# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S372 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 372 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Derselbe recensirt die Schrift Bauer's, Inspector der Miss.⸗Anstalt in Neudettelsau: Der sogenannte Chiliasmus. Nördlingen, 1860, wie folgt: In dieser den Chiliasmus vertheidigenden Schrift werden kurz und bündig folgende sieben Punkte besprochen: 1) gegen den verwerflichen und von unserer Kirche verworfenen einen berechtigten und schriftmäßigen Chil. zu setzen; 2) die von demselben gehofften Thatsachen festzustellen; 3) den Schriftgrund zu untersuchen; 4) diesen Lehrpunkt mit dem lutherischen Lehrbegriff auseinanderzusetzen; 5) die praktische Bedeutung nachzuweisen; 6) ob diese Lehre auf die Kanzel gehöre; 7) ob sie Ursache zur Kirchentrennung geben könne. Der wichtigste Punkt ist natürlich der dritte, die Untersuchung der Schriftstellen, alles Uebrige wird sich von selbst verstehen; aber gerade über diesen Punkt geht der Vortragende merkwürdig rasch hinweg; er bespricht nur — nein, er berührt nur die Stellen 2 Thess. 2, 3.; Röm. 11; Matth. 23, 38. 39.; Offb. Joh. 7, und 11, und aus dem alten Testamente Dan. 2, und 7, sowie Ezech. 37. Das ganze judaistische Verständniß des A. T. wird vorausgesetzt und dies in ungehöriger Weise mit Offb. Joh. 20 combinirt — wie dies von dem Referenten schon anderweitig in dieser Zeitschrift (1861, III. S. 412 ff.) getadelt worden ist. Die größte exegetische Schwierigkeit soll darin liegen, wann Christi Wiederkunft zu setzen, ob vor oder nach dem tausendjährigen Reiche. Gelöst wird die Schwierigkeit dadurch, daß eine doppelte Wiederkunft „angenommen wird,“ und diesem schriftwidrigen Nothbehelf verdanken wir dann die Anschauung, daß „Christus von Zion aus über alle Königreiche und Völker eine den eigenthümlichen Verhältnissen dieses Zeitraums entsprechende, ebenso gnadenreiche als machtvolle Herrschaft üben wird. Es ist die höchste Blüthe und Vollendung, die Reichsgestalt der Kirche Christi auf Erden.“ Trotz der Restrictionen, durch welche der Verf. diese irdische Hoffnung begrenzt, müssen wir also sagen: es ist unwahr, was Paulus spricht: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“ Nein, nicht mehr die elendesten, denn wir dürfen das Millennium hoffen, und Schem⸗ Hamphoras wird uns an seinem Zionsreiche Theil geben. Uns scheint solche Lehre nicht so unschuldig zu sein, wie sie dem Verf. erscheint, und sollte sie noch mehr als bisher in der Breite der Gemeinden Fuß fassen, so wüßten wir nicht, warum diese Schwärmerei nicht ebenso kirchenzertrennend wirken sollte, als manche andere. Jetzt wird in Neudettelsau viel Toleranz gepredigt, aber wer Wind säet, wird Sturm ernten. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Die Kirche und die militärische Gewalt in Conflict. Folgendes lesen wir in einem New-Yorker politischen Blatte vom 25. October in einer Correspondenz aus New Orleans: „Letzte Woche erließ Gouverneur Shepley eine Order an die Rectoren der verschiedenen Episkopal⸗Kirchen, daß ins Künftige der Gottesdienst abgehalten