# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S280 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 280 Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. das Beste, bei dem textus receptus und der nun einmal üblich gewordenen scriptio zu bleiben. „Anders verhält es sich mit ganzen Wörtern, die aus der heutigen Schriftsprache mehr oder minder verschwunden sind, als: ende⸗ lich, Ferge, löken u. dergl. Solche können ohne Willkühr nicht entfernt werden, sie müssen vielmehr als werthvolle Ueberreste einer älteren Zeit fest⸗ gehalten und in einem Verzeichnisse ein für allemal erklärt werden. Wir ertragen solche Wörter, ja wir freuen uns ihrer bei Göthe, Uhland und Rückert, und sollten sie in unserer Bibel nicht ertragen?" — Um das Ge⸗ sagte noch einmal kurz zusammenzufassen, so haben wir unsere deutsche Bibel von den Vorfahren empfangen, nicht um daran zu ändern, sondern um sie unverändert den Nachkommen zu überliefern. „Es wäre über die Maßen traurig, wenn der Subjectivismus der Zeit nirgend eine Schranke fände, vor welcher er Halt machte. Allen Freunden der Kirche müßte es, sollten wir meinen, am Herzen liegen, hier zu wehren und zu verhindern, daß nicht das Einzige, was seit drei Jahrhunderten Stand gehalten, in die unruhige Bewegung der Zeit hineingezogen werde." — — Zu guten Hoffnungen in dieser Hinsicht berechtigt die weite Verbreitung der Apathie gegen die moder⸗ nen Revisionsprojecte, sowie die zunehmende offene Opposition dagegen. Stier ist untröstlich, außer mir und meinem Verdammnißgenossen Scholz (vom neunten Kirchentage) nicht nur Nägelsbach, sondern auch Palmer, Wetzel u. A. gegen sich zu haben. In etwas tröstet er sich zwar mit Ermun⸗ terungs- und Dankbriefen für seine bisherige Revisionsarbeit, „z. B. mit dem rührend naiven Schreiben eines in seinem Kreise für das Reich Gottes wirkenden Schäfers bei Dresden, welcher ausruft: Wie wird sich der liebe Luther im Himmel freuen, daß wir jetzt von seinen Fehlern erlöst werden!" zu welchen Fehlern bekanntlich auch das in den Römerbrief hineinübersetzte „allein durch den Glauben", und das in letzter Instanz hierauf gegründete Verwerfungsurtheil aller Sacramentirerei und Unionisterei gehören. Durch solche Schäferweisheit findet sich Stier erbaut und einigermaßen beruhigt. „Nur daß wiederum gegen diese Tröstungen die Trauer überwiegen muß, daß der Markt niederdrückend beherrscht wird von dem überall wohlfeil dar⸗ gebotenen alten Texte, daß er nach neuestem Beschluß fortwährend so be⸗ herrscht werden soll durch nur ein klein wenig bessernde Verbreitung dieses Alten, wogegen das Neue, trotz etwanigen Empfehlens, wahrlich schwer auf⸗ kommen kann." Das sind freilich trübe Aussichten für die Revision. „Ja leider, seufzt er, wenn man so die Stimme des literarischen Marktes abhört, steht es im Allgemeinen schlimm noch mit der hochwichtigen Sache." Hoch⸗ wichtig ist die Sache allerdings, und für Stier noch in einem ganz anderen Sinne als z. B. für mich. Ich schreibe doch nur „überhaupt um der Sache willen," nicht aber, wie er, „dann auch um der Sache willen für mein persönliches Werk eintretend; wenn ich in der Revisionsfrage das Wort nehme, so betrachte ich nicht, wie er, mein armes Bißchen Ich „als un⸗ trennbar davon," brauche daher auch keine unlogische Confusion zu meiner Entschuldigung herbeizuziehen. (Nach Stier's Logik lautet diese Ent⸗