# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S357 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. 357 Antwort beschlossen sind, wird es nicht undienlich sein, zuvor einige Blicke darauf zu werfen, was wohl solchem Schullehrer stetiglich noth thue, um gegen seine Schüler in dieser lehrenden und erziehenden Liebe sich erzei⸗ gen zu können. Dies ist aber nichts Anderes, als daß er selbst als ein gehor⸗ samer Schüler und demüthiger Zögling zu den Füßen des HErrn sitzen bleibt, sich täglich für seine Schularbeit Gnade und Weisheit erbittet, mit Gottes Wort für seine eigene Seele fleißig umgeht und in dessen Erkenntniß zu⸗ nimmt, für seine Schulkinder treue und ernstliche Fürbitte thut, wider seine temperamentlichen Unarten den heil. Geist um Hülfe und Beistand fleißig anruft, gleichzeitig sich dawider mit Gottes Wort bewaffnet, und seines vor Gott edlen und köstlichen Berufs möglichst eingedenk bleibt. Und daß neben solcher geistlicher Vorbereitung und Zurichtung seiner ganzen Person auch die gewissenhafte Vorbereitung für seine Lehrstunden nicht fehlen wird, versteht sich von selbst. Nach dieser Einschaltung und Vorbemerkung nehmen wir nun jene obige summarische Antwort wieder auf, indem wir die einzelnen Stücke aufzeigen, die in ihr enthalten sind. Worin also wird sich die Liebe Christi in dem väterlichen Lehren und Erziehen des Lehrers gegen seine Schulkinder erzeigen? Zum Ersten in der herrschenden Haltung eines möglichst gleichmüthigen, freundlichen Ernstes in allen einzelnen Erweisungen seines väterlichen Leh⸗ rens und Erziehens — eine Haltung die, dem Ernste nach, aus der Furcht Gottes fließt, als in dessen allerheiligster Gegenwart der Lehrer seines Be⸗ rufes wartet, und, der Freundlichkeit nach, aus der Liebe Christi stammt, die sein Herz und Mund gegen seine Kinder aufthut. Bei einem unchristlichen Lehrer ist diese Art und Weise eben wegen des herrschenden Unglaubens unmöglich. Sein Ernst ist entweder eine natür⸗ liche gesetzliche Strenge, wo nicht gar eine launische Härte und mürrisches Wesen, oder ein selbstgemachtes Amtsansehen, eine erkünstelte Amtswürde, welches beides sich aber nicht heilsam an den Herzen der Kinder erweist. Denn wie durch jene Strenge, darin der Vater sich nur in einen Zucht⸗ und Stockmeister verwandelt, höchstens ein erzwungener Gehorsam aus Furcht vor der Strafe erzeugt wird, so wird das innerlich Hohle dieser gespreizten Amts⸗Autorität gar bald von den Kindern instinktartig durchgefühlt und natürlich keine wahre Ehrerbietung in ihrem Herzen dadurch zuwege gebracht. Die Freundlichkeit aber in einem unbekehrten Lehrer ist auch entweder der Ausfluß einer natürlichen Gutmüthigkeit, oder gleichfalls mehr künstlich an⸗ genommen; da sie aber in beiden Fällen der wahren, d. i. der christlichen Liebe ermangelt, so ist sie nicht im Stande, eine mit Ehrerbietung verbundene Gegenliebe in den Kindern zu erwecken, vielmehr giebt sie dieser nur Gele⸗ genheit, sich mit dem Lehrer so ziemlich auf eine Stufe zu stellen, und ihren etwaigen Gehorsam gegen ihn nur als eine Art Gunst und Gefälligkeit anzuschauen. Wo dagegen in einem christlich gesinnten Lehrer jener freundliche Ernst