# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S126 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſoll. Und wer meinem Evangelio glaubt, der glaubt Gott dem Vater, deſſen Geſandter ich auf Erden bin; denn er hat von mir zu Moſen ge⸗ ſagt: „Ich will meine Worte in ſeinen Mund legen und er wird reden zu ihnen Alles, was ich ihm gebieten werde. Wer aber ſeine Worte, die er in meinem Namen reden wird, nicht hören wird, von dem will ich's fordern.“ Da ich aber nach meiner Auferſtehung und Himmelfahrt nicht mehr auf leibliche Weiſe auf der Erde bleiben werde, darum ſende ich euch Apoſtel in meinem Namen in alle Welt und will, daß die Menſchen euere Worte nicht anders aufnehmen, als ob ich ſelbſt gegenwärtig zu ihnen ſpräche. Und das iſt der Sinn dieſes Beglaubigungsbriefes. — Aber laßt uns nun hören, was das Wichtigſte iſt, nemlich das Mandat oder die Inſtruction, wie man es nennt, die den Apoſteln gegeben worden iſt. Er blies ſie an, ſpricht der Evangeliſt, und ſprach zu ihnen: „Nehmet hin den Heiligen Geiſt, welchen ihr die Sünden erlaſſen werdet, denen ſind ſie erlaſſen, und welchen ihr ſie behalten werdet, denen ſind ſie behalten.“ Das iſt die Inſtruction, das iſt das Mandat, das Chriſtus ſeinen Apoſteln gibt. Er redet aber ſie nicht ſchlechthin an, ſondern er bläſet ſie an mit dem Geiſte ſeines Mundes, der da iſt ein Geiſt der Kraft; und das thut er darum: erſtlich, daß er anzeige und zu erkennen gebe, er lebe wahrhaftig, wie wir zuvor geſagt haben; ferner, daß er lehre, Er ſei wahrer Gott, welcher durch ſeine Kraft und Macht die Gaben des Heiligen Geiſtes gebe. Denn durch dieſen Hauch ſeines Mundes gab er die himmliſchen Gaben des Heiligen Geiſtes in die Herzen ſeiner Jünger. Nicht zwar verlieh er ihnen damals jene wunderbaren Gaben des Heiligen Geiſtes, welche über ſie ausgegoſſen wurden am Pfingſttag, ſondern er benahm ihnen den Unglauben und gab ihnen einen ſtarken Glauben; er benahm ihnen ihre Furcht und gab ihnen gewiſſe Hoffnung; er vertrieb die Finſter⸗ niß von den Augen ihres Geiſtes und erleuchtete ſie mit einem hellen Lichte der Erkenntniß. Dieſe und dergleichen andere Gaben des Heiligen Gei⸗ ſtes ſind es, welche Chriſtus durch ſein Anblaſen den Apoſteln mitgetheilt hat. Was befiehlt er ihnen nun, das ſie in dieſer ihrer Geſandtſchaft ausrichten ſollen? Hier müſ⸗ ſen die Worte Chriſti wohl in Acht genommen und erwogen werden; nicht ſagt er: „Nehmet hin Schaaren von Soldaten und Bauern und unterwerfet die Reiche dieſer Welt.“ Nicht ſagt er: „Nehmet hin Moſen und richtet unter den Völkern eine Moſaiſche Verfaſſung und Regi⸗ ment an“; nicht ſagt er: „Nehmet Oel und ſal⸗ bet Meßpfaffen“, ſondern alſo ſagt er: Nehmet hin den Heiligen Geiſt, nehmet hin die Gaben und das Amt des Heiligen Geiſtes. Zu wel⸗ chem Brauch? Etwa um mit weltlicher Maje⸗ ſtät und Gewalt zu herrſchen? Mit nichten: ſondern um Sünden zu vergeben und zu behal⸗ ten, d. h. um das Evangelium zu pre⸗ digen, auf daß ein Jeder, der dem Evangelio glaubt, Vergebung der Sünden erlange und einem Jeden, der nicht glaubt, ſeine Sünden be⸗ 126 halten werden; die Worte nemlich, die er hier ſagt: Welchen ihr die Sünden erlaſſet, denen ſind ſie erlaſſen, haben ganz denſelben Sinn und Meinung, den die haben, die er beim Marcus ſagt: Prediget das Evangelium aller Kreatur; wer da glaubet und getauft wird, der wird ſelig werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden, und die er bei Lucas ſagt: Alſo mußte Chriſtus leiden und auferſtehen von den Todten am dritten Tage und predigen laſſen in ſeinem Namen Buße und Vergebung der Sün⸗ den unter allen Völkern. Denn durch Apoſtoli⸗ ſches Amt Sünde zu vergeben und zu behalten, heißt nicht nach eignem Gutdünken und Willkühr aus Sünde Gerechtigkeit und aus Gerechtigkeit Sünde machen; auch heißt es nicht, aus eigener Macht und Autorität Sünde vergeben, einem Jeden, auch wenn er nicht glaubt, und Sünde behalten auch dem, der da glaubt; ſondern es heißt: das Evangelium von Chriſto pre⸗ digen, welcher allein der Verſöhner der Sün⸗ den iſt und um deßwillen allein Gott Sünde vergiebt, ſo daß dem, der an Chriſtum glaubt, die Sünden ſollen vergeben ſein, dem aber, der nicht glaubt, ſeine Sünden ſollen behalten werden. Außerdem aber iſt auch noch zu erkennen und zu betrachten, wie und auf welche Weiſe die Apoſtel Sünde vergeben und behalten ſollen. Denn die Päbſte maßen ſich auch