# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S278 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 278 Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. jede neue Behörde könnte dasselbe Recht in Anspruch nehmen, die Bibel zu ändern, wie ihre Vorgängerin. Nun denke man sich diesen Vorgang etwa ein Jahrhundert hindurch fortgesetzt, und versuche sich die babylonische Ver⸗ wirrung vorzustellen, welche nach Ablauf dieser Periode auf einem Gebiete herrschen würde, wo jetzt noch eine glückliche Einheit herrscht. Würde nicht diese Einheit, diese ächte, nicht durch Cabinetsordren, sondern von Gott selbst gestiftete Union einen unheilbaren Riß erhalten, wenn jenes feste Band da⸗ hin fiele? Es ist doch etwas Großes und Herrliches um das Bewußtsein, daß das gleiche Wort Gottes, wie eine Parole, von allen deutsch redenden Protestanten gekannt, von Mund zu Mund geht, von allen Kanzeln er⸗ schallt, in allen Häusern gelesen wird. Und diese herrliche Einheit, dafür wir Gott täglich auf den Knieen danken sollten, die sollte zerstört, zerrissen werden? Und das um einer Anzahl Stellen willen, in denen die Uebersetzung vom strengen Sinne des Urtextes abgeht?" Hierzu kommt noch eins, welches nicht minder schwer wiegt. „Welcher Schaden würde dem christlichen Leben der Einzelnen und der Gemeinden aus der Abschaffung der unveränderten Bibel erwachsen? Können wir es leugnen, daß der Schatz unserer Kirchen⸗ lieder den größten Theil seiner segensreichen Wirkung auf unser Volk einge⸗ büßt hat, seit auf diesem Gebiete die Einheit einer bunten Mannigfaltigkeit hat weichen müssen? Würde es mit der Bibel anders gehen? Wo würde die Bibelfestigkeit bleiben, welche unsere Väter in so herrlichem Maße besaßen, und wir wenigstens theilweise, zum Segen für uns, noch besitzen? Wie soll⸗ ten Prediger, Lehrer, Schüler den gleichen Fleiß anwenden, sich und Ande⸗ ren ein Wort fest und bleibend einzuprägen, welches sich selbst nicht gleich bliebe, sondern dem Proteus gleich von Zeit zu Zeit seine Gestalt än⸗ derte? Welch ein unschätzbarer Segen liegt darin, daß die Enkel dasselbe Wort lesen und wissen, welches die Großväter lasen und wußten! daß unter allem Wechsel dieses Wort immer sich selbst gleich bleibt! daß man gewiß sein kann, überall das gleiche Wort anzutreffen, wohin man auch kommt, soweit die deutsche Zunge klingt! Diese Kircheneinheit, wäre sie einmal ver⸗ loren, man würde sie mit blutigen Thränen, und doch vergeblich, zurück⸗ wünschen. Und wir, die wir sie noch haben, diese Einheit, wir sollten dieses hohe Gut muthwillig von uns werfen, um eines eingebildeten Vortheils willen, der für die Ewigkeit keinen Belang hätte! Man bedenke doch nur, was es damit auf sich hat, wenn im Volke die Ueberzeugung, in Luther's Arbeit die richtige Bibel zu besitzen, erschüttert würde; wenn durch gewisse Maßregeln der kirchlichen Behörden das Volk in dieser Ueberzeugung irre gemacht würde. Wer wollte, wer könnte die Verantwortung für den See⸗ lenschaden auf sich nehmen?" — Aber, entgegnet man, die luth. Bibel er⸗ mangelt für unsere Zeit nicht selten der Deutlichkeit und Verständlichkeit. Wie Vieles, was zur Reformationszeit allgemein verständlich war, ist es nicht mehr, oder hat einen ganz andern Sinn als damals! Nun ja, das sind eben die bekannten Argumente, welche auch für die Veränderung der Kirchenlieder geltend gemacht wurden. Die Sprache nennt man, die