# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S124 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſonſt ein giftiger Feind des Wortes Gottes, Mit⸗ leiden fühlte und gebot, man ſollte ihn gehen laſ⸗ ſen, er würde wohl folgen. Balke Johann wurde befohlen, ihn zu leiten, der ihn mehr ſchleppte, als führte. In Hemmingſtet angekommen, wurde Heinricus gefragt: wie er ins Land gekommen wäre und was er da ſuchte? Freundlich antwortete er ſeinen Peinigern die Wahrheit, daß ſie davon bewegt wurden. Allein ſie erſtickten ſelber wieder dieſe Regung des Mitleids, indem ſie riefen: „Hinweg mit ihm! wenn wir ihn lange hörten, ſo würden wir auch Ketzer werden.“ Da bat er, daß man ihn auf ein Pferd ſetzen möchte, weil er ſehr müde und matt war, und ſeine Füße ganz wund waren. Denn er war die ganze Nacht nackend und barfuß im Kalten und im Eiſe gegangen. Als ſie das hörten, ſpotteten und ver⸗ lachten ſie ihn, und ſprachen: „Ob man dem Ketzer Pferde halten ſolle? er müßte wohl laufen.“ So ſchleppten ſie ihn in der Nacht bis zu der Heide. Dort wollten ſie ihn in das Haus eines Mannes, Namens Raldenes, bringen und ihm einen Stock mit eiſernen Ketten anhängen. Allein der Hausvater hatte Mitleiden und wollte es nicht leiden. Da brachten ſie den guten Heinricus in das Haus eines Pfaffen, Reymer Hotzecken, der ein Diener des Officials von Hamburg war, ſchloſſen ihn in einen Keller und gaben ihn den trunkenen Bauern zu verwahren, welche ihn die ganze Nacht verſpotteten und verhöhneten. Auch kamen zwei papiſtiſche Pfaffen, Simon, von Alten⸗ worden, und Chriſtian, von Neuenkirchen, beides ſehr ungelehrte Verfolger des Wortes Gottes, welche ihn fragten: „aus welcher Urſache er das heilige Kleid abgelegt hätte?“ Ihnen antwortete er liebreich aus der heiligen Schrift, aber ſie ver⸗ ſtanden es nicht, was er ſagte. Darauf fragte ihn M. Günther, ob er zu dem Biſchofe von Bremen geſchickt werden wollte, oder lieber in Dithmarſen ſeinen Lohn zu empfangen wünſchte? Heinricus antwortete: „Habe ich etwas Unchriſtliches gelehret oder gehandelt, ſo könnet Ihr mich wohl darum ſtrafen; der Wille Gottes geſchehe.“ Da rief M. Günther: „Hört, lieben Freunde, er will in Dithmarſen ſterben.“ Aber das Volk brachte die ganze Nacht mit Saufen hin. Des Morgens um acht Uhr verſammelten ſie ſich auf dem Markte und rathſchlagten, was zu thun ſei? Da ſchrieen die trunkenen Bauern: „Nur immer verbrannt! zum Feuer mit ihm! ſo werden wir heute bei Gott und den Menſchen Ehre ge⸗ winnen; denn je länger wir ihn leben laſſen, deſto mehre verkehret er mit ſeiner Ketzerei. Was hilft viel Bedenken? Er muß doch ſterben!“ Alſo ward der gute Heinricus unverhört zum Feuer verdammt. Hierauf wurde ausgerufen: „Alle, welche geholfen hätten, ihn zu fangen, ſollten ihn mit ihren Waffen zum Feuer begleiten.“ Es gingen auch die grauen Mönche oder Barfüßer umher, ſtärkten die armen Leute und ſprachen: „Jetzt gehr Ihr der Sache recht nach!“ und hetzten noch das elende trunkene Volk. Da nahmen ſie Heinricus und banden ihn an Hals, Füßen und Händen und führten ihn zum 124 Feuer mit großem Geſchrei. Als dieſes geſchahe, ſtand eine Frau in ihrer Hausthür, ſahe dieſes Elend und vieſen Jammer und begann bitterlich zu weinen. Sagte der gute Heinricus zu ihr: „Liebe Frau, weinet nicht über mich!“ Als er nun an die Stätte kam, da das Feuer bereitet war, ſaß er nieder vor großer Schwachheit. Da trat herzu der Vogt, Schöſſer Mars, mit Geld dazu beſtochen, wie man mit Recht vermuthet, und verdammte den guten Bruder Heinricus mit die⸗ ſem Urtheil zum Feuer: „Dieſer Böſewicht hat weder die Mutter Gottes und den Chriſtenglauben gepredigt, darum verurtheile ich ihn von wegen meines gnädigen Herrn, des Biſchofs von Bremen, zum Feuer.“ „Das iſt nicht wahr, antwortete Heinricus, doch, HErr, dein Wille geſchehe.“ Und er hob ſeine Augen auf gen Himmel und ſprach: „HErr, vergib ihnen, denn ſie wiſſen nicht, was ſie thun: Dein Name iſt allein heilig, himmliſcher Vater!