# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S326 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 326 Ein brüderlicher Gruß aus Deutschland von Fr. Brunn. heitssinne erfüllt ist, der erst in einem ehrlichen Lehrkampf möchte mit völligerer Klarheit und Gewißheit, als bisher noch geschehen ist, die rechte reine Lehre erwiesen sehen, ehe es zu Ereignissen auf praktisch kirchlichem Gebiete kommt. Mit solchen Vorsätzen, die Gott wolle gelingen lassen, ist man von der Berliner Conferenz geschieden und so steht der Stand der Dinge noch bis heute. So erfreulich aber und gewiß auch heilsam und fruchtbringend das ehrliche und ernstgemeinte Streiten um die Reinheit der Lehre ist und immer mehr sich erweisen wird, so tief betrübend und jammervoll sind die Verwirrungen und Spaltungen, die durch diese Streitigkeiten leider bis hierhin schon in vielen preußisch lutherischen Gemeinden entstanden sind. — Unsre lutherischen Gemeinden in Nassau sind zunächst gar nicht in diese Streitigkeiten über die Breslauer Synodalverfassung verwickelt, da wir bei unserem Austritt aus der Union im Jahr 1846 zwar der preußisch lutherischen Kirche uns anschlossen, aber die Verfassung derselben nicht annahmen, sondern unsre kirchliche Freiheit in dieser Beziehung uns vorbehielten. Ich sehe hierin den Finger Gottes, der uns schon damals von falschen Wegen abhielt, um uns vor der unmittelbaren Verwicklung in die jetzt ausgebrochenen kirchlichen Conflicte zu bewahren und uns auch in den sie berührenden Fragen die Erkenntniß der Wahrheit zu erleichtern. Ich glaube und bekenne nun mit Euch, geliebte Brüder, daß in der Lehre von der Kirche vor Allem als der Grund- und Eckstein der rechten Lehre muß festgehalten werden, daß die Kirche ihrem Wesen nach nichts anderes ist als der Leib Christi. Das ist mir aber ohne allen Zweifel gewiß, daß „ein Glied des Leibes Christi“ sein nichts anderes heißt, als dem Herrn Christo angehören, ein Kind Gottes sein, selig werden, und das Alles werden und sind wir allein durch den Glauben. Ein so gar grober und unbegreiflicher Widerspruch hiergegen ist mir darum die Behauptung, nur die lutherische Kirche sei ausschließlich „Kirche“ oder gar „Leib Christi“; das hieße ja wahrlich nichts anderes, als die lutherische Kirche für die allein seligmachende erklären und folglich die Seligkeit nicht allein an den Glauben, sondern an die sichtbare lutherische Kirche binden. Das sei ferne. So völlig klar und kindlich einfältig scheint mir in dieser Beziehung schon Luthers kleiner Katechismus die Wahrheit zu bekennen, indem er lehrt: die christliche Kirche sei „die ganze Christenheit auf Erden, die .... bei Jesu Christo erhalten werde im rechten einigen Glauben.“ Damit sind doch fürwahr alle wahren Christen gemeint, die es auf Erden gibt, und zwar gewiß nicht in dem Sinn, als wenn es nur in der lutherischen Kirche wahre Christen gebe, sondern ohne Zweifel will der Katechismus sagen, daß es allenthalben in allen Confessionen oder Königreichen, Städten und Inseln, wie es in der Apologie so oft heißt, noch etliche gebe, die im rechten einigen Glauben stehen, gleichwie der Schächer am Kreuz gewiß und unfehlbar zu dieser Christenheit gehört und im rechten einigen Glauben gestanden, auch das rechte Evangelium gleich uns Lutheranern gehabt und gehört hat, obwohl es nicht alle Lehren des Evangelium in ihrem ganzen Umfange waren, die er wußte,