# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S275 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. 275 kannt tüchtiger Commentare, Paraphrasen, Vorreden und Einleitungen, nach Kräften zu fördern, liegt im tiefsten Interesse der evangel. Kirche. Und grade dieses Interesse hat es mit sich gebracht, daß sie vor Zeiten ihren unge⸗ lehrten Gliedern nicht eine Pfuscherei gelehrter „Hümpler und Stümpler," sondern das Meisterwerk der lutherischen Bibel, sammt den Vorreden und Glossen ihres Verfassers, in die Hände gab, — nicht als eine den Grundtext beseitigende Trienter⸗Vulgata, sondern als die beste unter den vorhandenen Laien⸗Bibeln. Wollte man aber etwa sagen: Was „vor Zeiten" meisterhaft und köstlich war, das ist gegenwärtig nicht mehr genugsam, so entgegnen wir: Wohlan! zeigt etwas Besseres auf! Bis dahin halten wir unsere deutsche Bibel noch für unübertroffen, können uns aber nur freuen, wenn neben der⸗ selben noch andere brauchbare Versionen entstehen und von Solchen, die ein besonderes Bedürfniß fühlen, fleißig zu Rathe gezogen werden. Selbst manche jetzt übelgescholtene Dolmetscher (de Wette, Gesenius u. dergl.) können, meines Erachtens, den verständigen und befestigten Laien nützlich werden; auch Stier, wie ich schon bei einer frühern Gelegenheit ausgesprochen habe, besitzt vollständig das wissenschaftliche Zeug zu einer selbständigen Bibelübersetzung. Sonach ließe sich also nicht absehen, was mit jenen drei Fragen von Seiten der Revisionsfreunde eigentlich gemeint sei, wenn nicht der eifrigste und unvorsichtigste von ihnen auf indirekte Weise verrathen hätte, worauf man eigentlich abziele. Warum schafft denn Stier keine eigene Bibelversion? Wenn er wirklich das Dolmetschen besser versteht als Luther, so wäre es ja seine Pflicht, der Christenheit eine gelungenere Uebersetzung zu bieten und nicht zu zweifeln, daß dieselbe sich nach und nach allgemeine An⸗ erkennung erwerben werde. Statt sich über diesen Punkt auszusprechen, er⸗ hebt er den Vorwurf, wir machten Luthers Uebersetzung zur protestantischen „Vulgate," — und offenbar durch diese unbesonnene Anklage die geheimen Triebfedern seines Revisionseifers. „Was ich denk' und thu', trau' ich Andern zu!" Die Sache steht augenscheinlich so: Dem leidenschaftlichen Revisions⸗ manne liegt gar nichts daran, eine gewöhnliche Bibelübersetzung zu schaffen, die erst den Versuch wagen müßte, ob sie bei Gelehrten und Laien der luthe⸗ rischen den Rang ablaufen könne; dieser Weg ist ihm viel zu langsam und der Erfolg für seine hochfliegenden Gedanken viel zu ungewiß. Er sucht uns zwar einzureden, er wolle durchaus nichts andres, als eine Emendation und Pur⸗ gation unserer deutschen Bibel, und nicht Wenige lassen sich das auch auf⸗ binden; ja es ist möglich, daß ihm selbst das eigentliche Ziel seines Strebens nicht zum klaren Bewußtsein gekommen ist. Es ist dies ja überhaupt bei vielen, vielleicht den meisten, Revisionsfreunden der Fall; der Verbesserungsschwindel liegt einmal in der Zeitluft und ergreift ausnahmelos jeden, der die Geister, ihre Motive und Tendenzen, ihre Bahnen und die Zielpunkte, bei denen sie, bewußt oder unbewußt, anlangen müssen, nicht zu prüfen und zu durch⸗ schauen vermag. So sehen wir manche achtungs⸗ und liebenswürdige Persön⸗ lichkeit, um die es uns sehr leid thut, in das Revisionsgeschrei einstimmen, oder wenigstens von dem Lärm betäubt dastehen; selbst manche arglose luthe⸗