# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S285 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 285 muß ein Ringen der Wahrheit in Liebe eintreten auf Grund der heil. Schrift und Ge⸗ schichte. Es muß dahin getrachtet werden festzustellen: Was ist das Wesentliche und Specifische der luth. d. h. rechtgläubigen Kirche? Was constituirt sie? Das ist offenbar das Sacrament des Altars. Alle die in Lehre und Praxis darin eins werden, sind trotz der andern Verschiedenheiten, die großentheils nicht in ausgemachten Bibelwahr⸗ heiten, sondern in theologischen Consequenzen und im dogmatischen System liegen, wahre Lutheraner, können sich und sollen sich in Liebe tragen, Kirchengemeinschaft suchen und halten." Also Einigkeit in Lehre und Praxis betreffs des Altar⸗Sacramentes schon allein constituirt die lutherische Kirche; alle welche darin einig sind, sind „trotz der ande⸗ ren Verschiedenheiten wahre Lutheraner und haben Kirchengemeinschaft zu halten! Zwar liegen die Verschiedenheiten nur „großentheils" nicht in ausgemachten Bibelwahr⸗ heiten, also kleinentheils allerdings: allein es ist doch besser, man opfert einen Theil ausgemachter Bibelwahrheiten, als daß die äußerliche Zersplitterung fortdauert. St. Paulus freilich meinte, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuere (Gal. 5, 9.): aber dieser Paulus scheint auch zu jener „Richtung" gehört zu haben, „die allein und ausschließlich berechtigt von vornherein sein und alle anderen über ihren Leisten schlagen will." Diese Engherzigkeit, die dem Apostel wohl noch aus dem Pharisäismus angehan⸗ gen, kann unmöglich maßgebend sein. Es gibt freilich auch „falsche Unionen" und einen verwerflichen „Indifferentismus"; das ist aber dies, wenn man in allem, selbst in Be⸗ treff des heil. Abendmahls nicht einig ist und doch Kirchengemeinschaft pflegt; eine rechte Union aber ist, wenn man nur über das Heerbanner der rechtgläubigen Kirche einig ist, unter diesem Banner mag dann jeder kämpfen, wofür oder wogegen es einem jedem beliebt. So viel ist wenigstens gewiß, Luther will von solcher Kirchengemeinschaft nichts wissen. Er schreibt in seiner Schrift wider Hans Wurst: „Darum kann und mag die heilige Kirche keine Lügen noch falsche Lehre leiden, sondern muß eitel heilig, wahrhaftiges, das ist, allein Gottes Wort lehren .. Das Leben kann wohl Sünde und unrecht sein, ja ist leider allzu unrecht; aber die Lehre muß schnurrecht und gewiß ohne alle Sünde sein. Darum muß in der Kirche nichts, denn allein das gewisse, reine und einige Gottes⸗Wort gepre⸗ digt werden. Wo das fehlet, so ist's nicht mehr die Kirche, sondern des Teufels Schule." (Walch's Ausg. XVII, 1682. 1686.) Die s. g. Freunde Jerusalems haben am 3. und 4. April ihre 4. Synode in Stuttgart gehalten. Der letzte Gegenstand der Verhandlungen war nach den in Buffalo herauskommenden „Zeichen der Zeit" vom 1. August: Der Tempel in Jerusalem und seine Wichtigkeit für die ganze Welt. Ueber die Früchte des Tempels spricht sich die Synode wie folgt aus: „Eine für das Verderben unnahbare Kraft des Geistes, eine Hebung der Leibes⸗ kraft für Verlängerung der Lebensdauer und endlich bis zur Aufhebung des letzten Feindes, des Todes, und im Aeußeren ein ruhiger Besitzstand, — das sind die Früchte des Tempels. Nur ein Glaube, der solche Zustände herbeiführen will, ist der vom Evangelium geforderte Glaube." Man traut kaum seinen Augen, wenn man solches chiliastisches Zeug liest. Allerdings sieht man aus anderen Aeußerungen der s. g. Freunde Jerusalems, daß dieselben das Verderben merken, in welchem jetzt die Christenheit liegt, aber, indem sie über alle religiöse Gemeinschaften das entschiedenste Verdammungsurtheil aussprechen, offenbaren sie durch ihre Rathschläge zur Besserung ihre eigene vollkommene geistliche Blindheit. Berlin. Hier hat die Predigt, welche Oberhofprediger von Hengstenberg zur Feier der Eröffnung des Landtags vor der Landesvertretung, dem König und dem Kronprinzen hielt, großes Aufsehen erregt. Er sagte nehmlich, das preußische Volk sei so tief gesunken, daß es in hellen Haufen seine Ehre in seiner Schande suche. Dafür wurde er am 27. Mai vor den König beschieden und erhielt einen Verweis. Pr. K. Z. Lutherische Mission. Bei Gelegenheit der Jahresfeier der ev.⸗luth. Heiden⸗ mission in Leipzig am 11. Juni wurden drei bereits ordinirte Candidaten der Theologie, Handmann aus Greiz, Norling aus Livland und Schanz aus Dresden, durch Dr. v. Harleß zu ihrem Berufe als Missionare abgeordnet. Als Jahreseinnahme ergab sich die Sum⸗ me von 60,000 Thaler (20,000 mehr als im Jahre vorher). Wolf, der zuletzt noch wegen