# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_October 1862_S313 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 313 Litterarische Intelligenzen. (Fortsetzung der Anzeige des Schriftchens: „Gedanken über die christliche Freiheit.“) Nach andern soll die evangelische Glaubensfreiheit das Recht freier Forschung in der Schrift sein. Es wird sich auch gegen diese Erklärung, so bald der Begriff freier Schriftforschung recht bestimmt wird, nicht viel einwenden lassen. Denn jene köstliche Freiheit bewegt sich in der That innerhalb der Schranken, welche die Schrift gezogen hat. Leider aber trägt man nicht selten diesen großen Grundsatz freien Forschens in der Schrift nur zur Schau und die Schriftforschung derer, die ihn am meisten im Munde führen, ist nichts desto weniger oft die aller unfreieste. Unter dem bestechenden Titel Voraussetzungsloser Schrifterklärung sucht man sich der Schrift, indem man sie scheinbar in ihrer Geltung beläßt, auf dem Wege der Auslegung zu entledigen. Im Schatten einer freisinnigen Exegese, unter dem Geschrei: Nicht der Buchstabe, der Geist thuts! Der Buchstabe tödtet, der Geist macht lebendig! wird die Schrift aller Orten gebunden und beseitigt. Was die Worte selbst geben, erscheint als geistlos. Man ruft bald die Accommodation, bald die Allegorie, bald die Critik, bald die Naturwissenschaften u. A. m. zu Hülfe, um sich der allerdings für den natürlichen Menschen lästigen Fesseln zu erwehren, in welchen eine nüchterne und einfältige Deutung des Schrifttextes den eignen Gedanken schlägt (1. Cor. 2, 14. 15). Es ist aber nicht an dem, daß der Geist der Schrift so zu sagen über dem Buchstaben schwebe. Es ist nicht der Divinationsgabe der Leser überlassen, zu bestimmen, was das Schriftwort sagt und was nicht, und es kann nicht jeder die heiligen Propheten sagen lassen, was ihm zusagt. Die Schrift ist, Gott sei Dank! so geschrieben, daß sie, was die Hauptsachen anlangt, keiner künstlichen Hebel, keiner authentischen Auslegungen der Menschen, keines Instanzenzugs von Auctoritäten, Glaubensrichtern und Glaubensgerichten, keiner Glossatoren bedarf, um den wahren Sinn der Worte zu treffen. Sie ist ein Buch, das ganz auf eigenen Füßen steht, das den Schwerpunkt der Erklärung in sich selbst hat und sich selbst zur Genüge aus⸗ auslegt. Des Klaren in ihr ist so viel, daß ein demüthiger einfältiger Sinn nicht in Zweifel darüber sein kann, was sie lehrt und was nicht; mindestens in allen den Punkten, die, ohne an der Seligkeit Schaden zu leiden, zu wissen nöthig sind. Sie ist nicht blos ein Buch für die Gelehrten, sondern für alle Welt und ihr Inhalt schließt sich jenen auf demselben Wege auf, wie den Ungelehrten. Gebet, Nachdenken und Anfechtungen führen in diese heiligen Hallen, nicht Gelehrsamkeit, Rhetorik, Alterthumswissenschaft. Namentlich lehrt Anfechtung auf das Wort merken (Jes. 28, 19). Den Mühseligen und Beladenen, den erschrockenen Gewissen, den Blöden und Verzagten thut sich die Thür auf zu ihren Schätzen; den Sichern, Stolzen, Selbstgerechten und Heuchlern bleibt sie ewig fremd. Wohl aber