# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S362 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 362 Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. Vielmehr wird er, sonderlich bei gröberen Vergehungen, daran Gelegenheit nehmen, dem Schuldigen unter vier Augen mit väterlichem Ernste das erbsündlich verderbte Herz, daraus diese wirklichen Sünden gekommen seien, aufzudecken, an der argen Frucht den faulen Baum aufzuzeigen, und zugleich ihm die geistliche Ohnmacht und das Unvermögen nachzuweisen, sich selber ein anderes und neues Herz zu verschaffen, darin die Liebe Gottes und des Nächsten wohne. Giebt nun Gott Gnade zur heilsamen Wirkung dieser Vermahnung mit und nach seinem Wort, also daß das bestrafte Schulkind durch Mosis Amt und diesen Stab Wehe zur reumüthigen Erkenntniß der Sünde und zum Verlangen nach der Vergebung derselben bewegt wird, so hat dann der Schullehrer die erwünschteste Gelegenheit, dem kleinen bußfertigen Sünder seinen Heiland im Evangelio vor die Augen zu malen und den Glauben des Kindes zu locken, ihn von Neuem zu ergreifen und die Vergebung der Sünden sich wiederum anzueignen. Und lieblich und heilsam ist es da, zumal wenn daheim dem Kinde solche Vermahnung zum Glauben und Anleitung zum Bitten fehlte, wenn der Lehrvater alsbald auf frischer That mit seinem Schulkinde, als dessen Mund, den Herrn Christum um die gnädige Vergebung der kürzlich begangenen Sünde und der Schuld der verderbten Natur und zugleich um die Gnade und Kraft des heil. Geistes anruft, bei ähnlicher Gelegenheit, der Reizung des Fleisches zu widerstehen und immer mehr in dem Steige des vierten Gebots zu wandeln. Durch solche lehrväterliche Zucht und Vermahnung mit einzelnen Schulkindern, die derselben sonderlich bedürfen, würde denn auch das Liebesband zwischen ihnen und ihrem Schullehrer immer inniger und fester werden; in den also gezogenen und vermahnten Kindern würde unter Gottes Segen die heilsame Frucht der Gerechtigkeit auch nicht gar ausbleiben, und durch sie und mit ihnen würde denn auch der ganze Zustand der Klasse sich immer mehr bessern, daß man, ihrer herrschenden Haltung nach, ein ernstes, aufmerksames, sittiges und züchtiges Wesen in ihr wahrnähme, und die Furcht und Liebe Gottes in etwas ihr abspüren könnte. Dies wäre nun in der Summa das, was mir als das Wichtigste darin erscheint, wie ein Gemeinde⸗Schullehrer aus einem väterlichen Herzen und nach der Liebe Christi in Lehre und Zucht sich gegen die Lämmer Christi, seine Schulkinder, zu halten hätte.*) Herrlich und groß, edel und köstlich vor Gott ist ja fürwahr, wie bereits oben angedeutet, dieser Beruf und nächst und mit treuen, tüchtigen Hirten und Lehrer der ganzen Gemeinde sind diese ihre Gehülfen im Weiden der Lämmer, so sie gleicher Art sind, die größten Segnungen und Wohlthaten Gottes gegen seine Kirche, ja, sofern die Kirche auch ein Sauerteig ist, gegen das menschliche Geschlecht überhaupt. Vor den Augen der Welt und nach dem Urtheil *) Denn es ist wohl selbstverständlich, daß dieser Aufsatz weder eine Pädagogik noch eine Methodik sein soll und kann.