# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S378 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 378 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. gegenwärtig. Allein nicht Politisiren ist es, womit der Diener Christi zu helfen suchen soll, sondern die Predigt des Gesetzes und Evangeliums. Das ist allein die Hülfe die er zu bringen, das allein Beitrag, den er zur Rettung seines Staates zu leisten hat. Die Constitution, die er als Prediger auszulegen hat, ist allein die Bibel; jedes Urtheils über Recht und Unrecht, das allein aus der Landesconstitution und den Landesgesetzen entschieden werden kann, hat sich daher ein Prediger auf der Kanzel zu enthalten und dasselbe den Dienern des Staates zu überlassen. Ist er ja zugleich so gar voll von Staatsweisheit, daß er dieselbe nicht bei sich behalten kann, wohlan, so ist er auch Bürger, und als solcher mag er mit reden und mit stimmen. Von diesem Rechte aber mache er nicht auf der Kanzel, sondern an dem Orte Gebrauch, dahin solche Weisheit gehört. Bringt er sie aber auf die Kanzel, so profanirt er diese heilige Stätte, die eben nur mittelbar auf den Staat zu wirken hat, nehmlich durch die Sorge für die Seelen, für die Veränderung der Herzen; und er verleugnet, daß er Christi Diener ist, dessen Reich nicht von dieser Welt ist. Sich übrigens bei seinem Politisiren auf die Propheten zu berufen, ist derselbe Greuel, wie wenn die deutschen Fürsten bei ihrer Knechtung der Kirche sich auf die Könige in der alttestamentlichen Theokratie berufen. II. Ausland. Die Katechismusangelegenheit in Hannover. Hierüber schreibt Dr. Münkel in seinem „Neuen Zeitblatt“ vom 22. August Folgendes: Ueberraschend schnell ist die Katechismusangelegenheit in Hannover zur Entwickelung gekommen, wenn sie auch damit noch nicht entschieden ist. Einige Brandschriften haben mit dazu geholfen. Die eine ist die des Archidiakonus Baurschmidt zu Lüchow, ein eben so flaches als plumpes Machwerk aus der Fabrik des Rationalismus. Luthers kleiner Katechismus wird darin aufs unerhörteste geschulmeistert, seine Lehre wird falsch, sein Sinn bisweilen lächerlich gefunden. Hätte er ihm nur wenigstens den Ruhm seiner kernigen kirchlichen und kindlich mächtigen Sprache gelassen, den zu allen Zeiten alle Kenner, auch Grimm und andere, an ihm bewundert haben! Aber Baurschmidt nörgelt und zwackt auch daran herum und scheint nur Geschmack an seiner eigenen süßlich matten Sprache mit ihrer hohlen Empfindsamkeit finden zu können. Wes Geistes Kind dieser Mann ist, wird eine Probe beweisen. Der neue Katechismus giebt auf die Frage: Kannst du das thun, was das Gesetz von dir fordert? die Antwort: Ach nein, vollkommen kann ich es in diesem Leben nicht thun wegen der anklebenden Sünde. Was bemerkt dazu Baurschmidt? Er sagt: „O, lieber Leser, zuckt dir nicht die Hand, wenn dir dein Kind auf eins deiner Gebote eine solche Antwort geben wollte, ihm eine derbe Ohrfeige zu geben?“ Ist das nicht das staarblinde Pharisäerthum, das einst dem Sünderheiland Backenstreiche gegeben hat und nun den Katechismus zu Ohrfeigen verurtheilt? Zuletzt werden alle Vater- und Mutterherzen beschworen, Sturm zu laufen beim „allergnädigsten Landesvater.“ „Ein Nothruf soll aus allen Kirch- und Schulgemeinden unsers Landes an das gnädige Ohr unsers Landesvaters dringen.“ Eine Conferenz soll sich zu Hannover versammeln, gleich der Durlacher, aus welcher „die herrliche Verfassung für die evangelischen Gemeinden Badens“ hervorgegangen ist. Obgleich die Schrift bald die zweite Auflage erlebt hat, würde ihre Wirkung auf das Ganze doch nur schwach geblieben sein. Deshalb hatte man sich schon früh im Auslande nach einer theologischen Größe umgesehen, die zum Wühlen gebraucht werden könne, da im Lande keine zu haben war. Die Wahl konnte nicht schwer sein. Unbestritten haben alle Parteien den Kirchenrath Schenkel in Baden den Preis zuerkannt, daß es ihm kein Theologe auf diesem Felde gleich thut. Schenkel hat einige Regungen und Anfassungen des Evangeliums gehabt und kämpfte zur Zeit der blühenden Reaction in den Reihen der Neuorthodoxen, die er jetzt planmäßig verhöhnt. Aber das Haschen nach Ehre und Auszeichnung, und die damit verbundene Neigung mit dem großen Strome zu schwimmen, hat ihn endlich zum armen Mann gemacht, einer Tonne gleich, die um so mehr schallt, je weniger darin ist. Ihm überschickten die Katechismusstürmer den alten und den neuen Katechismus sammt den übrigen Aktenstücken, und er war um so mehr erfreut darüber, als er sich