# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S349 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 349 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Christen und Politik. In dem Ev. Messenger, einem Organ der englischen Evangelischen oder Albrechtsleute, in der Nummer vom 17. Sept., wird über die Theil⸗ nahmlosigkeit der Christen an den Landesangelegenheiten, nehmlich an der Erwählung unserer Beamten und der Regierungsverwaltung geklagt und daß dieselben diese Sache viel zu viel den grundsatzlosen professionellen Politikern überlassen, während sie, wenn sie wollten, das Land regieren könnten. Es wird daher beantragt, es möge doch „nicht nur eine Convention der Christen von den verschiedenen Verfassungen in allen größeren Städten des Landes, sondern ganz besonders eine große allgemeine Convention für das ganze Land gebildet werden, in welcher die Abgeordneten aller Confessionen zusammen treten, eine evan⸗ gelische Alliance in Amerika bilden, den Wunsch der Kirche, die gegenwärtigen Landesver⸗ hältnisse betreffend, aussprechen“ ꝛc. — Das fehlte allerdings noch, um alle Verhältnisse hier noch gänzlich unentwirrbar zu machen. Sind es doch gerade die s. g. eifrigsten Christen und christlichen Zeitschriften gewesen, welche in dem gegenwärtigen Kriege durch ihren Fa⸗ natismus das größte Unheil gestiftet haben, da das arme unwissende Volk natürlich eher an die Richtigkeit verkehrter Dinge glaubt, wenn sie von Religiösen verfochten wird, als wenn Irreligiöse sie verfechten. Uebrigens selbst wenn die hiesigen Christen auch mehr Verstand von Politik und mehr auf Gottes Wort ruhende Gewissenhaftigkeit hätten, als sie haben, so würden sich doch bei einer solchen politischen Convention und Alliance von „Chri⸗ sten“ bald so viele professionelle Politiker als „Christen“ einfinden, daß die s. g. Christen⸗ Convention nichts werden würde, als ein höchst brauchbares Instrument frommthuender politischer Schwindler. Das wollen wir hierbei gar nicht geltend machen, daß eine solche politische Consociation von Christen als Christen schon an sich wider das Evangelium wäre und daß nicht selten ein von Gott dazu ausgerüsteter Nichtchrist zehnmal mehr Verstand hat, in bürgerlichen Angelegenheiten einen guten Rath zu geben, als Tausende und aber Tau⸗ sende von dafür unberufenen s. g. Christen. Die Synode oder das „Ministerium“ von Pennsylvanien ver⸗ sammelte sich im Juni d. J. in Allentown. Der Bericht über die dabei gepflogenen Ver⸗ handlungen liegt vor uns, es ist immerhin etwas, daß der Beschluß gefaßt worden ist, nur lutherische (oder vielmehr: lutherisch sich nennende) Prediger anderer Synoden als bera⸗ thende Glieder aufzunehmen, hingegen die sich einfindenden Prediger „anderer Benennungen“ nur als Gäste Platz nehmen zu lassen. Um so seltsamer aber erscheint es, wenn nicht nur ein von der lutherischen Synode Pennsylvaniens für die Synode der Deutsch⸗Reformirten Kirche erwählt gewesener Delegat in dem von ihm abgestatteten Bericht u. A. sagt: „Der Unterzeichnete war erfreut, den einsichtsvollen Eifer zu sehen, der bei diesem Theile der Kirche Christi, der so eng mit uns verbunden ist, sich offenbarte“; sondern wenn wir auch lesen, daß man auch in dieser Sitzung einem Delegaten von der Deutsch⸗Ref. Syn. eine Begrüßungsrede halten ließ und daß ein Delegat für die Deutsch⸗Ref. Syn. gewählt wurde. Das ist offenbar zurückgebliebener unionistischer Sauerteig. — Verkehrt ist es auch, daß das Ministerium beschloß, auch die examinirten Candidaten zu ordiniren, „welche noch keinen bestimmten Ruf haben.“ Welchen Sinn hatte dann die Ordinations⸗ Bestätigung? Die ev.⸗luth. Synode von Canada ist von Pastor C. Kühn, der bekannt⸗ lich von dem Buffaloer Ministerium seines Amtes entsetzt worden war, um ein Gutachten in seiner Angelegenheit angegangen worden. Die Synode erklärte: „1. daß sie Pastor C. Kühn disciplinarischer Vergehen schuldig erachte; 2. daß ein Grad von Kirchendisci⸗ plin am Platze sei; 3. daß sie ihn nicht eines Vergehens für Amtsentsetzung schuldig erachte.“ Methodisten⸗Regiment. So meldet der „Evangelist“ vom 27. September: „Die Methodisten in Wisconsin boten dem Gouverneur an, ein Regiment Methodisten für