# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S123 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die äußerliche Gemeinſchaft mit Chriſten, ſondern der Glaube des Herzens macht, daß du mit Chriſto und allen ſeinen Heiligen Gemeinſchaft haſt. Denn das Schiff Chriſti oder ſeine Kirche iſt nicht ein äußerlich Weſen, an gewiſſe Perſonen, Ort, Stätte oder äußere Verfaſſung gebunden, ſondern ſieiſt ein geiſtliches, ewiges Weſen, wie der HErr ſagt: „Das Reich Gottes iſt inwendig in euch.“ „Daraus, daß die Kirche einem Schiff verglichen wird, folgt nicht, daß die Gläubigen alle auf einem Haufen beieinander ſein müßten, wie die Leute im Schiff; ſondern der eine iſt hier, der andere da. Ort, Zeit und äußerlich Regiment bindet ſie nicht zuſammen, ſondern der Glaube. Sie mögen noch ſo fern von einander, ſich von Angeſicht ganz unbekannt, auch in äußerlichen Gebräuchen verſchieden ſein; dennoch, wenn ſie denſelben Glauben haben, und ſich mit wahrer Zuverſicht an das gemeinſame Oberhaupt, den HErrn IEſum Chriſtum, halten, ſo ſind ſie eins, und vor Gottes Augen, der ſie alle ſieht und kennt, nur eine Gemeinde, das Schifflein Chriſti, auf welchem er ſelbſt mit iſt, und welches nicht untergehn kann bis an das Ende der Welt. Und weil ſie nur eine Gemeinde ſind, ſo haben ſie auch alle gleiche Erfahrungen, gleiche Begeg⸗ niſſe. Wie es dem Schifflein Chriſti dort auf dem Meere erging, ſo geht's noch immer ſeiner Kirche auf Erden. Wie dort das Ungeſtüm los ging, ſo bald Chriſtus mit ſeinen Jüngern ins Schiff trat; ſo erhebt ſich die Welt wider Chri— ſtum, ſein Wort und ſeine Jünger, wie der zweite HPſalm ſpricht: „Warum toben die Heiden und die Leute reden ſo vergeblich. Die Könige im Lande lehnen ſich auf, und die Herren rathſchla⸗ gen mit einander wider den HErrn und ſeinen Geſalbten.“ Wenn die Welt Chriſtum und ſein Wort leiden könnte, warum nahmen ihn denn die Juden nicht an, da er ihnen in eigner Perſon predigte, Wunder und Zeichen that? Warum haßten ſie ihn, warum verfolgten und tödteten ſie ihn? Hatte er ihnen doch lauter Gutes gethan, und ſie aufs allerfreundlichſte zum Reiche Gottes eingeladen. Warum verfolgten ſie denn die Jün⸗ ger und Apoſtel des HErrn, die ihnen das theure Evangelium Chriſti, Erlöſung von Sünde und Tod verkündigten? Es iſt dies ein thatſächlicher Beweis, daß die Welt mit Haß und Zorn gegen Chriſtum, ſein Wort und ſeine Jünger erfüllt iſt. Nicht blos die Juden, ſondern auch die Heiden haben die Kirche Chriſti bedrängt und verfolgt; 300 Jahre bis auf den erſten chriſtlichen Kaiſer Conſtantinus währte die blutige Verfolgung der Chriſten, da man ſie wie Schlachtſchafe täglich zur Würgebank führte. Und als das Heidenthum endlich geſtürzt worden war, und das Chriſten⸗ thum allenthalben den Sieg davon getragen hatte, ſo taten ſelbſt die, die ſich des Namens der Kirche rühmten, als Verfolger derſelben auf. Alle, die den gottloſen Greueln des römiſchen Pabſtthums viderſprachen, wurden nun der Gegenſtand grau⸗ ſamer und blutiger Verfolgung, wie