# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S272 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 272 Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. Frage, vielleicht noch gespickt mit Stier'schen Complimenten und Empha⸗ sen: Also Luther's Uebersetzung hältst du für Gottes Wort? Ja, ihr Herren, und nicht ich allein; die ganze evangelische Christenheit hält sie dafür und nennt sie auch so. Und wie könnte sie anders? Singt sie doch: Gottes Wort ist Luther's Lehr', darum vergeht sie nimmermehr, — und Luther's Haupt⸗ werk, die deutsche Bibel, sollte sie für Menschenwort achten, unter die Men⸗ schensatzungen zählen? Ein solches Urtheil erlaubt sie sich ja nicht einmal simpliciter gegen die Uebersetzungen der 70 Dolmetscher und des Hieronymus, die doch offenkundige Menschenzuthaten nicht blos unterschiedslos beigefügt, sondern an manchen Stellen sogar in die canonischen Schriften eingeschoben haben. Ich habe andere Begriffe, als ihr, vom Worte Gottes. Ich finde dasselbe nicht blos in den biblischen Original⸗Urkunden, sondern überall, wo deren Inhalt, Sinn, Meinung und Lehre lauter und unverfälscht vorgetragen wird, in welcher Sprache und mit welchen Ausdrücken es auch immer sei. Menschenwort hingegen sehe ich allenthalben da, wo Gedanken und Satzun⸗ gen, die der heil. Schrift nicht gemäß sind, verkündigt werden, wenn dies auch durchweg in der reinsten Schriftsprache, ja mit den selbsteigenen hebräischen und griechischen Wörtern, Sprüchen und Reden der Propheten und Apostel geschähe. Ich behaupte, gleich den evangelischen gemeinen Leuten, ein rechter christlicher Seelenhirt predige in seinen Sermonen und Homilien Gottes⸗ nicht Menschenwort, — das apostolische Symbolum, die unveränderte augsb. Confession, das Gesangbuch unserer evangel. Väter verkündige Gottes⸗, nicht Menschenwort; dagegen die unirte Abendmahlsspendeformel, den heidelb. Katechismus, die Variata halte ich, sammt der calvin'schen Dogmatik und der rationalistischen Religionsphilosophie, allerdings für Menschenlehre und Menschensatzungen. — Wer nun aber Gottes Wort und Geist nicht an den biblischen Grundtext bannt, wer also auch bei codicalen Divergenzen nicht verlegen fragt, in welcher Variante der heil. Geist, in welcher der Geist des Ab⸗ schreibers lebe, welche Lesart Gottes⸗, welche Menschen Wort enthalte, wer vielmehr in jeder schrift analogen Textform Gottes Geist und Wort an⸗ erkennt, der findet in beiden Bibel⸗„Exemplarien," dem hebräisch-griechischen, wie dem deutschen, lutherischen, die Urkunde des göttlichen Worts: in jenem das Original, in diesem die mit dem Siegel der durchgängigen Schriftanalogie beglaubigte Copia vidimata. Oder verstößt etwa unsere deutsche Bibel irgendwo gegen die Schriftanalogie? Nirgends! „Auch die ganz unleugbaren Fehler, welche Luther begangen hat, sind doch ohne Ausnahme der Art, daß der christ⸗ liche Leser, daß die Gemeinde Christi dabei nichts Erhebliches verliert, oder um das Wenigste zu sagen, dadurch nicht irre geleitet und zu bedenklichen, oder gar gefährlichen Irrthümern verführt wird. Dies erhellt schon aus dem Er⸗ folge. Man weise doch einen religiösen Nachtheil auf, welchen das christliche Volk aus den Unrichtigkeiten unserer deutschen Bibel gezogen hat. Man zeige die falschen Lehren und Ansichten, welche daraus in die Gemeinden geflossen sind. Man weise die praktisch schädlichen Folgen nach, welche auf Rechnung dieser Unrichtigkeiten zu setzen sind." Selbst Stier hat nichts der Art aus⸗