# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_September 1862_S271 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lic. Ströbel über die Revision der Luther'schen Bibel. 271 seiner Behauptung die einfache, auf der Hand liegende Schlußfolge mache, sonach sei das göttliche Wort den Ungelehrten ewig unzugänglich. Wie viel ungesalzenes Gewäsch über nothwendige Bibelverbesserung hätte sich der sel⸗ tene Mann ersparen können, wenn er, statt mich zu anathematisiren und einen Nägelsbach zu schulmeistern, lieber einmal ernstlich nachgedacht hätte, warum er denn eigentlich die deutsche Bibel für Menschenwort und Men⸗ schenwerk, die hebräisch⸗griechische für Gotteswort und Gotteswerk halte. Mit dem Hinweis auf die prophetisch⸗apostolische Autorität ist hier so wenig auszurichten, als mit dem Glauben an die Buxtorf'sche Inspiration, — und bis zu diesen beiden Beweismitteln bringt es vielleicht Stier noch nicht einmal. Wollten er und seine Freunde einmal genau die Gedanken zer⸗ gliedern, von denen in der Revisionsfrage ihr Urtheil stillschweigend abhängt, sie würden zu dem Resultate kommen, Gottes Wort lasse sich weder in Menschen⸗, noch in Engelzungen, weder in hebräischer, noch in griechischer Sprache reden, weil es in den unaussprechlichen Worten bestehe, die der Apostel in der Entzückung wohl hören, aber sowenig, als irgend ein anderer Mensch, sagen konnte. Sie würden den engen Zusammenhang ihrer Ideen mit denen jener „himmlischen Propheten" und Enthusiasten wahrnehmen, die zur Reformationszeit wollten „scharfe Richter sein zwischen Buchstaben und Geist;" die im Widerspruch gegen Luther nur das „innere" Wort, die Stimme des heil. Geistes im Herzen, als Gottes Wort ansahen, das „äußere" Wort in Schrift und Predigt geringschätzig, als „pur lauteres" Menschenwort und „armes Geschrei auf der Kanzel," behandelten, und deren Fußstapfen auch Zwingli und Calvin mit ihren Angehörigen, sammt allen Pietisten und Neugläubigen, gefolgt sind und noch folgen bis auf diesen Tag. Ferner würden Stier und seine Revisionsfreunde (zu denen jedoch weder die Canst. Bibelanstalt, noch die von ihr namhaft gemachten Gelehrten ge⸗ rechnet werden dürfen) bei strenger Selbstprüfung zu der Einsicht gelangen, daß nach ihren Grundanschauungen die heil. Schrift durch jede, auch die gelungenste und fehlerfreieste, Version stets in ihr specifisches Gegentheil, d. h. aus Gottes Wort in Menschenwort umgesetzt wird, — daß aus diesem Grunde überhaupt gar keine Bibelübersetzung in der Kirche zu dulden ist, denn wer darf der Christenheit Menschenwort statt Gotteswort bieten? — daß aber auch der Grundtext, insoweit als masorethisches und kritisches Gut⸗ befinden über ihn entschieden hat und noch entscheidet (also doch immerhin theil⸗ und stellenweise), nur als Menschenwort gelten kann, — endlich, daß die Herren selbst, die zwar hart auf eine wort⸗ und sinngetreue Version dringen, sich aber das Recht einer zwinglianischen, unionistischen, philosophi⸗ schen u. s. w. Interpretation des Grundtextes reserviren, diesem eo ipso für Menschenwort, aus menschlichem Geiste geflossen und darum auch aus menschlichem Geiste zu deuten, proclamiren. Ihre angebliche Ehrfurcht vor Gottes hebräisch⸗griechischem Wort ist — eben nur angeblich, nur singirt, in Wahrheit gerade so gering, als ihr Respect vor Gottes deut⸗ schem Worte. — Hier höre ich schon im voraus die hochweise calvinistische