# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S364 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 364 Ist die Lehre oder das Leben wichtiger für das Bestehen und Heil der Kirche? Wesen hineinkommen, auch auf keine zerstreuenden Privatliebhabereien fallen, in ihrem Lehren und Erziehen niemals in einen todten Geschäftsmechanismus und hergebrachten Schlendrian gerathen, nicht als Miethlinge und Bauchdiener der Welt sich gleichstellen, sondern sich genügen lassen an dem, das da ist, und ihre Sorgen auf den HErrn werfen. Ja fürwahr nur auf diese Weise kann es geschehen, daß sie im Glauben durch Gottes Wort, alle diese Versuchungen unter die Füße treten, in unwandelbarer Treue bis ans Ende beharren, und getrosten Herzens und fröhlichen Muthes des freudenreichen Tages gewarten, da der HErr auch zu einem jeden von ihnen sprechen wird: „Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Wenigem getreu gewesen, ich will dich über Viel setzen, gehe ein zu deines HErrn Freude.“ (Schluß folgt.) (Eingesandt von Conr. G. Schick.) Ist die Lehre oder das Leben wichtiger für das Bestehen und Heil der Kirche? Zu den aus der Zeitrichtung entspringenden und von derselben getragenen Meinungen in der Christenheit gehört ganz besonders auch die, daß es nicht darauf ankomme, was ein Mensch glaubt, sondern daß vor Gott und der Kirche nur sein Verhalten gegen seinen Herrn im Himmel und seinen Nächsten auf Erden Bedeutung habe. Man denkt: wenn nur die Christen vereinigt sind in der Liebe zu Christo und den Brüdern, wenn sie sich nur zusammenschließen zur Ausbreitung des Reiches Gottes und zu Werken der Barmherzigkeit, so ist es gleichgiltig, welches Bekenntniß sie haben und welche theologischen Meinungen sie theilen. Man hält das Leben, das der heilige Geist im Glauben wirkt, für das die Kirche einende und erhaltende Princip, und erklärt darum die Reinheit und Schriftmäßigkeit desselben für das wichtigste Streben der Christenheit, die Lehre aber, die doch nur dann, wenn sie rein und lauter ist, als das einige Werkzeug des heiligen Geistes ein rechtes Glaubensleben in den Herzen schafft, sieht man für nicht so wichtig an, daß man es für nöthig hielte, über die Reinheit und Schriftmäßigkeit derselben zu wachen. Man glaubt vielmehr, das ernste Halten auf die reine Lehre sei gefährlich und verderblich für die Kirche, da in Folge dessen wegen der Verschiedenheit menschlicher Ansichten gar leicht Streit und Spaltung entstehen könne. Und so gilt denn in Theorie und Praxis die reine Lehre, das lautere Evangelium, das Wort des lebendigen Gottes, an dem die Rettung der Welt hängt, weniger als die äußerliche Verbrüderung und das geschäftige Zusammenarbeiten eines Haufens von Leuten, die doch an sich nichts als arme Sünder sind, die mit all' ihrer Liebe und allen ihren guten Werken doch nicht einen einzigen Menschen selig oder die Kirche Christi auch nur Einen Augenblick erhalten könnten. Leider blendet dieser unselige Wahn, der im Grunde den Menschen über seinen Gott und Heiland setzt, heutiges Tags das geistige Auge sehr vieler Christen, die doch nur die Schrift für den Grund