# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S288 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 288 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. wirklichung begrüßte er in den Rissen unter uns, während gerade der Fortgang unsrer Ge⸗ schichte ihn überführen kann, wie mißlich es mit dem „friedlichen" Nebeneinanderstehen ist. Ebensowenig kann ich großes Gewicht auf das günstige Urtheil der Buffaloer (Gradau und Hochstetter im Informatorium) über die Stellung von Crome, Eckert und mir legen: denn ich kann nicht übersehen, daß gerade die Buffaloer dem Pastorat und der Synode fälschlicher Weise eine gebietende und die Gewissen knechtende Autorität in Mitteldingen zu⸗ schreiben. Möchten doch auch die Gegner, statt im Kirchenblatt nur möglichst viel Zeugnisse gegen uns zusammenzubringen und damit dem urtheilslosen Haufen zu imponiren, sich die Urtheile erst auf ihren Grund und Werth näher ansehen! Das aber rühme ich dankbaren Herzens als eine große Freude und Erquickung vom HErrn, daß mehrere der anerkanntesten Vertreter gesunder lutherischer Rechtgläubigkeit sich, wenn sie auch als draußenstehende sich manchmal in den praktischen Kampf nicht finden können, doch offen zu den Grundsätzen, für die wir kämpfen, bekannt und mit uns die entgegenstehenden ausdrücklich verworfen haben. Münkel voran, der noch neuerlich durch seinen trefflichen Aufsatz „Fingerzeige zu der Lehre vom Kirchenregiment" augenscheinlich bewiesen hat, wie wenig sein oben erwähnter Trumpf gegen Diedrichs Person ein Aufgeben seines bisherigen Urtheils über unsere Strit⸗ fragen bedeutet. Wesentlich eins mit ihm sind der Dogmatiker Philippi und der Kirchenrechtslehrer Mejer in Rostock; und je offener ich im vorigen Heft das, worin ich von Harnack differire, hervorgehoben habe, desto unbefangener kann ich nun hier auch ihn als in der Hauptsache für uns Zeugniß gebend anführen. Ich weiß nicht, welcher Männer Zeugniß mich mehr stärken und trösten könnte. Und wenn wir blos den Punkt vom göttlich gestifteten Amt des Kirchenregiments ins Auge fassen, so ist die Einmüthigkeit des Zeugnisses für uns und die Verwunderung über die Behauptung unsrer Gegner eine sehr weite Kreise umfassende. Pastor Ehlers berichtet selbst Folgendes in seinem Zeitblatt vom 1. Juli: „Am Donnerstage den 19. Juni stellte sich der Kirchenrath Pistorius aus Breslau Vormittags 10 Uhr in der Wohnung des Pastor Ehlers in Liegnitz ein, ohne seine Zukunft vorher ange⸗ zeigt zu haben. Nach einem kurzen Gespräche sagte sich Pastor Ehlers vom Oberkirchen⸗ collegio in Breslau los, worauf Kirchenrath Pistorius in der Eigenschaft eines Superinten⸗ denten ihn suspendirte. Von Anerkennung dieser Suspension von Seiten des Past. Ehlers konnte natürlich nicht die Rede sein, und als K. R. Pistorius Nachmittags brieflich von ihm Kirchenbücher, Siegel und Akten forderte, lieferte er ihm nichts aus." Zöller und Haag. In Betreff dieser beiden bekannten Glieder des preuß.⸗luth. Ministeriums lesen wir in Rathsen's Kirchenzeitung vom Monat Juli: „Dr. Wangemann (der mit so scharfen Waffen für das göttliche Recht des K. Regiments ficht) berichtet in seinem pomm. Monatsblatt, Sup. Zöller habe vom O. K. K. auch bereits eine Ver⸗ warnung erhalten. Als derselbe 1860 in Breslau vor allem für „Stärkung des O. K. K." sprach, ward er sogleich zum Superintendent ernannt. Das haben Alle schon bitter bereut. Zöller kannte damals weder Personen noch Zustände hinlänglich. Auf der Conferenz in Berlin 1861 trat er gegen Huschke's und Pistorius Lehren auf und jetzt eben hat er eine treff⸗ lich klare Schrift herausgegeben unter dem Titel: „Seid nüchtern und wachet — oder was lehren unsre Bekenntnißschriften von Kirche, K. Regiment und K. Ord⸗ nung? seinen Gemeinen zur Belehrung und Warnung vor falscher Lehre dargereicht von Alb. Zöller, Sup. und Pastor der luth. Kirche in Wollin." Zu haben beim Verfasser. Diese Schrift hat 48 Seiten, ist deutlich und jedermann zu empfehlen. — Past. Haag in Stolp (Hinterpommern) hat kurz vor Pfingsten seinen Austritt aus der Breslauer Synode dem O. K. K. angezeigt, sein Amt daselbst niedergelegt und ist, nach Baden berufen, dort⸗ hin bereits abgegangen. Naturalismus in Sachsen. Das Sächsische Kirchen⸗ und Schulblatt schreibt unter dem 10. Juli: Heute (am Tage St. Johannis) versandte die Buchhandlung von Otto Voigt zwei Heftchen in die Häuser unter folgendem Titel: „System und Geschichte des Naturalismus von Eduard Löwenthal (klingt ächt neuisraelitisch), Dr. philos.; Dritte vermehrte Auflage." Den Inhalt zieht das Motto („aus des Verfassers Tragödie: Arnold v. Brescia") getreulich und bequemlich zusammen in den Versen: „Die Zeit, sie naht, wo durch des Wissens Macht „Die Götter fallen, die Altäre wanken; „Wo die Natur allein als Heil'genbild „Als Offenbarung die Vernunft nur gilt. „— Die Kirche stürzt im Sturme der Gedanken!"