbarmungsloſen Chriſten zu ihrem erbarmen⸗ den Gott! Halt aus, dort winkt ſchon das Land! — Noch wenige Schritte, und das Pferd fühlte Grund unter den Füßen. Es ſtieg die Spitze der Landzunge hinan. Jaczo ſank auf ſeine Kniee, und betete zum Gott der Chriſten, dem er ſich ge⸗ lobt hatte, und dankte inbrünſtig für ſeine wun⸗ dervolle Rettung. Seinen Schild aber legte er an Weihopfer auf die Stelle, da, wo er gebetet hatte. Die Deutſchen, welche Zeugen ſeines Thuns waren, nannten von der Zeit an dieſe Landſpitze Suo, bomn, und ſo heißt ſie bis auf den heutigen ag. Die Welt und das Euangelium. Die Welt will doch der Wege keinen recht, ſon⸗ dern immerdar den Holzweg gehen; entweder gar nichts thun und wirken, oder nicht gläuben; fähret immer zur Seiten aus, daß ſie entweder den Glauben, oder die Liebe läſſet fahren; die Mittelſtraße will und kann ſie nicht treffen, daß ſie beide, den Glauben gegen Gott rein und un⸗ verſehret, und die Liebe gegen den Nächſten von rechtſchaffenem Herzen übte. Die Welt bleibet allezeit alſo, daß ſie entweder falſch vom Glauben rühmet, oder will ohne Glauben allzu heilig ſein. Predigt man vom Glauben und Gnade, ſo will niemand Werke thun; treibet man auf die Werke, ſo will niemand an den Glauben, und —