# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 03 01_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tes zu verkündigen. Am Tage Nicolai Episcopi hielt er zwei Predigten, die erſte über das Evan⸗ gelium Luc. 19, 12.: Ein Edler ꝛc., die andere über Hebr. 7, 23.: Und jener ſind viele, die Prie⸗ ſter wurden ꝛc. Am Tage der Empfängniß Ma⸗ riä hielt er ebenfalls zwei Predigten über das Evangelium Matth. 1, 1. flgd., worin er die Verheißung erklärte, welche den Vätern von Chri⸗ ſto gegeben war und welchen Glauben ſie gehabt hätten, und zugleich nachwies, wie auch wir durch ſolchen Glauben ſelig werden müßten, ohne alles unſer Verdienſt. Und das alles mit ſolchem Geiſt, daß Alle ſich verwunderten, Gott dankten, daß er ihnen einen,ſolchen Prediger zugeführt hätte, und ihn fleißig baten, daß er ihnen denſelben noch lange laſſen möchte, denn ſie ſähen nun klar ein, wie ſie von den Pfaffen und Mönchen verführt wären. Auch drangen ſie mit herzlicher Bitte in ihn, er möchte das Weihnachtsfeſt über noch bei ihnen bleiben und ihnen alle Tage zweimal pre⸗ digen, denn ſie fürchteten, daß er noch nach einem andern Orte hin berufen würde. Mittlerweile ruhete der Prior Torneborch ſammt M. Johann Snicken nicht. Denn da der Prior ſah, daß ihm ſeine Bosheit nicht gelungen war, zog er mit Doctor Wilhelmus, vom Prediger⸗ orden zu Lunden, zu den grauen Mönchen, welche Barfüßer oder Minores hießen, um bei ihnen Rath und Hülfe zu ſuchen. Denn jene Mönche waren beſonders geſchickt, mit ihrer Gleißnerei das arme elende Volk zu verführen. Alsbald ſchickten die grauen Mönche nach einigen von den Regen⸗ ten, als Peter Nannen, Peter Swin und Claus Roden, welchen ſie mit großen Klagen vorhielten, wie der Ketzer predige und das Volk verführe, welches ihm ſchon zum Theil anhinge; und wenn ſie den Ketzer nicht umbrächten, ſo würde das Lob Mariä ſammt den beiden heiligen Klöſtern untergehen. Als die armen unverſtändigen Leute das hörten, wurden ſie zornig. Peter Swin ent⸗ gegnete: „Man habe dem Pfarrer und Heinricus bereits geſchrieben, wie ſie ſich zu verhalten hät— ten; wäre es nöthig, ſo wollten ſie noch einmal ſchreiben.“ „Nein, antwortete darauf der Prior, Ihr müßt die Sache anders angreifen. Denn wenn Ihr dem Ketzer ſchreibt, ſo wird er Euch antworten und Ihr würdet ohne Zweifel auch mit ihm in Ketzerei kommen, ehe Ihr es gewahr wür⸗ det; denn würde er zu Worte kommen, ſo möchte man ihm nichts anhaben können.“ Da beſchloſſen ſie, daß man Heinricus in der Nacht heimlich fangen und ſofort verbrennen wollte, ehe das Land es erführe und er zu Worten käme. Dieſer Rath gefiel allen wohl, beſonders den grauen Mönchen. Auf einer Verſammlung von Hauptleuten und Anderen in Neuenkirchen wurde dieſer Rath noch genauer überlegt, und be⸗ ſtimmt, daß man am anderen Tage nach Mariä Empfängniß ſich in Hemmingstedt, eine halbe Meile von Meldorf, verſammeln wollte. Die Straßen nach Meldorf wurden mit allem Fleiße verlegt, damit Niemand dort warnte. (Schluß folgt.) 118 Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen? (Fortſetzung.) Nachdem wir nun vorerſt gezeigt haben, daß kein nöthigender Grund dafür vorhanden iſt, die Einſetzungsworte uneigentlich zu nehmen, ſo haben wir uns hiermit offenbar darüber ſchon vollkommen gerechtfertigt, warum wir bei dem eigentlichen Verſtande derſelben bleiben wollen. Denn hat jem and keinen Grund, von der gewöhn⸗ lichen Heerſtraße abzugehen, iſt es dann nicht Thorheit, ihn deswegen zur Rechenſchaft ziehen zu wollen, warum er darauf bleibe und nicht lie⸗ ber einen anderen, ungewöhnlichen Weg ein⸗ ſchlage? Dazu jedoch, daß keine Urſache vorhanden iſt, warum wir den eigentlichen Sinn der in Frage ſiehenden Worte verlaſſen und dieſelben uneigent⸗ lich nehmen müßten, kommt nun noch: II. Daß es hingegen viele wichtige Gründe gibt, die es widerrathen, von demeigentlichen Sinne der Einſetzungs-— worte abzugehen, und die es darthun, daß dieſelben nothwendig eigentlich zu nehmen ſind. 1.) Ein ſolcher Grund dagegen, den eigent⸗ lichen Sinn unſerer Worte zu verlaſſen, iſt: weil das heilige Abendmahl von Chriſto als ſein Te⸗ ſtament eingeſetzt worden iſt. Nicht nur ſpricht Chriſtus nach Matthäus (26, 28.) und Marcus (14, 24.): „Das iſt mein Blut des neuen Te⸗ ſtamentes“, ſondern auch nach Lucas (22, 20.) ausdrücklich: „Das iſt der Kelch, das neue Te⸗ ſtament in meinem Blut“; und nach St. Paulus (1 Cor. 11, 25.): „Dieſer Kelch iſt das neue Teſtament in meinem Blut.