# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1862_S314 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 314 Litterarische Intelligenzen. dem, der Beides ist, ein erfahrner Christ und ein Mann der Wissenschaft, ein Kenner des Alterthums, der kann zur Quelle selbst treten und die heiligen Männer Gottes in ihrer eigenen Sprache reden hören! Sollen wir aber nunmehr in der Kürze sagen, was wir unter christlicher Glaubensfreiheit uns denken, so ist uns diese vielmehr eine Knechtschaft, ein schwerer und doch freier, fröhlicher und seliger Dienst; sie ist uns die vollständigste und strengste Gebundenheit an die Schrift, als die einige und alleinige oberste Regel und Richtschnur in allen Dingen, die unser ewiges Heil belangen. Sie ist die Freiheit, dem Gotte unserer frommen Väter nach dem Wege, den die Schrift zeigt, dienen zu können. Ihre Losung heißt von Alters her: Nach dem Gesetz und Zeugniß! Werden sie das nicht sagen, so werden sie die Morgenröthe nicht haben (Jes. 8, 20). Ihr Wesen ist die kindlichste Pietät gegen die Schrift; die tiefste und zarteste Scheu und Ehrerbietung, ja Furcht und Entsetzen vor Gottes Wort (Ps. 119, 120); ein Sichleiten⸗ und Gängeln⸗Lassen von diesem hohen Führer; ein unablässiges Eifern für die Schriftlehre in Abwehr und Angriff wider alle die zahllosen Feinde, die uns aus dieser Festung zu werfen trachten; ein fortwährendes Ausscheiden und Abwerfen dessen, was nicht schriftgemäß ist, und das Alles — auf Grund anhaltenden, treuen und ernsten Lesens und Suchens in diesem Buche der Bücher. Sich gänzlich an die Schrift dahin geben und von ihr binden lassen, das ist wahre Glaubensfreiheit, und indem uns dieses Gottesbuch an sich kettet, macht es uns frei (Joh. 8, 32). Im Selbstverlage des Verfassers erschien vor kurzem: Seid nüchtern und wachet! Oder: was lehren unsere Bekenntnißschriften von Kirche, Kirchenregiment und Kirchenordnung. Seinen Gemeinden zur Belehrung und Warnung vor falscher Lehre dargereicht von A. Zöller, Superintendent und Pastor der luth. Kirche in Wollin. 8. S. 46. — In einer Anzeige dieses Schriftchens bemerkt Dr. Münkel: Eine gemeinfaßliche Schrift, veranlaßt dadurch, daß der Same des Kirchenstreites (unter den preuß. Lutheranern) von außen in die Gemeinde getragen ist. In der grundlegenden Lehre von der Kirche bekämpft er einen Hauptirrthum, welcher leider wie der Krebs in der separirten Kirche um sich gefressen hat und frißt, und auch da, wo er den Worten nach aufgegeben ist, der Sache nach mit seinen bösen Säften fortarbeitet und den pharisäischen Kirchenstolz erzeugt. Das ist der Irrthum, daß die recht und rein lehrende lutherische Kirche allein die Kirche ist. Der Irrthum ist der schlimmsten einer, er muß die Kirche unfehlbar zu Grunde richten. Er führt sie entweder rückwärts nach Rom, oder vorwärts in endlose Streitigkeiten und Spaltungen. Sobald irgendwo eine falsche Lehre, wirklich oder angeblich, auftaucht, muß eine Spaltung geschehen, weil sonst die reinlehrende Kirche abhanden gekommen ist; und jeder, der seinen Kopf auf seine Lehre oder sein neues Fündlein gesetzt hat, muß seine besondere Zionsburg in Liliputsformate bauen, von deren Zinnen er selbstvergnügt auf das arme Volk herniedersieht, das Stroh kauen und