# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_December 1862_S354 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 354 Ueber das evangelische Verhalten eines christlich gesinnten Gemeindeschullehrers ꝛc. Als nun nach Christi Himmelfahrt das Evangelium später auch den Heiden verkündigt, und ein Theil derselben an Christum gläubig ward, so haben sicherlich die christlichen Väter oder Mütter ihre Kinder daheim in den ersten Buchstaben der christlichen Lehre unterwiesen, und mit der vernünftigen, lautern Katechismusmilch aufgezogen. Und wie sie früher aus dem Antrieb der natürlichen Liebe ihren Kindern die Fabeln von den Werken ihrer soge⸗ nannten Götter erzählten, so war es nach ihrer Bekehrung der Ausfluß ihrer geheiligten Liebe, daß sie, nachdem sie selbst durch ihre Evangelisten und Kate⸗ cheten die drei großen Werke des dreieinigen Gottes gehört und gelernt hat⸗ ten, diese in Geschichte und Lehre im häuslichen Kreise ihren Kindern und Hausgenossen mittheilten. Es ist also theils aus dem natürlichen Lichte der Vernunft, theils aus Gottes Wort offenbar, daß die leiblichen Väter, und nach Umständen auch die Mütter die naturgemäßen Lehrer ihrer Kinder zunächst in Gottes Wort sind; und wie viele derselben nach Erfindung der Buchdruckerkunst das Lesen des gedruckten Wortes Gottes sich aneigneten, haben dasselbe auch ihren Kindern beigebracht. Dies weist denn auch die Geschichte nach. Denn bis auf die neuere Zeit haben z. B. in Norwegen, in den jetzigen russischen Ostseepro⸗ vinzen, Finnland, Esthland, Livland die lutherischen Eltern, und sonderlich die Mütter am Spinnrocken ihren Kindern diesen zwiefachen Liebesdienst ge⸗ than; und meines Wissens besteht noch in Island diese liebliche christliche Sitte, daß die leiblichen Eltern ihren Kindern häusliche Lehrväter und Lehr⸗ mütter im Lesen und Lernen des kleinen lutherischen Katechismus sind. Und wo in Kraft des Glaubens an Christum die Eltern zugleich erleuchtete Chri⸗ sten waren, und eine lebendige Erkenntniß des göttlichen Wortes hatten, da gingen zu großem Nutz und Frommen der Kinder bei solchem häuslichen Unterricht Lehre und Zucht auf die erwünschteste und mannigfaltigste Weise Hand in Hand. So z. B. hatte eine gottselige Mutter bei dem Lehren des vierten Gebots vielfache Veranlassung, ihren Kindern ihre vielfältige Ueber⸗ tretung desselben aus ihrem häuslichen Verhalten sammt dem Gräuel der Erbsünde, daraus diese wirklichen Sünden fließen, auf das anschaulichste nachzuweisen, den heiligen Zorn und strafenden Eifer Gottes dawider ihnen vielfach aufzudecken, und mit der heilsamen Schärfe des göttlichen Wortes in ihr Gewissen zu dringen, damit sie anfingen vor Gottes Zorn und Gericht zu erschrecken, Reue und Leid über ihre Sünde zu tragen, und zu Christo ihre Zuflucht zu nehmen. Desgleichen, wie süß und lieblich mußte darnach gerade von den Lippen der Mutter, deren Hände im stetigen leiblichen Wohlthun gegen ihre Kinder begriffen waren, die Vormalung Christi nach dem Evangelio auch als ihres Heilands und Seligmachers in die Herzen der Kinder hineinfließen, und den in der Taufe bereits empfangenen Glauben an Christum stärken, immerdar aus seiner Fülle zu nehmen Gnade um Gnade, Vergebung um Vergebung. Inzwischen waren jedoch auch Schulen entstanden, darin Kinder gelehrt wurden, und zwar von Seiten der Kirche. Im Mittelalter waren es vor⸗