unter andern die Geſchichte der Waldenſer und Huſſiten beweiſ't, die in einer faſt ununterbrochenen Reihe von Grauſamkeiten und Schandthaten beſteht, welche 123 die Tyrannei der römiſchen Kirche an ihnen ver⸗ übte. Als aber durch das theure Werkzeug Dr. Martin Luther das helle Licht des Evangeliums wieder angezündet, und das antichriſtiſche Pabſt⸗ thum nun erſt recht offenbar geworden war; was für ein Ungeſtüm brach da gegen Chriſtum und ſeine Kirche von Seiten des Pabſtes und ſeiner Rotte los! Daß damals die rechten Gläubigen wohl ſagen konnten: „Wo der HErr nicht bei uns wäre, wenn die Menſchen ſich wider uns ſetzen, ſo verſchlüngen ſie uns lebendig, wenn ihr Zorn über uns ergrimmet: ſo erſäuften uns Waſſer, Ströme gingen über unſere Seele. Es gingen Waſſer allzuhoch über unſre Seele.“ Und ſehen wir die gegenwärtige Beſchaffenheit der Kirche an: iſt ſie nicht die Elende und Troſt⸗ loſe, über die alle Wetter gehn? Zwar iſts nicht mehr der Pabſt, der ſo grimmig wüthen kann; aber aus der durch Luthern gereinigten Kirche ſind ſelbſt ſo viele Rotten hervorgegangen, und nun ſo ſtark und mächtig geworden, daß ſie das kleine Häuflein derer, die noch am reinen Wort und Glauben unverrückt feſthalten, zu verſchlingen drohen; ſo daß es faſt vor Menſchen Augen un⸗ möglich ausſieht, daß das kleine Schifflein Chriſti gegen die von allen Seiten hereinbrechenden Flu⸗ then der Rotten und Secten erhalten werden könne. Aber, was wundern wir uns, wenn es ſo geht, oder warum wollten wir uns dies einen Anſtoß des Glaubens ſein laſſen? Hinter dem Toben und Wüthen der Welt verſteckt ſich der Zorn des Satans, welcher Chriſto und ſeiner Kirche nach⸗ geſtellt hat vom Anfang an; und doch iſt ſie im⸗ mer wunderbar erhalten worden. So wird ſie auch wohl bleiben bis an den jüngſten Tag. „Gott iſt bei ihr drinnen, darum wird ſie wohl bleiben.“ Wir ſollen nicht den Glauben ſinken laſſen, wie die Jünger auf dem Meer: HErr, wir verderben, wir verderben! ſondern den Teufel und die Welt getroſt verachten mit allem ihren Zorn. Stellt ſich auch Chriſtus, als ſchliefe er, als küm⸗ mere er ſich nichts darum, daß ſeine Kirche in ſolcher Gefahr und Noth ſchwebt; verſtattet er auch dem Satan und ſeinen Rotten, ſeine Kirche mit großer Gewalt anzugreifen: er will dadurch nur ſeine Macht und Kraft deſto herrlicher be⸗ weiſen. Er läßt ſeine Feinde emporkommen und mächtig werden, auf daß er an ihnen ſeine Macht deſto herrlicher erzeige. Wenn er ſchweigt, ſo mei⸗ nen ſie gewonnen zu haben, und erheben ſich mit großem Stolz und Frevel. Dies währet aber nicht länger, als bis er, der Löwe aus dem Stamm Juda, erwacht, und ſeine göttliche Gewalt und Kraft wieder ſehen und merken läßt; da müſſen ſie denn mit Schanden untergehn, die zuvor ſich trotzig wider ihn erhoben. Und ob wir dies nicht eher ſehen ſollten, weil das Ende aller Dinge nahe gekommen iſt, ſo werden wir es ſehen an dem großen Tage, da Chriſtus erſcheinen wird in ſei⸗ ner Herrlichkeit ſammt den Engeln ſeiner Kraft. Indeß laſſet uns flehen und beten, daß