# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S332 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 332 Ein brüderlicher Gruß aus Deutschland von Fr. Brunn. schen zu vergeben ein Recht haben; darum verflucht sei und bleibe alle falsche Liebe, die um Menschengunst willen oder Menschen zu Liebe wollte die Wahrheit verdecken und verleugnen. Nein, ich preise Gott über Euch, geliebte Brüder, daß Er bis hierhin gegenüber der allgemeinen Verwirrung, die fast in allen Landen auch unter Lutheranern herrscht, Euch die Gnade gegeben hat, in Eurer ganzen Synode rein, treu und einig im Bekenntniß der lutherischen Kirche zu stehen; das ist das größte Kleinod, das Euch vor Allen Andern in heutiger Zeit verliehen ist: während die Kirche allenthalben fast nur das Bild trauriger Verwirrung, Spaltung und Uneinigkeit darbietet, so steht Eure Synode da unverworren und ungetheilt in rechter Einigkeit des Glaubens. Darum haltet, was Ihr habt, daß Euch niemand Eure Krone raube. Schon genugsam könnt Ihr aus dem bisherigen erkennen, daß ich auch nicht die Vorwürfe theile, die man häufig gegen Eure kirchliche Gemeindeverfassung macht. Es ist zwar unstreitig wahr und leicht denkbar, daß grade in Amerika ein demokratischer Geist auch der Kirche sehr mit einer Pöbelherrschaft drohen mag, gegen die man wohl gerüstet sein muß. Aber auf der andern Seite steht mir das fest, theils daß man nie um irgend eines Mißbrauchs willen die Wahrheit selbst unter dem Scheffel stellen darf, also die Lehre vom geistlichen Priesterthum aller Gläubigen etwa in Amerika nicht in ihrer vollen Tragweite lehren, damit sie der Pöbel nur ja nicht mißbrauche; theils aber bin ich überzeugt, daß grade der Freiheitsgeist, der etwa auch in Christengemeinden sich noch findet, nicht bezwungen, sondern vielmehr gereizt und provocirt wird durch hierarchisches Tyrannisiren der Gemeinden, dagegen am leichtesten wird er in die rechten Bahnen geleitet und vor Auswüchsen bewahrt, wenn wir den Gemeinden die Rechte und Freiheiten geben, die ihnen nach Gottes Wort zukommen, mit desto vollerem Gewicht der Wahrheit können wir ihnen dann entgegentreten, wo sie diese Grenze überschreiten. Und wer aus der Wahrheit ist, der wird dann um so gewisser sich beugen vor der Wahrheit Stimme. Auch hier in Deutschland erfahren wir es in unsern von der Union separirten freien lutherischen Gemeinden, daß alle nicht auf göttlichem Grunde ruhende, also blos scheinbar angemaßte kirchliche Herrschaft ein gar klägliches Ende nimmt und nur zum Spotte wird, so bald es die Probe gilt oder zum Conflicte zwischen den vermeintlichen Herren und Unterthanen kommt, während die Gemeinden nirgends leichter uns vertrauen und folgen, als wenn ihnen erst gründlich alles Mißtrauen vor falscher Priester- und Pfaffenherrschaft genommen ist. Ja, dieses Mißtrauen spukt wie ein Gespenst aller Orten, wo ihm nicht gründlich mit reiner und voller Belehrung über die Rechte des geistlichen Priesterthums aller Gläubigen entgegengetreten wird; dieses Mißtrauen vor Pfaffenherrschaft ist es, was besonders auf unsren Breslauer Synoden bisher immer allen Verbesserungen der preußisch lutherischen Kirchenverfassung auf die Vorschläge von Pastoren hie im Wege gestanden und es vereitelt hat.