die Macht an, Sünde zu vergeben und zu behalten; denn ſie rühmen ſich, ſie ſeien der Apoſtel Nachfolger; aber ſie brauchen eine andere Weiſe, Sünde zu vergeben und zu behalten, als Chriſtus anbefohlen hat; aber Chriſtus hat ſeine Apoſtel ausgeſandt mit dem Befehl und Vollmacht, daß ſie ſein Evangelium verkündigen und diejenigen, die das Evangelium annähmen, durch die Taufe weihen und zu Jüngern machen und ihren Glauben durch das Abendmahl des HErrn ſtärken ſollen; das iſt die wahre und himmliſche Weiſe, Sünde zu ver⸗ geben, nemlich die Predigt des Evange⸗ liums Chriſti: Gehet hin, ſpricht er, in alle Welt und PREDIGeédT das Evangelium aller Kreatur, und alſo mußte Chriſtus predigen laſ⸗ ſen in ſeinem Namen Buße und Vergebung der Sünden. Aber wie? Hat Chriſtus allein den Apoſteln das Amt, Sünde zu vergeben und zu behalten, anbefohlen? Dieſe waren zwar allein damals mit einigen andern gegenwärtig, als Chriſtus dieſe Worte ſagte; aber dieſes Amt iſt nicht gebunden an ihre Perſonen; ſondern geht die ganze Kirche an. Hört er die Gemeine nicht (ſagt Chriſtus an einem andern Ort), ſo ſei er dir wie ein Heide oder Zöllner. Wahrlich, ich ſage euch, Alles, was ihr auf Erden binden werdet, ſoll auch im Himmel gebunden ſein und Alles, was ihr auf Erden löſen werdet, ſoll auch im Himmel los ſein. Auch in ſeinem Gebet Joh. 17. ſagt Chriſtus: Ich bitte nicht allein für ſie, ſondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, und zu Thomas ſagt er: dieweil du mich geſehen haſt, Thoma, ſo glaubſt du; ſelig ſind, die nicht ſehen und doch glauben. Obgleich aber ein jeder frommer Chriſt, dem andern privatim und inſonderheit ſeine Sünde vergibt, wenn er ihm das Evangelium von JEſu Chriſto vorhält und ihn ermahnt, er ſoll getroſt ſein: ja auch ein from— mes Weib, wenn ſie einen Kranken beſucht, vergibt dem Kranken die Sünde, wenn ſie ihn ermahnt, er ſoll alle ſeine Hoffnung auf IEſum Chriſtum ſetzen; welcher allein der Ver⸗ ſöhner für unſere Sünden und unſer Heiland ſei: durch dieſe Worte eines ſolchen Weibes, wenn ie der kranke Mann im Glauben aufnimmt und er⸗ greift, ergreift und empfängt er auch Ver⸗ gebung der Sünden. Imöffentlichen Gottes⸗ dienſt der Gemeine aber hat der Heilige Geiſt dieſe göttliche Ordnung feſtgeſtellt, daß Alles ehrbar und ordentlich zugehe. Darum iſt einem Weibe nicht erlaubt, in der Gemeine öffentlich zu reden, aber auch nicht einem Manne, der nicht berufen iſt. ſondern dazu hat die Kirche ihre Diener, denen der öffentliche Dienſt am Evangelium d.i. Sünde zu vergeben und zu behalten, anbefohlen iſt. Aus den Zeugniſſen der heiligen Schrift ſiehſt du, daß das Amt Sünde zu vergeben und zu be⸗ halten, welches iſt das Amt, das Evangelium zu predigen, zwar der ganzen Kirche gehöre, aber alſo geordnet ſei, daß die Kirche erbaut werde. Darum ſo oft wir das Evangelium hören, es geſchehe dies nun privatim und inſonderheit oder öffentlich, ſollen wir dafür halten, daß uns Ver⸗ gebung der Sünden wirklich dargeboten werde, die wir auch empfangen, wenn wir das Evangelium im Glauben annehmen. Dieſes gilt aber nur von dem Amte derer, welche die wahre und reine apoſtoliſche Lehre der Gemeine vor⸗ tragen. Denn dieſe ſind es, welche Sünden ver⸗ geben, nicht zwar aus ihrer eignen Macht und Autorität, ſondern durch Macht, Befehl und Be⸗ ruf Gottes des Vaters und unſers HErrn JEſu Chriſti, der ihnen befohlen hat, dieſes Amt in ſei⸗ nem Namen zu verwalten. Die Gewalt und Macht Sünde zu vergeben iſt allein Gottes. Das Amt aber und die Verwaltung dieſer Macht iſt der Apoſtel und aller derer, welche das Evan⸗ gelium Chriſti rein und lauter verkündigen. Darum ſollen wir das Amt des Evangeliums lieben und ihm wohlthun, daß wir die Frucht desſelben erlangen durch IEſum Chriſtum, unſern HErrn, welcher iſt mit dem Vater und Heiligen Geiſt, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Von dem hohen Troſt, welcher in der Lehre liegt, daß Chriſti Leib und Blut wahrhaftig im heiligen Abendmahl gegenwärtig ſei und mit dem Munde genoſſen werde. Nicht ſelten wird die Lehre von der Gegenwart und dem Genuſſe des Leibes und Blutes Chriſti im heiligen Sacrament als eine ganz nutzloſe Spitzfindigkeit dargeſtellt. Man ſpricht: geſetzt, man wollte die Einſetzungsworte eigentlich ver⸗ ſtehen, was für einen Nutzen könnte ein ſolcher Glaubensartikel für das Chriſtenthum bringen? So fragte man ſchon zu Luthers Zeit, und ſo