# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S348 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 348 Litterarische Intelligenzen. Synoden, „Hunds⸗ und Roßknochen“ einer weltlich gewordenen „Kirche.“ Schon von einer anderen Seite ist den pseudo-protestantischen Romanisten mit vollem Rechte vorgeworfen worden, daß nur Scheu und Inconsequenz sie abhalte, nicht blos für die evangelische Kirchenverbesserung „Buße“ zu fordern, sondern auch für die Predigt des Evangeliums durch des Menschen Sohn und seine Apostel. Denn alle Schuld, die sie auf Luther's und seiner Mitarbeiter Häupter zusammenhäufen, fällt, nur in verdoppeltem Grade, auf die ersten Verkündiger der evangelischen Heilsbotschaft zurück. Ja, ja, Christus, Paulus, Luther und „wir Protestanten“ bedürfen der „Buße;“ unsern „getrennten Brüdern“ dagegen braucht sie nicht gepredigt zu werden, — sie sind ja dem römischen Stuhle treu geblieben, haben den kirchlichen Organismus nicht zerrissen; sie sind die 99 Gerechten, die keiner „Buße“ bedürfen. Ob freilich diese modernste Bußpredigt an „uns Protestanten“ zahlreiche papistische Erweckungen zur Folge haben werde, ist eine andere Frage. Ich hoffe, es giebt noch gar Viele, denen es gerade so geht, wie mir. Ich bin in dem Sündenkessel der Reformation so hart gesotten, daß die Stahl⸗ Wangemann⸗Vorreiter'sche Buße mir ganz lächerlich und die sündentilgende Versöhnung mit Rom höchst entbehrlich erscheint. Das sind nun freilich Ge⸗ schmacksachen. Andere werden es für einen guten Kauf halten, wenn ihnen, blos um den Preis der Darangabe des Evangeliums, die Himmelsthür von dem Nachfolger Petri aufgethan wird; mir wäre die ganze römische Herrlichkeit für einen Silbergroschen zu theuer. So hoffe ich, wird es wohl noch Viele geben, bei denen der rechtfertigende Glaube an die Pabstgnade auch durch die zermalmendsten Bußrufe nicht zum Durchbruch zu bringen ist. Den Vorwurf betreffend, als sei Protestantismus und Revolution zu⸗ sammenfallende Begriffe, läßt sich der Schreiber also aus: Dagegen habe ich hinsichtlich der Behauptung, der Protestantismus sei die Revolution, zu bemerken und durch einige historische Facta, die sich sämmtlich im Zeitraume des jetzigen Menschenalters zugetragen haben, zu erhärten, daß man den Spies auch umdrehen und sagen darf, der Romanismus sei die Revolution, der Protestantismus ein schützender Damm dagegen. Denn a) die Herde und Hauptsitze der Revolution sind heutigen Tages die „katholischen“ Länder Frankreich, Polen, Oesterreich, Italien; b) die „protestantischen“ Reiche England und Schweden wissen nichts von der „Revolution,“ oder auch nur vom Revolutionsfieber; c) in dem paritätischen Königreiche der vereinigten Niederlande ging die Revolution von den „katholischen“ Belgiern aus und wurde von den „protestantischen“ Holländern bekämpft; d) der klassische Boden des römischen Katholicismus, der Kirchenstaat, ist keineswegs, wie man nach den papistischen Großsprechereien doch mit völliger Bestimmtheit erwarten sollte, ein Musterland des Unterthanengehorsams, wohl aber, trotz seiner hermetischen Absperrung gegen alles antichristische Protestantengift, ein revolutionärer Musterstaat; — und worin erblickt der heilige Vater selbst das einzige Rettungsmittel gegen seine rebellischen Unterthanen? Im Liebäugeln mit der „französischen Revolution!“ — Das sind geschichtliche Thatsachen, die sich nicht vertuschen, noch ändern oder bemäkeln lassen, die vielmehr Gott hat eintreten lassen, um das lügenhafte Gerede