# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S358 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 358 Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. als herrschende Weise vorwaltet, da wird es schwerlich daran fehlen, daß er nicht durchschnittlich in den Kindern ebensosehr eine ehrerbietige Scheu, als ein herzliches Zutrauen, oder kürzer geredet, zugleich Furcht und Liebe er⸗ weckt. Und so soll es auch sein; denn wie die erwachsenen Christen, also auch Väter und Lehrer, zu Gott sich verhalten, daß sie ihn zugleich fürchten und lieben, so sollen sich ähnlicher, nicht gleicher Weise ihre Kinder und Schüler zu ihnen verhalten, daß Furcht und Liebe gegen sie zugleich in ihnen regieret. Zum Andern erzeigt sich die Liebe Christi in dem väterlichen Lehren und Erziehen des Lehrers gegen seine Schulkinder darin, daß all sein Lehren — der Stoff sei welcher er wolle — in den einzelnen Erweisungen desselben zugleich ein Erziehen und Bilden des ganzen kleinen Menschen ist. Und ist die ebengedachte Frucht der Liebe, nämlich der möglichst gleichmüthige, freund⸗ liche Ernst, als herrschende Haltung, vorhanden, so wird diese andere Frucht der Liebe um so leichter erzielt. Jedenfalls ist z. B. die Erzählung und Abfragung der biblischen Ge⸗ schichte, dem Stoffe nach, sehr verschieden von den Uebungen der Kinder im Schönschreiben. Und fließt jene frei und mündlich gehandelte Erzählung aus frischer und lebendiger Glaubensanschauung des Lehrers heraus, so giebt es ja freilich keinen andern Lehrstoff, der den ganzen Menschen nach Herz, Gedächtniß, Verstand und Willen des Schülers so mächtig ergreift. Denn, wenn die großen Thaten Gottes, sei es in Güte oder Ernst, an seine Seele treten, so wird sie auch ohne alle zerstückte Nutzanwendung, die leider häufig nur den totalen Machteindruck der Geschichte zerbröckelt oder lähmt, mächtig bewegt, und, je nach dem Inhalte, zur Buße, oder zum Glauben, oder zum Gehorsam anregt. Gleichwohl jedoch wird auch eben bei den Uebungen der Kinder, z. B. im Schönschreiben das Ziel und Absehen eines christlich gesinnten und tüchtigen Lehrers dahin gehen, daß die Kinder durch solche Uebungen nicht nur in formeller Fertigkeit im Schönschreiben zunehmen, sondern daß darin zugleich ihr Sinn für das Schöne und Wohlgefällige, für Reinlichkeit und Genauigkeit, und vorzüglich die Beharrlichkeit ihres Wil⸗ lens, das in der Vorschrift Vorgebildete immer mehr zu erreichen, kurz, der Charakter herangebildet und gekräftigt wird. Und diese selbige, gleichzeitig lehrende und erziehende, und deshalb wahrhaft bildende Weise wird ein sol⸗ cher Lehrer überall einzuhalten trachten, der Lehrstoff sei, welcher er wolle, und zwar dies Alles unter der Oberherrschaft des vierten Gebots. Denn die stetige, nähere oder fernere Beziehung hierauf unterscheidet eben einen christ⸗ lich gesinnten, von einem gleichbegabten und auch sonst lehrtüchtigen, aber z. B. rationalistisch gesinnten Lehrer. Ein solcher nämlich wird sich entweder begnügen, durch seinen Unterricht die Kinder in der Erwerbung dieser oder jener Kenntnisse und Fertigkeiten zu fördern, oder seine gleichzeitige Einwirkung auf die Gesinnung und den Willen der Kinder ist nicht dahin gerichtet, ihnen für und für anschaulich und eindringlich zu machen, wie alle Anstrengung ihres Willens für allerlei Wis⸗