“ Was iſt und wozu dient aber ein Teſtament? Es iſt dasſelbe bekanntlich die gewöhnlich ſchrift⸗ lich aufgezeichnete Erklärung eines Sterbenden, in welcher gewiſſe Perſonen zu deſſen Erben ein⸗ geſetzt, dieſen gewiſſe Güter vermacht und in der Regel auch gewiſſe Pflichten auferlegt werden. Ein ſolches Teſtament wird darum ausgefertigt, damit nach dem Tode des Erblaſſers kein Streit über ſeinen Willen in Betreff ſeiner Nachlaſſen⸗ ſchaft entſtehen möge. Da nun der Teſtator nach ſeinem Tode nicht mehr um ſeine eigentliche Mei⸗ nung gefragt, ſondern ſein Wille allein aus den in dem Teſtamente gebrauchten Worten erholt werden kann, ſo nimmt man es natürlich nirgends mit jedem Worte genauer, als erſtlich ſchon bei Abfaſſung, und ſodann natürlich auch bei Auslegung eines Teſtamentes. Erſtlich, wird ein Teſtament abgefaßt, ſo wird jedes Wort, deſſen man ſich darin bedienen will, genau abgewogen, alle zweideutigen Aus⸗ drücke werden vermieden und ſo klar und beſtimmt geredet, als nur immer möglich iſt. —Wie nun? ſterbende Menſchen ſollten aus Sorge dafür, daß nach ihrem Tode kein Streit entſtehe und daß ihr letzter Wille recht vollſtreckt werde, der aller⸗ deutlichſten Worte ſich bedienen, — und der Weis⸗ heit und ſorgſamen Liebe Chriſti, des ſterbenden Sohnes Gottes, wollten wir es nicht zu⸗ trauen, daß er ſo deutlich werde geredet haben, daß über ſeinen eigentlichen Sinn und Willen kein Zweifel ſein könne? Der ſollte ſich in ſeinen Teſtamente ungewiſſer, vieldeutiger, verblümter. Reden bedient haben? Nein! Iſt es jemals in der Welt bei Abfaſſung eines Teſtamentes genau genommen worden mit jedem Worte, damit es! nach Eröffnung des Teſtamentes unwiderſprechlich ö klar ſein möge, was des Erblaſſers wahre Mei⸗ nung ſei, ſo iſt es ohne Zweifel geſchehen bei Ab⸗ faſſung des Teſtamentes JEſu Chriſti. So ſorgſam man aber bei Abfaſſung eines menſchlichen Teſtamentes verfährt, ſo gen au nimm man es demgemäß auch mit Auslegung des⸗ ſelben. Jeder rechtliche Menſch hält es für eine heilige Pflicht, nie von den Worten eines Teſta⸗ mentes abzugehen und dieſelben willkürlich zu deuten; jeder achtet es für einen an dem Verſtor⸗ benen verübten Frevel, bei Auslegung ſeines Te⸗ ſtamentes bald dieſes, bald jenes Wort anders nehmen zu wollen, als es lautet. Unter allen geſitteten Völkern wird die letzte Verfügung eines Sterbenden heilig gehalten und mit der größten Gewiſſenhaftigkeit darauf gedacht, daß dieſelbe laut der dabei gebrauchten Ausdrücke vollſtreckt werde. Geſetzt, es fände ſich in einem Teſtamente, daß der verſtorbene Vater gerade denjenigen ſeiner Söhne, welcher ihm bei ſeinen Lebzeiten den mei⸗ ſten Kummer machte und der ihm die meiſten Thränen und Seufzer auspreßte, mit ſeinem nachgelaſſenen Wohnhauſe bedacht hätte, was würde die Obrigkeit ſagen, wenn die anderen Söhne auftreten und alſo raiſonniren wollten, es ſtehe zwar da: „Das, was dieſer mein ungehor⸗ ſam geweſener Sohn erben ſoll, iſt mein geweſe⸗ nes Wohnhaus“, aber da dieſer Bruder offenbar nichts weniger als den beſten Theil des Erbes verdient habe, ſo habe der Vater ohne Zweifel nicht das wirkliche Wohnhaus, ſondern allein das Bild desſelben gemeint!? Würden ſolche Te⸗ ſtamentsausleger nicht als Frevler zurückgewieſen werden? — Wie? iſt es nun nicht erſchrecklich. gegen die Worte des göttlichen Teſtamentes eine geringere Gewiſſenhaftigkeit beweiſen zu wol⸗ len, als gegen die Worte einer menſchlichen Erbverſchreibung? Iſt es ſchon ein Frevel, dit Worte darin nach ſeinem Sinne umzudeuten, muß daher das nicht ein Frevel über alle Frevel ſein, ſelbſt an den Worten des Teſtamentes Got⸗ tes herum deuteln zu wollen, und da die Worte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, ſo auszulegen: Das bedeutet meinen Leib, oder das iſt ein Zeichen, ein Bild, ein Symbol meines Leibes, und dergleichen? — Wohl ließe es ſich denken, daß auch in einem Teſtamente bei Angabe eines Neben umſtandes eine bildliche, uneigentliche Redeweiſe vorkäme, da dieſelbe ſo häufig vorkommt, daß man ſich ihrer ſelbſt in der Umgangsſprache nicht ſelten bedient; aber undenkbar iſt es, daß ein auch nur vernünf⸗ tiger Menſch gerade da in ſeinem Teſtamente bildlicher Ausdrücke ſich bedienen ſollte, wo er dit Erbſtücke nennt, die er ſeinen Erben ausſetzt. Wer