wir bei dem kleinen Häuflein erhalten werden, bei welchem Chriſtus iſt, und den Troſt feſibehalten, daß wir einen allmächtigen HErrn und Heiland haben, der ſtärker iſt, denn alle ſeine Feinde, der uns aushilft aus allem Streit und Kampf zur ewigen Ruhe. Es befremdet den Schiffer nicht, daß er mit Sturm und Wogen kämpfen muß, ſo lange er noch auf dem Meere iſt; aber er ſieht nicht auf das Gegenwärtige, ſondern ſein Blick und ſeine Hoffnung geht weiter nach dem ſichern Hafen, wo er nach ausgeſtandner Noth und Gefahr die er⸗ ſehnte Ruhe genießt. So laſſet auch uns das Herz und die Gedanken richten nach dem Hafen der ewigen Seligkeit, an welchem unſer Schifflein endlich landen ſoll. Denn wir haben die ſtarke und gewiſſe Verheißung Gottes, es ſoll nicht un⸗ tergehen, ſo wir nur im Schiff bleiben, d. i. Chri⸗ ſtum bei uns behalten durch einen wahren beſtän⸗ digen Glauben. Iſt die Freude der über See Fahrenden ſo groß, wenn ſie, das lang erſehnte Land erblicken, wenn ſie, aus dem Kerker des Schiffs erlöſ't, den befreiten Fuß ans Land ſetzen: o wie unausſprechlich wird die Freude ſein, wenn die gefahrvolle Schifffahrt über das Meer dieſer Welt vollendet iſt; wenn wir angelangt ſind in der ewigen Heimath, im Lande der wahren Frei⸗ heit; wenn Alles, was uns Angſt, Zagen und Schrecken machte, hinter uns, und eine ewig goldne Zukunft vor uns liegt — Ach dahin bringe uns Alle, o IEſu! Amen. —* (Eingeſandt.) Der Märtyrer Heinrich von Zütphen. Nach Luther. (Schluß.) Die Nacht brach an; als man Ave Maria läutete, verſammelten ſich die Bauern in allen Dörfern und zogen nach Hemmingſtet, wo an fünf⸗ hundert zuſammenkamen. Als ihnen nun eröffnet wurde, in welcher Abſicht man ſie gerufen habe, wollte der gemeine Mann ſich zurückziehen und ſolche böſe That nicht begehen. Allein die Haupt⸗ leute geboten ihnen, bei Leib und Leben, zu bleiben und gaben ihnen auch drei Tonnen Hamburger Bier zu ſaufen, damit ſie deſto muthiger würden. Es war zwölf Uhr Mitternacht, als ſie mit ge⸗ wappneter Hand nach Meldorf kamen. Die Ja⸗ kobiter oder Predigermönche gaben ihnen Licht und Fackeln, damit ſie ſehen könnten und der gute Heinricus ihnen nicht entliefe; ein Verräther, Namens Hennings Hans, zeigte den Weg. Mit Gewalt brachen ſie in das Pfarrhaus ein, und, wie die vollen unſinnigen Leute pflegen, zer⸗ ſchlugen ſie alles, was da war, Kannen, Keſſel, Kleider und Becher; was ſie aber an Gold und Silber fanden, das nahmen ſie mit. Darauf mißhandelten ſie den Pfarrer, hieben, ſtachen und ſchrieen: ſchlag todt! ſchlag todt! Einige ſtießen ihn nackend auf die Straße in den Koth und wollten ihn mit ſich führen. Die Anderen ſchrieen, man ſollte ihn gehen laſſen, denn man hätte keinen Befehl, ihn gefangen zu nehmen. Als ſie nun an dem Pfarrer ihren Muthwillen geübt hatten, fielen ſie über den guten Bruder Heinricus her, riſſen ihn aus dem Bette, ſchlugen und ſtachen ihn und banden ſeine Hände ſehr feſt auf dem Rücken zuſammen. Darauf zerrten und ſtießen ſie ihn ſo lange, daß ſelbſt Peter Nannen, „