# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S379 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 379 nun auch an Hannover ersättigen und seinen Lieblingsplan durchführen könnte: Schenkel ist ein fanatischer Feind der „Bruder-Luthers-Kirche,“ wie er sie genannt hat, weil sie seiner deutschen Nationalkirche oder rationalistischen Gesammtkirche im Wege steht, zu der er das Modell in Baden mustergültig für ganz Deutschland hergestellt hat. Es empörte den kleinen Gernegroß, daß es im Norden ein Land gab, wo man die Durlacher Beschlüsse nicht respectirte und wirklich lutherisch bleiben wollte. Daß die lutherische Kirche im Lande zu Recht besteht und ihre Wurzeln in den Gemeinden hat, daß der Katechismus in rechtskräftiger Weise, einmüthig und einhellig von Regierung, Universität und Consistorium ausgegangen war, das kümmerte Schenkel nicht im mindesten. Er kennt nur Rechte seiner Nationalkirche, unter deren eisernes Joch so gut die hannoverschen, wie die badenschen Gemeinden verkauft werden müssen. Seine Brandschrift ist erschienen. Ihr nachzugehen, oder sie zu widerlegen, würde eine eben so undankbare Arbeit sein, als einem Brandstifter zu beweisen, daß er kein Recht zu seinem Handwerke hätte. Solche Leute bedürfen eine andere Antwort. Nur die Art und Weise der Schrift geht uns hier an. Schenkel macht keinen ernsthaften Versuch, die Bekenntnißwidrigkeit des neuen Katechismus zu zeigen, wenn er ihn auch hochkirchlich und neulutherisch besonders wegen der Beichte schilt. Gerade die Bekenntnißmäßigkeit ist sein höchster Verdruß, weswegen er ihn dem Feuer überantwortet. Er verhöhnt daher so gut Luthers kleinen Katechismus als dessen Erklärung. Aber darin entfaltet er seine ganze Kunst, zu zeigen, daß der Katechismus nicht vernunft- und zeitgemäß ist, sondern im grellen Widerspruche mit der Schenkelschen Fortschrittstheologie steht. Um das recht schlagartig wirken zu lassen, gebraucht er ein Mittel, das sich immer probat erwiesen hat, den großen Haufen in Aufregung zu versetzen. Er verspottet die Verfasser des Katechismus als Restaurationsmaler, weil sie nichts neues haben schaffen, sondern das gute Alte wieder herstellen wollen. Er liebt dies Fach der Malerei nicht, denn das Alte ist Schund. Er hat sich mit Passion der Carricaturmalerei zugewandt, womit sich der große Haufen am leichtesten hinters Licht führen und aufflacheln läßt; und diese Carricaturmalerei ist die Hauptstärke der Schenkelschen Schrift. Diese Brandschrift hat man sorgfältig im Lande umhergeworfen. Sie würde aber schwerlich bei ihrer theologischen Ausdrucksweise viel ausgerichtet haben, wenn nicht die reformjüdische Zeitung für Norddeutschland fleißig das Feuer geschürt und Tag für Tag das Volk verhetzt hätte. Sie hat einen wesentlichen Antheil an der Bewegung, und sobald die Bewegung zunahm, schlossen sich ihr auch die Blätter an, welche eine zeitlang geschwankt oder gezaudert hatten. Mit Ungestüm warf man sich auf die Partieen des Katechismus, womit sich das Volk am leichtesten schrecken und verbittern ließ. Es waren das besonders die Stücke von der Beichte, vom Teufel, und vor allem der Satz: „Des Morgens, so Du aus dem Bette fährst, sollst Du Dich segnen mit dem heiligen Kreuz.“ Schenkel hatte für die letzteren schon die Einführung des Rosenkranzes in Aussicht gestellt, und der fanatisirte Haufen war vollkommen überzeugt davon, daß Hannover katholisch gemacht werden sollte. Daß das Kreuz fortwährend in unsern lutherischen Gottesdiensten gebraucht wird, daß gerade die anstößigsten Partieen in dem kleinen lutherischen Katechismus vorkommen, wollte niemand beachten. Der kleine Katechismus sollte uns wieder katholisch machen, und die Feuerspritze, mit der einst Luther das wilde Feuer des Papstthums gelöscht hatte, sollte jetzt selbst unsere Kirche in Brand stecken. Verstand war wenig darin, aber Haß gegen das Evangelium desto mehr, und dieser läßt sich um so besser in Schuß setzen, je mehr die Leidenschaften den Verstand unterdrücken. Nachdem die Massen tapfer angefeuert waren, kam es darauf an, sie gehörig zu verbinden, um sie zur rechten Zeit unters Gewehr zu rufen und den Landsturm einzurichten. Ueber das ganze Land hin, wenigstens in den Städten und Flecken, ist die nationalvereinliche und demokratische Partei verbreitet. Ihr war der Katechismus schon aus politischen Gründen verhaßt, und sie hat sich das von Anfang an auf das deutlichste merken lassen, wenn sie gleich nur ihren Widerwillen gegen das Wort Gottes hervortreten ließ und ohne Zweifel durch diesen nicht weniger bestimmt wurde. Diese Partei gab, wie es scheint, von der