# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1862_S316 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 316 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. Ueber die Iowa⸗Synode spricht sich ein Correspondent des Lutheran Observer, Americus unterzeichnet, vom 5. September u. A. folgendermaßen aus: „Diese Brüder haben keine Gemeinschaft mit irgend einem anderen Theil der luth. Kirche in diesem Lande. Selbst die Missouri-Synode ist für sie zu antisymbolisch und zu liberal. Manchen unserer americanisch-lutherischen Brüder dürste es zur Ergötzung dienen, zu erfahren, daß die Löheiten auch Millenarier sind und diese Lehre in der Augsburgischen Confession zu finden versichern. Hierin unterscheiden sie sich von den Missouriern.“ So mischt unser Americus, wie die Americaner gewöhnlich, wenn sie über deutsche Synoden berichten, Wahres und Falsches unter einander. Synergismus. So lesen wir im Lutheran Observer vom 5. September in einem Artikel, „Freie Wahl“ überschrieben: „Wenn ein Mensch ein Christ wird, handelt er als ein freier Mann; und was immer für eine Gewalt über ihn ausgeübt worden ist, seine Freiheit ist nicht verletzt worden, noch hat er etwas gethan, was ihm nicht eine Sache des Vorzugs oder der Wahl gewesen wäre. Der belehrte Sünder erkennt die Kraft Gottes in seiner Umwandlung an. Er ist sich bewußt, daß er geworden ist, was er ist, durch den Einfluß von oben. Es war eine gewisse geheimnißvolle Kraft, welche seine Aufmerksamkeit fesselte, welche sein Gewissen aufweckte, welche ihn veranlaßte, sein Herz Gott zu geben. Aber er ist sich keiner Verletzung seiner Freiheit“ (welcher denn vor seiner Bekehrung ?) „bewußt gewesen. Er wurde bekehrt in voller Ausübung seiner Fähigkeiten“ (welcher denn vor seiner Bekehrung ?) „und mit dem vollen Bewußtsein, als ein freier Mann zu handeln. Es gibt keinen Act, den ein Mensch je freier vollzieht, als den, daß er ein Christ wird.“ II. Ausland. Wie man in Deutschland über Amerika urtheilt. Folgendes lesen wir in Münkels Neuem Zeitblatt vom 20. Juni: „Die Bedürftigkeit Amerikas beschreibt der Meklenburgische Gotteskasten in seinem Berichte mit den Worten: „„Nordamerika, dieses Land der civilisierten Barbarei, das sich selbst überlassen nothwendig in völlige Verwilderung verfallen muß, kann jetzt vielleicht noch durch Gründung und Befestigung kirchlicher Ordnungen für die christliche Cultur gerettet werden. Aber nur von der Kirche aus scheint uns solche Rettung möglich; denn jedes andere Gebiet des Lebens ist dort, wie uns scheinen will, von unheilbarer Fäulniß angefressen.“““ Andre sagen, daß die Sache so schlimm nicht ist, und daß die Amerikaner sich eigentlich nur in den renommistischen Flegeljahren befinden. Doch dem sei, wie ihm wolle, Noth ist dort jedenfalls. Die geringe Zahl der Prediger reicht kaum hin, um nur die schon bestehenden Gemeinden in Bau und Besserung zu erhalten. Hier wäre also ein dankbares Kirchenfeld, das obendrein lange nicht die Kosten macht, wie das Missionsfeld unter den Heiden. Müssen die Missionsplätze unter den Heiden fortwährend mit großen Kosten unterhalten werden, so hat jeder Prediger sofort in Amerika seine Gemeinde ohne viel Suchen und Sammeln, und mit der Gemeinde findet er seinen Unterhalt.“ „Hätte man Amerika nicht so sehr vernachlässigt, als es seit einer Reihe von Jahren geschehen ist, wie viele Hunderte, nicht bloß von Seelen, sondern von Gemeinden würden dort zur Kirche jetzt gesammelt sein!“ „In alle dem ist viel Wahrheit, obgleich hinzugesetzt werden muß, daß die Schuld des Versäumnisses durchaus nicht bloß diesseits des Meeres gesucht werden muß.“ In der nächstfolgenden Nummer desselben Blattes finden wir einige Auszüge aus der Schrift des Licentiaten Mellin in Berlin: „Die deutsch⸗evang. Kirche in Nordamerika aus eigener Anschauung dargestellt,“ nebst einigen Beibemerkungen Dr. Münkels. Wir theilen von beiden Folgendes mit: „Die Schrift (Mellin's) hat es vorzüglich mit dem „„Kirchenverein des Westens““ zu thun und würde bei der Unbedeutendheit dieses Vereins unsre Aufmerksamkeit weniger fesseln, wenn sie nicht nebenbei den Blick über die große Masse der Deutschen streifen ließe. Die ursprüngliche deutsche Bevölkerung, welche sich zu der lutherischen Kirche hält, beträgt darnach ungefähr 1,100,000, während der reformirten Kirche 360,000 angehören, so daß man fast 1½ Millionen auf beide Kirchen rechnen könnte. Die lutherische Kirche über⸗