# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S346 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 346 Litterarische Intelligenzen. Kirche verbreitete und täglich an Umfang, Tiefe und Kraft gewinnende Ueberzeugung, der römische Pabst sei der Antichrist, gesträubt, bis er sie end⸗ lich gar nicht mehr habe abweisen können, weil ja wirklich (dies gesteht B. häufig und unverhohlen ein) das Antichristenthum seinen Hauptsitz in Rom gehabt habe. Solche Zugeständnisse eines entschiedenen Gegners und die naturgemäß sich daran anschließenden Betrachtungen haben denn wenigstens in mir den Vorsatz verstärkt, die allgemein protestantische Lehre vom Anti⸗ christ nur erst dann aufzugeben, wenn mir eine bessere geboten wird. Bis dahin wird aber wohl noch manches Wassertröpflein ins Weltmeer laufen. Denn wenigstens unsere heutige hochgelahrte „Wissenschaftlichkeit“ hat beständig blos Material zur Construction einer Carrikatur des Anti⸗ christs zusammengefahren. Die Beurtheilung des Werkes der Reformation betreffend, schreibt Ströbel: Luther, das Evangelium von der freien Gnade Gottes in Christo als seinen Reisepaß und sicheres Geleit, den rechtfertigenden Glauben an die Sündenvergebung ohne eigenes oder fremdes Menschen⸗, Kirchen⸗ und Heiligen-Verdienst als sichern Wanderstab handhabend, predigt immer und überall „de captivitate Babylonica“, „das Pabstthum vom Teufel ge⸗ stiftet,“ „von der Freiheit eines Christenmenschen“ u. s. w. und setzt damit eine Reformation in Gottes und Christi Namen, also von Gottes und Christi Gnaden, durch, die sich unter den gewaltigsten Stürmen von außen und innen bereits dreihundert Jahre wider die Pforten der Hölle erhalten und auf ihr Panier den trotzigen, bisher noch nicht zu Schanden gewordenen, Spruch geschrieben hat: Gottes Wort und Luther's Lehr vergehen nun und nimmermehr! Vorreiter hingegen, das göttliche Recht und Ansehen der Päbste, Concilien und Traditionen voraussetzend, will allerdings auch reformirt wissen, — aber was? Nicht die Kirche Christi von eingedrungener Tyrannei und eingeschlichener Menschensatzung, sondern die dreifache Krone des Statthalters Christi von dem anhaftenden Staube, die Mönchskutten und Priestertonsuren von dem verjährten Schmutze, Seelenmessen, Fegefeuer, Ablässe, Heiligenbilder, Reliquien und die übrigen Heiligthümer von Spinn⸗ weben, Moder, Mottenfraß und — Beutelschneiderei. Und diese Reforma⸗ tion will er bewerkstelligt sehen nicht durch das Evangelium, sondern durch die Päbste und Concilien. Er will eine Reformation im Namen der Kirche, eine Reformation von des römischen Stuhls Gnaden, eine Reformation, wie sie nach der Meinung der Romanisten von dem Tridenter Concil be⸗ werkstelligt worden ist. Einer solchen Reformation hätte anfänglich auch Luther nachgestrebt, bis er sich durch eine antichristliche, aufrührerische Partei von seinem göttlichen Reformatorberufe habe abwendig machen lassen. Die Pabstherrschaft, die Synodalautorität, das Klosterwesen, den Heiligen-, Bilder⸗ und Reliquiendienst in einem großen Theile der abendländischen Kirche zu stürzen, dazu sei er nicht von Gott berufen gewesen, sondern nur dazu, alle diese und ähnliche Institute von dem allmählig damit ver⸗ bundenen Antichristlichen und Mißbräuchlichen zu reinigen, den erstor⸗