# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S374 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 374 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. und in der That vortrefflich dazu geeignet, dem Anabaptismus in die amerikanisch⸗lutherische Kirche die Thür weit aufzuthun. Es ist aber auch zugleich römisch; denn was ist es anders, wenn die römische Kirche die Kinder auf den Glauben der Kirche tauft? Die Synode von Süd-Illinois, welche aus Predigern besteht, die theils in Illinois, theils in Missouri und Tennessee wohnen, hielt am 4. Octbr. ihre diesjährige Versammlung in Mount Pisgah, Illinois. Von ihr wird im Luth. Observer berichtet: „Infolge der Fortdauer des Krieges in Tennessee waren die dort wohnenden Glieder nicht im Stande gegenwärtig zu sein. Einige in Illinois wohnende beehrten (favored) die Synode weder mit ihrer Gegenwart noch Entschuldigung ihrer Abwesenheit. Pfui über solche unpastoralen Brüder!“ Politik und Religion. Wie weit jetzt unter den Amerikanern die Vermischung der Religion mit Politik, der Kirche mit dem Staate geht, ersieht man u. A. aus den s. g. patriotischen Beschlüssen, welche die „ev.⸗luth. Synode von Nord-Illinois“ bei Gelegenheit ihrer diesjährigen Versammlung am 2. Oct. in Peoria, Ill., gefaßt hat. Darin heißt es nach dem Luth. Observer vom 7. Nov. u. A. im dritten Beschluß: „Beschlossen — daß wir unbiegsam wider (inflexibly opposed) irgend einen Frieden sind, der mit den Rebellen gemacht werden möchte, bis sie ihre Waffen niederlegen und sich der Constitution und den Gesetzen des Landes unterwerfen.“ Methodismus. Ueber das Verhältniß desselben zum Abolitionismus und zur Politik spricht sich ein Correspondent des reformirten Evangelisten vom 8. November, wie folgt, aus: „Daß der Methodismus das Hauptarmeekorps gegen die Sklaverei bildet, scheint sonderbar, da der Methodismus in früheren Jahren zur Sklaverei still schwieg, und viele Sklavenhalter selbst Methodisten sind. Es ist geschichtliche Thatsache, daß der Methodismus sich vor mehr als 15 Jahren in eine nördliche und südliche Pro- und Anti-Sklaverei- Kirche zerrissen hat. Dieser Schritt drang ihn im Norden zu seiner Rechtfertigung beständig gegen die Sklaverei zu predigen und im Süden die göttliche Stiftung der Sklaverei zu vertheidigen. Welche Folgen der gegenwärtige Krieg nach sich ziehen wird, Ehre oder Schande, Fluch oder Segen, der Methodismus wird es nicht leugnen und Niemand wird es ihm absprechen, daß er zu seiner Herbeiführung das Meiste beitrug. Ich wiederhole hier das bekannte Wort Henry Clay's, des weisesten amerikanischen Staatsmannes. Als er nämlich in den Cars einer Anzahl Methodisten-Prediger begegnete, die von ihrer Konferenz nach Hause kehrten, und ihm mittheilten, daß sie die Konferenz in eine nördliche und südliche gespalten hätten, sagte er: Meine Herren, ihr habt die Union (der Vereinigten Staaten) aufgelös't, denn, wenn ihr als Christen nicht zusammen halten könnt, was wollen wir arme Sünder thun? Der englische Methodismus nahm in den letzten Jahren eine religiös politische Stellung ein und hat überall am eifrigsten das entschiedene Kriegführen gegen den Süden befürwortet, ja hat selbst als Methodismus, durch die Bildung ganzer methodistischer Regimenter und andere Maßregeln in den Krieg ziehen wollen. Dieses sind sichtliche Thatsachen. Hier haben wir eine Abolitions-Kirche. Hat der Methodismus die Kosten dieses Schrittes überschlagen? Wir bezweifeln es, denn wer vermag das. Ob er siegreich aus diesem Kampf hervorgehen wird? das muß die Zukunft lehren. Ihm anschließen können wir uns nicht. Der radikale Geist, der erst für eine Sache, und dann plötzlich sich gegen eine Sache wenden kann, ist nicht der reformirte, bei dem die Verstandesreflektion, wie man uns vorwirft, eine wichtige Rolle spielt. Seine ganze Lehrstellung hat gewiß den Methodismus zu diesem Schritte hingedrängt. Dem Calvinismus gegenüber hat der Methodismus eine Arminianische und Pelagianische Richtung eingeschlagen. Der freie Wille bestimmt sich selbst zur Bekehrung, nicht die vorlaufende Gnade, das ist seine Grundlehre. Er schreibt der menschlichen Kraft weit, weit mehr zu, als wir Reformirte, und hat sich demgemäß auf praktischem Gebiete mit der Welt zu eng verbunden, so daß uns oft auf seine Zukunft bange ist. Schreiber dieses hat in seiner 18jährigen Stellung als Prediger noch keinen englischen Methodisten-Prediger kennen gelernt, der nicht zu einer geheimen Gesellschaft gehört, der sich also nicht eidlich mit Weltmenschen verbunden hat, die Welt ohne Christum zu refor⸗