“ Da ging hinzu eine gute chriſtliche Frau, Claus Jungenfrau, mit Namen Wibe, eine Schweſter von Peter Nannen, zu Meldorf wohn⸗ haft; die trat vor das Feuer und erbot ſich, man ſollte ſie ſtäupen, auf daß ihr Zorn gebüßt würde, dazu wollte ſie tauſend Gülden geben, wenn man den Mann nur bis auf den nächſten Montag wieder frei ließe, damit er erſt von dem ganzen Lande verhört und dann verbrannt würde. Als ſie das hörten, wurden ſie raſend und unſinnig, ſtießen die Frau zu Boden und traten ſie mit Füßen. Darauf ſchlugen ſie mit aller Gewalt den gu⸗ ten Märtyrer Chriſti. Einer hieb ihm mit ſeinem Stoßdegen in den Hirnſchädel. Aber Johann Holm von Neuenkirchen ſchlug ihn mit einem Fauſthammer. Die Anderen ſtachen ihn in ſeine Seiten, in den Rücken, in die Arme, wo ſie ihn nur erreichen konnten; und nicht blos einmal, ſondern ſo oft er zu reden begann. Und dazu hetzte M. Günther noch das Volk, indem er rief: „Frey zu, liebe Geſellen, hie wohnet Gott bei!“ Darnach brachte er einen grauen Mönch zu Hein⸗ ricus, daß er ihm beichten ſollte. Aber der Mär⸗ tyrer fragte ihn: „Bruder, habe ich Dir auch etwas zu Leide gethan, oder Dich je erzürnet?“ „Nein“, antwortete der Mönch. „Was ſoll ich Dir dann beichten, erwiederte der gute Bruder Heinricus, daß Du mir vergeben ſollteſt?“ Da ſchämte ſich der graue Mönch, und trat zurück. Das Feuer aber wollte nicht brennen, ſo oft ſie es auch anzündeten. Nichts deſto weniger übten ſie ihren Muthwillen an ihm, indem ſie ihn mit Spießen und Hellebarden ſchlugen. Das dauerte wohl zwei Stunden lang, während der Märtyrer nackend vor ſeinen Feinden ſtand mit gen Himmel gerichteten Augen. Zuletzt nahmen ſie eine Leiter, auf welche ſie ihn ſehr hart feſt banden, um ihn ſo ins Feuer zu werfen. Da hob der Märtyrer an, ſeinen Glauben zu bekennen. Aber einer ſchlug ihn mit der Fauſt ins Angeſicht und ſprach: Er ſollte erſt brennen, nachher möchte er beten, was er wollte. Da trat ihn ein Andrer mit dem Fuße ſo hart auf die Bruſt, und band ſeinen Hals ſo feſt an eine Lei⸗ terſproſſe, daß ihm das Blut aus Mund und Naſe ſtrömte. Denn er wollte ihn erſticken, da er ſahe, daß er an ſo vielen Wunden nicht ſterben konnte. Darnach hoben ſie ihn mit der Leiter auf. Einer aber ſetzte ſeine Hellebarde an die Leiter, um ſie aufzurichten. Sie glitt jedoch ab und der 4 heilige Märtyrer wurde von ihr mitten durch⸗ ſtochen. So warfen ſie ihn mit der Leiter auf das Holz. Allein ſie fiel zur Seite wieder herab. Da lief Johann Holm mit dem Fauſthammer hinzu, und ſchlug ihn ſo lange auf die Bruſt, bis . er ſtarb und ſich nicht mehr bewegte. Und da das Feuer immer noch nicht brennen wollte, bre⸗ ten ſie ihn auf Kohlen. Das iſt die Geſchichte des heiligen Märtyrers Heinrichs von Zütphen, wovon Luther ſchreibt: „Und nun wiederkommen iſt die Geſtalt eines rechten chriſtlichen Lebens, das mit Leiden und Verfolgungen vor der Welt iſt greulich anzuſehen, aber köſtlich und theuer vor Gottes Augen, wit der Pſalter ſpricht: Köſtlich iſt vor dem HErrn der Tod ſeiner Heiligen; und abermal Pſ. 71.: Ihr Blut iſt köſtlich vor ſeinen Augen.“ Hermann Fick. (Eingeſandt.) Der Märtyrer, Heinrich von Zütphen. Es hat nun überwunden Der heil'ge Märtyrer, In ſeinen leßten Stunden Da ſtärkte ihn der HErr. Ihn haßten die Papiſten, Er lehrie Gottes Wort, Sie ſchleppten ihn mit Liſten Bei Nacht zum Tode fort. Er mußte nackend gehen Durchs Eis zur Feuerſtatt; Und konnte doch kaum ſtehen, Von Schmerzen ſchon ſo matt. Doch ob gleich hart geſchlagen, Trug er es mit Geduld, Vergab auch ohne Klagen Den Mördern ihre Schuld. Wie er bei ihrem Toben So ſanft und milde ſtand! Das Angeſicht nach oben Still betend hingewandt. Da nun aus vielen Wunden Sein Blut ſchon ſtrömend floß, Ward er noch feſtgebunden An einer Leiter Sproß. Und als er ſo erlitten Viel bittre Noth und Pein, Drang eine Lanze mitten Ins treue Herz hinein. Drauf warf ihn in die Flammen Des grimmen Feindes Hand; So ſank er denn zuſammen: Erſchlagen und verbrannt. O Heinrich, treuſter Streiter! Das ſchönſte Loos ward dein: Auf einer Himmelsleiter Gingſt du zum Himmel ein. Dort lebſt du nun in Frieden, Und prangſt im Siegeskranz; Dein Name lebt hienieden Im ew'gen Ruhmesglanz. H. Fick. 4