# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S371 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 371 Neue Zeugnisse gegen den Chiliasmus. A. Althaus schreibt in der Rudelbach⸗Guerickeschen Zeitschrift im diesjährigen zweiten Quartalheft: „Auch weiß ich, daß mit einer etwa anders gestalteten Auffassung der Apokalypse oder je beliebiger Stelle der Schrift dem Chiliasmus selbst nicht beizukommen ist. Ja, wäre er ein Gewächs aus der Schrift! ruheten die tausendfach befäserten Wurzeln dieses Gestrüpps auch nur in der falsch verstandenen Schrift! Aber die ruhen und treiben ganz wo anders, vor allem in der ungebändigten Augenlust, in den pelagianischen, materialistischen Richtungen des Herzens, in der Ungeduld, das Jenseitige in dem Diesseitigen sehen zu wollen — und wenn dieses reif geworden ist, so sucht es sich seinen Rahmen in der Schrift, und muß dann alles biegen und brechen, um die Schrift zu solchem Rahmen zurecht zu machen.“ H. D. Köhler schreibt in einer Recension der Schrift: Das tausendjährige Reich gehört nicht der Vergangenheit, sondern der Zukunft an. Beweis gegen Dr. E. W. Hengstenberg auf Grund der betreffenden Schriftstellen, der luth. Symbole und der Geschichte geführt von II. Gütersloh 1860. u. A. Folgendes: Es ist der gewöhnliche Chiliasmus unserer Tage, der sich hoch erhaben weiß über den Chiliasmus der Sectirer im Reformationszeitalter, und dennoch seinen jüdischen Ursprung um so weniger verleugnet, als er für die schattenhaften Vorbilder, die seit Christo ihre Bedeutung verloren haben, (Col. 2, 17.; 1 Cor. 5, 7.; Röm. 10, 4.; Hebr. 9 und 10) eine abermalige Realisirung beansprucht, und ein weltliches Reich Israel lehrt, wo die bekehrten Juden wieder in ihr Land kommen. Dies alles ist längst nichts Ungewohntes mehr, aber das ist doch seltsam, inwiefern auch die symbolischen Bücher dem Verfasser Waffen darbieten müssen gegen Hengstenberg. Wo es sich um die Fragen vom Antichristenthum und Pabstthum handelt, werden gegen H. längere Stellen aus den schmalkaldischen Artikeln, auch aus Luther und Joh. Gerhard citirt — man sollte also denken, der Verf. hielte auch den Pabst für den Antichrist —; dann aber fährt er fort: „Wenn Luther nun auch darin geirrt hat, daß er sagt, der Pabst sei der eigentliche Antichrist, so hat er doch darin Recht, daß er sagt, daß das Antichristenthum aus der Christenheit hervorgeht.“ (S. 52.) Es wird also aus der Kirchenlehre ein beliebiges Stück, welches ihm gefällt, beibehalten und sogar zur Polemik benutzt, ein anderes beliebiges Stück, welches ihm nicht gefällt, verworfen. Ebenso willkührlich wird mit Art. 17 der Augsb. Confession umgegangen (S. 106 ff.), als ob die Reformatoren nur eine antibiblische Species von Chiliasmus verworfen und für den richtigen, biblischen die Thür offen gelassen hätten. Nun ist aber jede „jüdische“ Meinung aus Prinzip verworfen, folglich auch die des Verfassers, mag sie nun modulirt sein, wie sie will. Wir sprechen deshalb dem Verf. das Recht ab, sich auf die Symbole zu berufen, sie werden von ihm verdreht oder verstümmelt.