# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S120 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Die Erklärung iſt ein trauriger Beleg dafür, daß derjenige, mit deſſen Gewiſſen ſich eine falſche Union verträgt, wie ſie in der unirt⸗evangeliſchen Kirche ſtatt findet, nicht auf dem Worte feſt ſteht, ſondern von ſeinen wechſelnden Stimmungen be⸗ herrſcht wird. Wir ſprechen es Hrn. N. keines⸗ wegs ab, daß er, von ſeinem Gewiſſen gedrun⸗ gen, auch ſein Zeugniß gegen den Methodismus widerrufen habe: daß aber ſein Gewiſſen in die⸗ ſem Falle nicht vom Heiligen Geiſte geleitet wurde, ſondern ein irrendes war, geht ſchon daraus her⸗ vor, daß er erklärt, er widerrufe zum Theil“, und es, unbekümmert um die Folgen, den Leſern über⸗ läßt, das Wahre oder Falſche als von ihm zu— rückgenommen anzuſehen. Wir wünſchen dem wohlmeinenden lieben Hrn. R. jenes ihm offenbar noch fehlende „köſtliche Ding“, das allein die Gnade gibt. (Ebr. 13, 9.) Ward ihm das zu Theil, ſo wird er mit den heiligen Propheten und Apoſteln und Chriſto ſelbſt alles, was wider Got⸗ tes Wort ſtreitet, ſchonungslos und ernſt aufdecken und verwerfen und verdammen, ohne ſpäter durch einen voreiligen Widerruf ſich fremder Sünde theilhaftig zu machen. Todes⸗Anzeige. Heute den 21. März ſtarb in freudigem Glau⸗ ben an ihren Heiland Liddy Ottilie Loch⸗ ner, geborne Bünger, Gattin Paſtor F. Loch⸗ ner's auf Ridge Prairie, Ill., in einem Alter von 20 Jahren, 3 Monaten, an den Folgen eines Kindbettfiebers. Sie hinterläßt ihrem tief be⸗ trübten Gatten ein mutterloſes Töchterlein von fünf Wochen. Dies zur Nachricht theilnehmenden Verwandten und Freunden. Der geiſtliche Prieſter. Dieſe Worte, die ich Dir heute gebiete, ſollſt Du zu Herzen nehmen. Und ſollſt ſie Dei⸗ nen Kindern ſchärfen, und davon re⸗ den, wenn Du in Deinem Hauſe ſitzeſt, oder auf dem Wege geheſt, wenn Du Dich niederlegeſt, oder aufſteheſt. (5 Moſ. 6, 6. 7.) Henning Kuſe, ein frommer Schäfer auf der Inſel Rügen, war ein wahrer Biſchof ſei⸗ nes Hauſes. Er hatte früher etwas leſen können, hatte es aber ſo ſehr vergeſſen, daß er nur noch die Buchſtaben wußte. Da kauft er ſich, im 44. Jahre ſeines Lebens, auf dem Jahrmarkt einen Katechismus, fängt zu Hauſe an, das erſte Ge⸗ bot nachzubuchſtabiren, und zwar unter herzli— chem Seufzen zu dem HErrn IEſu, Er möchte Sich doch über ihn erbarmen, ihm ſeine Gleich— gültigkeit vergeben, daß er ſein Leſen vergeſſen, und ihm nun helfen, daß er es zu ſeiner ſeligen Erkenntniß wieder lernen möge. Wie er merkt, daß es geht, fährt er fort, das zweite, dann das dritte Gebot, und ſofort durchzugehen, bis er den Katechismus zu Ende gebracht hat. Da ihm nun der liebe Gott immer mehr Luſt und Begierde gab, ſo kaufte er ſich auch ein Neues Teſtament mit dem Pſalter, ja ſogar eine Canſteiniſche Bi— bel, und lernte ſehr gut, deutlich und verſtändlich leſen. Dabei ließ er es jedoch nicht bewenden, ſondern er brauchte das recht, was ihm der liebe Gott aus großer Barmherzigkeit, wie er zu ſagen pflegte, gegeben hatte. Denn wenn er nun Et⸗ was im Katechismus oder in der Bibel las, ſo machte er daraus lauter Seufzer und kleine Ge⸗ bete. Kuſe ward auf dieſe Weiſe ein ganz an⸗ derer Mann, von Herz, Muth, Sinn und allen Kräften. Sein Heiland gab ihm einen ſolchen Geſchmack an dem Worte Gottes, daß er dasſelbe nie genug hören, nie genug betrachten konnte. Er ſagte einmal zu ſeinem Pfarrer, als er zu ihm auf's Feld kam, was ſeinen Schäflein das Gras, und den Vögeln die Luft, und den Fiſchen das 12⁰0 Waſſer, das ſei ſeiner Seele das Wort Gottes. Er las und betrachtete es bei ſeiner Heerde, be⸗ zeichnete alle Hauptſprüche mit Rothſtein, und hatte viele Kapitel auswendig gelernt, z. B. die Bergpredigt Chriſti Matth. 