# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S341 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Verlobungs- und Traureden. 341 einen Schand⸗Deckel und Grund suche, sein böses Vornehmen damit zu be⸗ schönen ꝛc. Und verdamme im Namen des Vaters, des Sohnes und heiligen Geistes, in Abgrund der Höllen, alle, die ihnen anhangen und helfen solch Teufelswerk (das heimliche Verlöbniß) fördern, Amen.“ Das Nöthigste von Dem, was in Traureden vorkommen soll, ist in den meisterhaft ausgewählten biblischen Lectionen zusammengefaßt, die nach dem Vorbilde des Traubüchleins unserm Trauungsformulare eingefügt sind. Sie enthalten die vier Stücke: Von der Einsetzung des h. Ehestandes 1 Mos. 2, 18., 21—24; von den Pflichten der Eheleute Ephes. 5, 25—29; 22—24; von ihrem Kreuz 1 Mos. 3, 17—19 und ihrem Trost darin 1 Mos. 1, 27. 28. 31., Sprüchw. 18, 22. Je heller in einer Traurede diese vier Stücke durchklingen, desto besser ist sie. Natürlich wird immer eins vor dem andern vorklingen, aber ganz fehlen darf keins. Wollte man z. B. über die Worte 1 Mos. 24, 50: Das kommt vom HErrn, sprechen, so müßte vor allem hervorgehoben werden, daß der h. Ehestand selbst vom HErrn komme, worauf dann zu zeigen wäre, welches Ehebündniß als vom HErrn anzusehen sey, wie ferner auch die Gebote für die Eheleute und das Wollen und Voll⸗ bringen darnach zu leben, vom HErrn kämen und wie endlich so wohl das Kreuz von Gott auf diesen Stand geleget sey, als auch reicher Trost darin von Gott verheißen sey. Viele Prediger haben eine Scheu, über gewisse Sprüche, die in diesen Lectionen und anderwärts vorkommen, öffentlich und namentlich zu einem vor ihnen stehenden Brautpaare zu reden, z. B. über die Worte: Ich will dir viel Schmerzen schaffen ꝛc. Der Mann soll des Weibes Herr seyn; seyd fruchtbar und mehret euch ꝛc. Allein sind nicht solche Worte eben so wohl von dem h. Geist eingegeben, als alle andere z. B. diese: Also hat Gott die Welt geliebt ꝛc. Ist nicht alle Schrift und folglich auch diese, nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Ge⸗ rechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sey vollkommen, zu allem guten Werk ge⸗ schickt. (2 Tim. 3, 16. 17.) Ist nicht durch das Verschweigen solcher Schrift⸗ worte und deren Auslegung und Anwendung, wozu sich die Prediger durch Menschengefälligkeit oder Menschenfurcht verleiten ließen, großes Unheil in unzähligen Ehen herbeigeführt worden? Wenn doch alle Prediger und alle Zuhörer die Worte beherzigten, die Dr. Luther in dem Eingange zu seiner Predigt über 1 Mos. 38 geredet hat: „Wir sind so zart, daß wir nicht leiden zu reden noch zu hören von menschlicher Geburt. Es ist wahr, daß dies ist eben ein grob Capitel: nun stehet es dennoch in der h. Schrift, und hat es der h. Geist geschrieben, welcher ja so reinen Mund und Feder hat, als wir, daß ich es nicht höher zu beschönen weiß, denn also. Hat jemand einen rei⸗ nern Mund und Ohren denn er, der mag es lassen stehen: hat er es sich nicht gescheuet noch geschämet zu schreiben, wollen wir es uns nicht schämen zu lesen und zu hören.“ Im Bezug auf Textwahl mache ich außer den erwähnten Lectionen auf folgende Stellen aufmerksam.