# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S356 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 356 Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. meist auch den Unterricht im Katechismus in ihnen ertheilten. Vor dem Aufkommen und Herrschendwerden des Rationalismus war also naturgemäß die Kirche die rechte Pflegerin und Hüterin vornehmlich der Gemeindeschulen in den Städten und auf dem Lande, und wachte und sorgte dafür, daß die reine lutherische Lehre und christliche Zucht auf ihnen im Schwange ginge. Die Schullehrer aber standen kirchlich naturgemäß unter ihrer Aufsicht, wäh⸗ rend sie in der Ausrichtung ihres Amtes nach Lehre und Zucht die Stelle der leiblichen Väter bei den Kindern vertraten. Nach diesen einleitenden Umrissen gehen wir nun an die Beantwortung des ersten Theils unserer Aufgabe, nämlich, welches das evangelische Verhal⸗ ten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers zunächst gegen seine Schul⸗ kinder sei, und was wohl, da er ja eben an der Väter Stelle mit den Kindern in der Schule zu handeln hat, das Nächste und Wichtigste sei, was er gegen sie haben und hegen müsse. Es ist dies aber nichts Anderes, als ein väterliches Herz, sollte er selbst auch noch jung, unverehelicht und ohne eigene Kinder sein. Solches Herz, daraus billig all seine Lehre und Zucht fließen soll, ist ja freilich in einen christlich gesinnten Schullehrer keine natürliche Gabe, sondern eine Wirkung des heil. Geistes und der Liebe Christi. Er muß billig zuvor an seinem eige⸗ nen Herzen erfahren haben, daß er eben von Natur ein solch väterlich Herz gegen die Kinder nicht habe, daß statt dessen vielmehr sein Herz voll Leicht⸗ finnes, Trägheit, Härtigkeit, Zornmüthigkeit und sonderlich voll Hochmuths sei; er muß sodann über die verderbte Beschaffenheit seines Herzens gründ⸗ lich und ernstlich gegen Gott Reu und Leid getragen haben, und noch täg⸗ lich also thun, darnach aber im Glauben die Gnade Gottes in Christo ergrif⸗ fen haben, und noch täglich also thun. Er muß — wenn er auch nicht öffent⸗ lich zu dreien Malen mit Verfluchung seiner selbst Christum vor dessen Fein⸗ den verläugnet hat — doch die im Evangelio vergebende Liebe Christi im Herzen erfahren haben, und eine herzliche und aufrichtige Gegenliebe zu Christo muß darin entbrannt sein; denn also nur kann er auch mit gutem Gewissen dem HErrn auf seine Frage: „Hast du mich lieb?“ antworten: „HErr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe!“ Und nur also wird er dann auch die Weisung des HErrn recht erkennen und beherzigen: „Weide meine Lämmer.“ Aus dem eben Gesagten ist also ersichtlich, daß ein von der Liebe Christi erfülltes und bewegtes und darum väterlich gesinntes Herz gegen seine Schul⸗ kinder in einem rechtschaffenen Gemeindeschullehrer müsse innerlich vorhan⸗ den sein, wenn anders seine Berufsthätigkeit und Wirksamkeit eine den Kin⸗ dern heilsame und gesegnete sein soll. Was wird aber aus solchem Herzen, je nach der Stärke des Glaubens, gegen seine Kinder herausfließen? Die kurze summarische Antwort lautet: Die Liebe Christi in allen Erweisungen seines väterlichen Lehrens und Er⸗ ziehens. Ehe wir aber näher auf die einzelnen Stücke eingehen, die in dieser