5. 6. 7., Luc. 15., Joh. 3. 14. 17., Röm. 8., Pſalm 119. und viele andre mehr. Mit ſeinen Kindern hielt er Morgens und Abends, außerdem daß er ſie fleißig zur Schule und Kinderlehre ſchickte, eine Wiederholung des Katechismus. Wenn ihm eins und das andere hüten half, nahm er's, fiel im Felde mit ihm auf die Kniee, und betete im Namen JEſu Chriſti zum himmliſchen Vater, ſang, lobte und preiſ'te den Namen des HErrn. Noch kurz vor ſeinem Abſcheiden nahm er ſein einziges Töchterlein von neun Jahren, das er mit ſich bei den Schaafen hatte, und ſprach zu ihr: „Komm, Du biſt noch ſo dumm, und kennſt den HErrn IEſum noch nicht recht, komm, wir wollen beten, daß Du auch klug werdeſt, und den HErrn IEſum lieb haben mögeſt.“ Er fiel mit ihr hinter dem Buſche auf ſeine Kniee, und bat herzlich ſeinen Heiland, daß Er ſich auch über dieſes Mädchen erbarmen möge, ſie die Sünde, das Verderben, die Verführung kennen lehre ꝛe., was eine ſolche Wirkung bei dem Kinde gehabt, daß, wenn es etwas Böſes geſehen, ihr immer dabei die Augen in Thränen ſchwammen. Der Weyl'ſche Kirchenbote iſt laut ſeiner letzten fünften Nummer überaus glücklich, endlich einmal eine im Lutheraner mit⸗ getheilte Nachricht aufgefunden zu haben, die er als eine Unwahrheit bezeichnen kann. Wir hatten nemlich in der zehnten Nummer des Lutheraner gemeldet, daß nach dem Berichte der chriſt⸗ lichen Zeitſchrift die Pittsburger Synode be⸗ ſchloſſen habe, nicht in die ſogenunnte General⸗ ſynode einverleibt zu werden. Da nun Herr Weyl wiſſen will, daß jene Synode den Anſchluß an die Generalſynode nur „einſtweilen verſchoben“ habe, ſo ſchreibt er, ſchon unſere Ueberſchrift: „Wieder eine Losſagung von der Generalſynode“, enthalte nicht weniger als zwei Unwahrheiten: 1. daß die Pittsburger Synode ſich losgeſagt habe und 2. „als hätten ſich ehedem ſchon Theile dieſer Synode von ihr getrennt“. Hierauf antworten wir: 1. Iſt das ganz wahr, was Herr Weyl berichtet, ſo iſt das allerdings nur halb wahr, was die chriſtliche Zeitſchrift berichtet und wir ſelbiger entnommen hatten; 2. wenn uns aber Herr Weyl als eine zweite Unwahrheit die Behauptung unterſchiebt, daß ſich ſchon Theile von der Generalſynode „getrennt“ haben, ſo wollen wir dies gern einem Mangel an Kenntniß der Sprache zuſchreiben; denn fehlte es Herrn Weyl daran nicht, ſo müßte er wiſſen, daß ein weſentlicher Unterſchied iſt zwiſchen Losſagung und Trennung, und daß die Losſagung von etwas ſtattfinden kann, wenn man ſich dazu vor⸗ her auch nur bekannt hat, ohne damit in äußer⸗ licher Verbindung geſtanden zu haben. Lächerlich iſt übrigens, wenn Hr. W. ſchreibt: „Wird Hr. Walther ſo viel Ehrlichkeit beſitzen und ſeinen Fehler in nächſter Nummer ſeinen Leſern geſtehen, bereuen (), haſſen (11) und laſſen?