# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1862_S319 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 319 alterthümlichen Formen des 16. und 17. Jahrhunderts möchte die lutherische Kirche in Amerika leicht die Insel Felsenburg bleiben.“ Chiliasmus. Dr. v. Hofmann schreibt in der Erlanger Zeitschrift vom Juli: „Zu den erfreulichsten Beweisen, daß ein richtiges Verständniß der auf den Ausgang des gegenwärtigen Weltlaufs zielenden Schriftweissagung immer mehr Raum gewinnt, zählt die Thatsache, daß Dr. Kliefoth in seinem jüngst erschienenen Buche über den Propheten Sacharja, ohne sich durch den antichiliastischen Zorneifer unserer Tage irren zu lassen, S. 30 ff. die für chiliastisch geltende Hoffnung, Gott werde das jüdische Volk dereinst aus seiner Zerstreuung wieder sammeln, in sein Land zurückbringen und eben dadurch zu seiner Bekehrung führen, als Lehre der h. Schrift anerkennt.“ Nachdem v. Hofmann im Folgenden bemerkt hat, daß Kliefoth nichts destoweniger gegen seine (v. Hofmann's) eschatologische Theorie polemisire, bezeugt er, daß er (v. H.) „über Israels geistige Bekehrung genau dasselbe als Schriftlehre aufgezeigt habe, was Dr. Kliefoth dafür erkennt!“ „Uebrigens,“ setzt er hinzu, „wird es Dr. Kliefoth bei demjenigen Maße chiliastischer Gedanken, auf welches er sich beschränken möchte, nicht wohl belassen können. Schon eine wiederholte Erwähnung der Stelle Sach. 14, 16—19. wird ihn darüber hinaus und in den rechten Chiliasmus hinein führen.“ Gewiß ganz wahr! Wer dem Chiliasmus den Finger reicht, den ergreift derselbe bald bei seiner ganzen Hand. Berlin, 18. Juni. Aus Westfalen ist an das Abgeordnetenhaus eine Petition, betreffend die Einführung nicht confessioneller Volksschulen, abgegangen: „Hohes Haus der Abgeordneten! Die Unterzeichneten stellen ehrerbietigst den Antrag, das hohe Haus wolle bei der Berathung des Unterrichtsgesetzes folgenden Satz zur Geltung bringen: Die Volksschule soll ein von allen kirchlichen Lehrbegriffen unabhängiges Institut sein, in welchem jeder Schüler die ihm als Menschen und künftigen Staatsbürger unentbehrliche intellectuelle, religiöse und moralische Bildung erhalten kann.“ Predigtcensuren. In Bayern besteht gegenwärtig die Einrichtung, daß in der ganzen Landeskirche von sämmtlichen Predigern mit Ausnahme derer, welche das fünfzigste Lebensjahr überschritten, Probepredigten auf einen bestimmten Tag zuvörderst bei den Dekanaten eingereicht werden. Die Dekanate und neben diesen die Seniorate haben diese Predigten zu lesen, Gutachten über dieselben abzufassen und dann beides, Predigten und Gutachten, an das betreffende Consistorium einzureichen. Das Consistorium hat dann sämmtliche Arbeiten aus sämmtlichen Dekanaten von neuem zu begutachten, die Urtheile der Dekanate und Seniorate zu vergleichen, zu bestätigen, zu verwerfen, zu berichtigen und, nachdem dies geschehen, wird sie endlich vom Oberconsistorium in München sammt dem Ergebniß der consistorialen Arbeit noch einmal in Angriff genommen. Die Zahl der im Jahre 1860 durch das Consistorium in Bayreuth eingereichten Predigten ist 204, von denen nur Eine die Note II*, 28 die Note II, 32 die Note III*, 68 die Note III, 33 die Note IV*, 35 die Note IV und 5 die Note V erhalten haben. In dem betreffenden Generale des Oberconsistoriums vom 20. März d. J. spricht dasselbe, wie die Allgem. Kz. berichtet, seine Befriedigung aus, daß die vorliegenden Arbeiten im Ganzen ein vortheilhaftes Zeugniß für die homiletischen Leistungen der Prediger ablegten, und daß aus der Einsicht derselben ein erfreulicher, wohlthuender Gesammteindruck gewonnen worden sei. Wenn man bedenkt, daß ein v. Harleß an der Spitze dieses Oberconsistoriums steht, so ist es immerhin erfreulich, ein solches Urtheil über die Predigten der bayrischen Prediger zu vernehmen. Böhmen. Hier regt sich zwar wieder ein gewisses religiöses Leben unter den Antirömischen, jedoch getragen von der Idee selbständiger Nationalität, die dermalen auch in Böhmen fast bis zur Manie geworden ist. In Prag erscheint seit Beginn dieses Jahres eine Zeitschrift unter dem Titel: „Hus, evangelische und nationale Blätter,“ welche sich die Verbindung einer Art Protestantismus und specifisch czechischer Tendenzen zur Aufgabe gestellt hat. Es sollen hiernach, wenn auch nicht die Hussiten, doch wenigstens die böhmischen Brüder von neuem zum Leben gebracht werden. In jenem Blatte heißt es in der ersten Nummer u. A.: „Würden wir nichts oder gar wenig thun, woraus man urtheilen