# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S276 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 276 Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. rische Treuherzigkeit läuft der rasselnden Werbetrommel nach. Sie übersehen in ihrer Gutmüthigkeit den kirchenhistorischen Umstand, daß die Lärmer und Betäuber, die Werber und Trommelrasseler aus lauter Zeitgeistspropheten, Unionsreformatoren und Zukunftskirchenpriestern bestehen, die aus reflectirender Absichtlichkeit, oder dunkelm Gemüthsdrange der christlichen Wahrheit den Rücken gekehrt und sich selbstgeschaffenen Idolen zugewandt haben. In dem Treiben dieser Bannerträger der angeblichen Revision liegt etwas Fata⸗ listisches: ein herostratischer Geist regiert sie und hält ihnen die Vernichtung der Reformation und ihrer Früchte als Ziel ihres Nachrufs, als Aufgabe ihres Lebens vor. Unablässig flüstert oder schreit er ihnen in's Gemüth: Seht, der Vergangenheitskirche haben Hieronymus und die älteren deutschen Uebersetzer eine Vergangenheitsbibel geschrieben; für die gegenwärtige Kirche schuf Luther die gegenwärtige Bibel; ihr aber seid berufen, der Zukunfts⸗ kirche ihre Zukunftsbibel zu geben! Aus diesem impulsus fatalis sind bereits Bunsen's Japhetsbibel für die religionsleeren — und Stier's Unionsvul⸗ gate für die religionsvollen Anhänger der Zukunftskirche hervorgegangen, und wer weiß, wie viele Nachfolger sie finden werden! Wir stehen erst an Anfange eines Beginnens, welches seine innere Nothwendigkeit darin findet, daß jede neu auftauchende Religionsgemeinschaft auch eine neue Religions⸗ urkunde haben muß. Es wirkt hier derselbe Geist, der einst im Gegensatze zum Christenthume den Talmud und Alkoran hervortrieb, im Gegensatze zur Reformation eine lateinische Bibelübersetzung auf Kosten des Grundtextes canonisirte. Wenn er auch jetzt noch mehr oder weniger schüchtern, als simple Verdeutlichungs⸗ und Revisionstendenz, auftritt, so wird ihn doch zuletzt die Consequenz der geschichtlichen Entwicklung zum Abwerfen aller Masken und Rücksichten zwingen; dann wird sich zeigen, wie die sprachliche Bibelrevision nur Außenseite, Vorwand und Vorläuferin der sachlichen war, — einer Re⸗ vision nicht der luth. Uebersetzung, sondern des prophetisch⸗apostolischen Ori⸗ ginals, die sich bloß, um ihren Zweck sicherer und vollständiger zu erreichen, an Luthers Werk und Namen hing, — einer Bibelrevision aus dem Evan⸗ gelischen, Protestantischen, Deutschen ins Zeitgeistige, Japhetische, Unioni⸗ stische, Zukunftskirchliche, Freigemeindliche, aus dem Christlichen ins Fana⸗ tische, Enthusiastische. — Aber, könnte man einwenden, eine solche Revi⸗ sion lasse sich gar nicht durchsetzen. Warum nicht? Die Zeiten sind ja stär⸗ ker als die Menschen; wer dem Zeitgeiste nur einmal einen Finger gegeben hat, dem nimmt er später mit Gewalt die ganze Hand. Wollen wir Gottes Wort und heilige Schrift uns überhaupt nicht gänzlich von dem unsichtbaren Gewalthaber des 19. Jahrhunderts rauben lassen, so müssen wir damit an⸗ fangen, ihm keinen Buchstaben von unserer deutschen Volksbibel preis zu geben. Es gilt hier nicht, sich auf den Unterschied von Grundtext und Version zu berufen, sondern der ungelehrten deutschen Christenheit dasjenige Buch un⸗ verändert zu erhalten, in welchem allein sie die heilige Schrift besitzt, für welches sie also auch niemals einen Ersatz, selbst nicht in der allergelungen⸗ sten Dolmetschung, erlangen oder annehmen, wird. „Zwingt ihr dem Volke