“ Einem vernünftigen Menſchen kann es, meinen wir, nicht einfallen, einem Zeitungsſchreiber des⸗ wegen eine öffentliche Buße aufzulegen, weil er eine kirchliche Nachricht als wahr aufnahm, die er in einer anderen Zeitſchrift von durchaus gu⸗ tem Rufe fand. Anſtatt daß daher Hr. Weyl jene Worte uns vorhält, hätte er dieſelben lieber ſich ſelbſt vorhalten ſollen, denn noch immer hat der arme Mann nicht „ſo viel Ehrlichkeit“ — gezeigt, das, was ihm bereits im III. Jahrg. des Lutheraner Nr. 5. nachgewieſen worden, „zu ge⸗ ſtehen, zu bereuen, zu haſſen und zu laſſen“. Schließlich erklären wir noch, daß wir uns kei⸗ nesweges der „zu frühen Freude“ ſchämen, die wir über die berichtete neue Losſagung von der! zum reformirten Glauben abgefallenen General⸗ ſynode empfunden und ausgeſprochen haben, denn nach unſerer Erkenntniß iſt die Freude über den Sieg der Wahrheit und über die Losſagung von Irrthum nichts unchriſtliches, ſondern ein Kenn⸗ zeichen der wahren Liebe, da Gottes Wort ſagt: „Sie freuet ſich nicht der Ungerechtigkeit, ſie freuet ſich aber der Wahrheit.“ 1 Cor. 13, 6. Der Tod eine gute Religionsprobe. Als einſt Valerius Herberger, der be⸗ kannte lutheriſche Prediger zu Frauſtadt, zu einem alten Rathsherrn kam, der in der römiſchen Kircht aufgewachſen, aber immer in Herbergers Predig⸗ ten gegangen war, da rief der Rathsherr, der in den letzten Zügen lag, dem Prediger zu: „Ich bin nie recht auf Eurer Seite geweſen, denn ich bin im Pabſithum erzogen; aber jetzt auf meinen Todesbette fühle ichs, daß Euer Evangelium den beſten Troſt gibt.“ Kinder. ö Es iſt kein größerer Schade der Chriſtenheit, denn der Kinder Verſäumniß, darum, ſoll man der Chriſtenheit wieder helfen, ſo muß man für⸗ wahr an den Kindern anheben. Luther an den deutſchen Adel. ‚ Wo dem Teufel ſoll ein Schade geſchehen, der da recht beiße, der muß durchs junge Voll ge⸗ ſchehen, das in Gottes Erkenntniß aufwächſt, und Gottes Wort ausbreitet, und andere lehret. Lu⸗ ther von Schulen. (Eingeſandt.) Dank. Beauftragt von meiner Gemeinde, ſpreche ich hiermit unſeren herzlichen Dank aus für die uns von der deutſchen Ev. Luth. Gemeinde Ungeän⸗ derter Augsb. Confeſſion in St. Louis, Mo., ge⸗ ſchenkten $600.00 (ſechs hundert Dollars), wo⸗ durch wir nun der Schulden auf unſere Kirche größtentheils entledigt ſind, und uns nun der Hoffnung überlaſſen dürfen, daß trotz alles Wü⸗ thens des Satans das Wort des HErrn uns ver⸗ bleiben werde. Gott der Herr, welcher keinen Tropfen Waſſers, der aus einem gläubigen Her⸗ zen gereicht wird, unbelohnt läßt, woile die theu⸗ ren Geber ſegnen für Zeit und Ewigkeit. Johannes Guſtavus Schmidt, Paſtor der 1. Norwegiſchen Ev. Luth. Kircht zu St. Johannis in Chicago, Ill. ö Kircheinweihung. So eben meldet uns Hr. P. A. Schmidt in Cleveland, Ohio, daß am 20. Januar d. J. die neue Zionskirche der deutſchen Ev.⸗Lutheriſchen Gemeinde daſelbſt eingeweiht worden iſt. E rh alten für das luth. Seminar zu Fort Wayne, Ind. $4.80. von der lutheriſchen Gemeinde des Herrn. P. Straſen, Horſe Prairie, Ills. Bezahlt. Den 2. und 3. Jahrg. Hr. P. Braaſch. Den 3. Jahrg. Hr. P. A. Schmidt. Die 2. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. Ant. Meyer. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. Aufdem Brinke, Anton Kerkhof, Kreutel, Dan. Simon. Den 4. Jahrg. Die HH. P. Brohm (14. Ex.), J. S. Bußmann, I'. Ernſt (9 Ex.), Andr. Fiſcher, Körner, Paat, P. Röbbelen (3 Ex.), Phil. Suffel. Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Anton Kerkhof. und Dan. Simon. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſten s. — ——