# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S359 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. 359 sen und Können nur dann Werth habe, wenn sie in herrschender Furcht und Liebe Gottes und im Gehorsam des vierten Gebots geschehe. Vielmehr ist die Einwirkung jener Lehrer meist eine schädliche und verderbliche, indem sie in den Kindern, und zumal in den begabteren, durch Erweckung eines unlau⸗ teren Wetteifers den erbsündlich angebornen Hochmuth und Ehrgeiz, und zugleich die Verachtung der minder begabten Mitschüler stärken und kräftigen; und im Vergleich zu solcher sittlicher Verderbung der Gesinnung und des Charakters der Kinder ist der Gewinn nicht hoch anzuschlagen, den sie durch die Erlangung und Mehrung dieser und jener Kenntnisse und Fertigkeiten davontragen. Zum Dritten erzeigt sich die Liebe Christi in dem väterlichen Lehren und Erziehen des Lehrers gegen seine Schulkinder darin, daß er, je nach seiner Gabe in der Mittheilung des Lehrstoffes, das Begründende und Anregende möglichst zu verbinden trachtet. Jeder Lehrer nämlich, er sei nun an einer höhern oder niedern Schule thätig, soll billig gründliches Wissen mit Lehr⸗ geschick und mit einer anregenden Persönlichkeit verbinden. Freilich ist dies Letztere, das Anregende und Belebende, nicht im gleichen Maße von jedem Lehrer zu verlangen, da hierin auch ein Unterschied der Gaben, und sowohl des natürlichen, als des durch die Gnade geheiligten Temperaments statt⸗ findet. Gleichwohl wird es selbst dem vergleichsweise phlegmatischen Lehrer an dem Anregenden in seinem Unterricht nicht fehlen, wenn er auch dafür im Gebet die Gnade des heil. Geistes sucht, der die sündlichen Schäden auch der natürlichen Gemüthsart immer mehr ausheilt, und in diesem Falle dem Leh⸗ rer zunächst dazu hilft, daß er selber recht in seinem Lehrgegenstande lebe, in ihm heimisch, und mit ihm vertraut und des Stoffes und der Form im Mit⸗ theilen desselben an seine Schüler immer mehr Herr und Meister werde. Auf diese Weise geschieht es denn, daß diese nicht nur stufenweise in gründlicher Erkenntniß und Fertigkeit zunehmen, sondern immer mehr Lust und Liebe zur Sache und zum Weiterlernen bekommen. Und gerade aus solcher gründlichen, geschickten und belebenden Lehrmit⸗ theilung fließt denn der zweifache Nutzen, daß die Schüler nicht nur in aller⸗ lei Wissen und Können erfreuliche Fortschritte machen, sondern daß auch die Seelenkräfte, als Gedächtniß, Verstand, Anschauungs- und Bildkraft, die den dargereichten und für ihre Fassung eigenthümlich zubereiteten Lehrstoff orga⸗ nisch sich aneignen, dadurch erstarken, und zur Verarbeitung der späteren und stärkeren Speise geschickter werden. Zum Vierten ist es dieselbe Liebe Christi, die sich in Lehre und Zucht aus seinem väterlichen Herzen gegen seine Schulkinder, welche ihn sonderlich bewegt, auf die schwächer begabten von diesen den größten Theil seiner Zeit und Kraft zu wenden. Unchristlich gesinnte Schullehrer, die als solche mehr ihre eigene Ehre, als aller Kinder Nutz und Frommen im Auge behalten, machen es umgekehrt. Diese pflegen gewöhnlich mit den gutbegabten, und höchstens zugleich mit den stärkeren der mittelmäßig begabten Schüler sich am meisten zu beschäftigen, weil sie in diesen mehr augenscheinliche Frucht