# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_November 1862_S322 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 322 Ein brüderlicher Gruß aus Deutschland von Fr. Brunn. Deutschland für die kirchl. Zwecke Eurer Synode getrieben hat, eben dasselbe treibt mich auch jetzt zu diesem brüderlichen Gruße an Euch, um aus freudigem glaubensgewissen Herzen mit Euch die Wahrheit Gottes, durch die wir erlöst und frei gemacht sind, zu bekennen und in diesem Bekenntniß zu einem unauflöslichen und ewigen Bunde der Gemeinschaft in dem HErrn mit Euch zusammen zu treten. Es würde zu weit führen, wollte ich Euch alle die Wege erzählen, auf denen mich der HErr zu einerlei Glauben und Erkenntniß der Wahrheit mit Euch geführt hat; ich bekenne nur, daß auch ich wie Viele, vielleicht die Meisten in heutiger Zeit, früher gefangen und verstrickt war in mancherlei Unklarheit, schiefen verkehrten Zeitmeinungen und Unkenntniß der reinen Lehre der luth. Kirche. Von Stufe zu Stufe half mir der HErr heraus aus einer Verwirrung nach der andern; er half mir aus der kirchl. Union, in der ich früher stand; er half mir auch aus der Löhe'schen Richtung, der ich mich mit ganzer Seele hingegeben hatte; er half mir aus all den andern Ueberbleibseln früherer pietistischen und subjectiven Meinungen und Ansichten, wie sie auch Lutheranern heut zu Tag noch so lang und oft anhängen. Mittel dazu ist mir dasselbe gewesen, was auch Euren Lehrern und Vorgängern das Mittel gewesen ist, aus allen falschen Zeitmeinungen heraus und in die alte lautre luth. Lehre hinein zu kommen, nehmlich das treue und kindlich einfältige sich Hinsetzen und Lernen zu den Füßen des großen Lehrers und Reformators der Christenheit, Luthers, und neben ihm, der alten Zeugen und Lehrer der Kirche. Das Werkzeug aber, mit der Lehre Luthers und der alten luth. Kirchenlehre mich näher bekannt zu machen, ist Euer theurer Prof. Walther in St. Louis gewesen und sein treffliches Buch „die Stimme unserer Kirche in der Frage von Kirche und Amt.“ Es sind namentlich diese Lehren von Kirche und Predigtamt, die in heutiger Zeit zum Gegenstand kirchl. und theol. Streites geworden sind und an welchen vorzugsweise die mancherlei verschiedenen Geistesrichtungen offenbar werden, die die Kirche erfüllen. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Kirche recht zu fassen und in das richtige Verhältniß zu einander zu stellen, das ist zunächst der Grund und Wurzelpunkt der ganzen Streitfrage, worin sich die Wege theilen, die man geht, je nach dem Geist, der die Seele treibt. — In Gegensatz gegen die pietistische Subjectivität und Verwerfung aller sichtbaren Ordnungen der Kirche, die in frühern Decennien das allgemein herrschende war, scheint mir die Richtung sich gebildet zu haben, die die Sichtbarkeit der Kirche überschätzt und geneigt ist, die sichtbare luth. Kirche gradehin und ausschließlich als „die Kirche“ zu bezeichnen und ihr allein alle die Prädikate beizulegen, die die h. Schrift von der Kirche als dem Leibe Christi aussagt. Das bezeugt mir wenigstens meine eigne Erfahrung, so lang ich selbst noch mit Löhe und Anderen in dieser falschen Richtung ging, daß mich nur der Gegensatz gegen frühere pietistische Unkenntniß der wahren sichtbaren Kirche mit nachheriger besonderer Vorliebe für dieselbe erfüllte und mich zu einseitiger Ueberschätzung ihres Begriffs und Werthes trieben. Ganz consequent folgt