# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1862_S315 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 315 elend verhungern muß. Ich freue mich, daß Zoeller das gehörig gewürdigt hat, wünschte nur, daß er in Beziehung auf die preußische Landeskirche den Unterschied zwischen Gemeinden gemacht hätte, in denen die lutherische Lehre beseitigt und in denen sie getrübt oder bedroht ist. Das kann man anerkennen, ohne die Union anzuerkennen. Das muß man anerkennen, wenn man nicht überall zu Spaltungen drängen, und in der Praxis den obigen Irrthum pflegen will. Der Irrthum wird, wie der Verfasser zeigt, noch schlimmer, wenn man die ganze Gemeinde der Berufenen, oder die s. g. sichtbare Kirche zur wesentlichen eigentlichen Kirche macht. Dann kommt alles ins Wesen der Kirche hinein, was zu ihrer zeitlichen, menschlichen und wandelbaren Verfassung gehört, oder, was auf dasselbe hinausläuft, es wird auf ein göttliches Recht gegründet. Von da aus behandelt der Verfasser Kirchenregiment und Kirchenordnung, dem ich mich nur anschließen kann, doch mit einem Vorbehalte. Das Bannrecht ist mit gutem Grunde in den Landeskirchen von dem Kirchenregimente abhängig gemacht, nach dem Grundsatze, daß die ganze Kirche, also nicht bloß der Pfarrer, sondern auch die Gemeinde und die Vertretung der Kirche dabei gehört werden soll. Dem Pfarrer ist dabei nicht bloß der Vollzug des Bannes überlassen, denn er wird vom Kirchenregimente mit gehört. Wie es in der Freikirche gehalten werden soll, das richtet sich ganz nach dem Uebereinkommen der Gemeinden. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. Buffaloer Logik. Eine Probe derselben theilt das „Informatorium“ vom 1. Sept. mit. Darin heißt es sogleich Eingangs: „Der missourische Priester führt sein Amt „„von Gemeinschaftswegen““ also in der That „„nicht von Gottes wegen.““ Das ist eine Logik, wie folgende: Der Apostel Paulus sagt zu den Korinthern: „So ich etwas vergebe jemanden, das vergebe ich um euretwillen, an Christi Statt;“ also nicht um Gotteswillen. Oder: Der Apostel Paulus sagt zu Timotheus: „Wo du solches thust, wirst du dich selbst selig machen und die dich hören;“ also nicht Christus. Oder die Pabst⸗Logik: Die Taufe macht selig, also nicht der Glaube allein. Es ist dies der berühmte Elenchus oppositionis, den man schon in den Kinderschulen meiden lehrt. Spiritualismus. Aus dem „Evangelisten“ entnehmen wir die Nachricht, daß kürzlich in New York erschienen ist in englischer Sprache: „Das Neue Testament unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, revidirt und verbessert von den Geistern. Gedruckt von den Eigenthümern.“ Nach dem Titelblatt kommen etwa vier Seiten Erklärungen, dictirt durch Jesum Christum. Gerade in diesen Erklärungen entlarvt sich der Geist, der da dictirt. Nr. 11 lautet: „Ehebruch. Das Wort Ehebruch im Neuen Testamente wird gebraucht für ein griechisches Wort, welches die Verehrung der Götzenbilder bedeutet.“ Gewiß nicht ohne Grund schließt der „Evangelist“ aus dieser Definition, daß das Buch den Anhängern der s. g. Freien Liebe dienen solle, deren Tendenz sei, die ganze Welt zu einem großen Hurenhause zu machen. In ihrem Neuen Testamente hat der Brief an die Römer nur 7 Capitel, die Offenbarung 6, der Brief an die Ebräer ist ganz gestrichen.